Auf Islay denken die meisten sofort an Torf, Teer und Lagerfeuer – Bunnahabhain bricht mit diesem Klischee. Die Brennerei liegt an der Nordostküste der Insel nahe Port Askaig, an einer Stelle, die lange nur per Schiff erreichbar war, und wurde 1881 gebaut. Der Name stammt aus dem Gälischen und bedeutet „Flussmündung“, gemeint ist die Mündung des Margadale in die Bucht von Bunnahabhain. Das Haus brennt traditionell ungetorften Malt, setzt auf Sherry- und Bourbonfässer und bleibt dabei maritim-salzig. Dass es auch anders geht, zeigt die getorfte Ausnahme Toiteach A Dhà.
Überblick
- Name: Bunnahabhain Distillery
- Ort: nahe Port Askaig, Isle of Islay, Schottland
- Gegründet: 1881 (Produktionsbeginn 1883)
- Region: Islay (Nordostküste, am Sound of Islay)
- Besitzer: CVH Spirits (Scotch-Sparte, ehemals Burn Stewart / Distell; Eigentümerstruktur siehe Tabelle)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, überwiegend ungetorft, daneben getorfte Chargen
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1881 | Gründung durch die Islay Distillery Company mit den Brüdern William und James Greenlees und dem Blender William Robertson (Robertson & Baxter); der erste Brand folgt 1883 |
| 1887 | Fusion mit Glenrothes zur Highland Distillers Company; Bunnahabhain wird Teil davon |
| 1960–63 | Erste Straße zur Brennerei (bis dahin Versorgung per Schiff); 1963 wird die Zahl der Brennblasen von zwei auf vier verdoppelt |
| 1980er | Stilllegung wegen Marktflaute, je nach Quelle ab 1981/82 bis 1984 |
| 2003 | Highland Distillers (inzwischen zur Edrington Group gehörend) verkauft an Burn Stewart Distillers |
| 2013 | Burn Stewart wird von Distell übernommen (je nach Quelle auch 2014) |
| 2023 | Heineken übernimmt den Großteil von Distell; das Scotch-Geschäft firmiert als CVH Spirits und wird abgespalten |
| 2024 | Campari erwirbt einen Minderheitsanteil an der Mutter Capevin Holdings |
| Heute | Bunnahabhain gehört zu CVH Spirits, zusammen mit Deanston und Tobermory |
Besonderheiten bei der Herstellung
Wasser: Margadale
Das Prozesswasser stammt nach Herstellerangabe aus der Margadale-Quelle, die rund eine Meile nördlich der Brennerei liegt. Das Wasser gilt als mineralreich; Kühlwasser wird einer anderen Quelle zugeschrieben.
Ungetorft als Hausstil
Traditionell arbeitet Bunnahabhain mit nahezu ungetorftem Malz; als Obergrenze für den Hausstil werden rund 2 ppm genannt. Seit den späten 1990ern wird zusätzlich ein kleinerer Anteil getorftes Malz gebrannt, nach Angaben von Quellen etwa ab 35 ppm. Daraus entstehen Abfüllungen wie der Toiteach A Dhà. Die genauen Torfwerte sind aber keine offiziellen Angaben.
Brennblasen mit langen Schwanenhälsen
Vier Kupferbrennblasen, zwei Wash Stills (je 30.000 Liter) und zwei Spirit Stills (je 15.000 Liter), prägen das Destillat. Beschrieben werden ungewöhnlich lange Schwanenhälse, die einen leichten, fruchtigen Charakter begünstigen. Die Jahreskapazität liegt je nach Quelle bei rund 3,3 bis 3,5 Millionen Litern.
Fassreifung und Abfüllung
Die Reifung konzentriert sich traditionell auf Sherryfässer, ergänzt durch Ex-Bourbon. Die Kernabfüllungen kommen nicht kühlgefiltert und ohne Farbstoff in die Flasche, mit 46,3 % vol.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Bunnahabhain 12 Jahre | 46,3 % | Bourbon- und Sherryfässer, ungetorft; süß, nussig, sherrygeprägt mit leichter Salznote |
| Bunnahabhain 18 Jahre | 46,3 % | Oloroso-Reifung, ungetorft; würzig, dunkelfruchtig, sherrygeprägt |
| Bunnahabhain Stiùireadair | 46,3 % | Ohne Altersangabe, Bourbon-, Sherry- und Refill-Fässer; salzig, sherrygeprägt, ungetorft |
| Bunnahabhain Toiteach A Dhà | 46,3 % | Ohne Altersangabe, getorft; sanfter Rauch, Pfeffer, Eiche, Sherry |
| Bunnahabhain 25 Jahre | 46,3 % | Sherryreife; Karamell, Beerenfrucht, ungetorft |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Bunnahabhain 12 Jahre und Bunnahabhain Toiteach A Dhà. Zusammen zeigen sie die beiden Gesichter des Hauses: ungetorft-sherrygeprägt und getorft.
Stil & Wiedererkennungswert
Bunnahabhain steht für einen sanften, salzig-nussigen Islay-Stil ohne dominanten Torf. Sherryfass-Aromen wie Trockenfrüchte, Gewürz und Nuss stehen im Vordergrund, dazu kommt eine maritime Note, die der Küstenlage geschuldet scheint. Das Destillat gilt als leicht und fruchtig, die Nachreifung gibt ihm Gewicht.
Der Gegenpol Toiteach A Dhà zeigt, dass dieselbe Brennerei auch getorft kann. Torf liegt dabei wie ein Schleier über der typischen Hausstilistik, statt sie zu übertönen.
Fazit
Bunnahabhain ist die Gegenthese zur Rauchbombe Islays und gerade deshalb ein wichtiger Baustein jeder Islay-Sammlung. Interessant ist die Brennerei für Sherryfreunde, für Einsteiger, die Islay ohne Torfwucht probieren möchten, und für Torfliebhaber, die einmal eine mildere Ausprägung suchen. Eigentümerwechsel haben das Haus mehrfach verändert, der Charakter ist über die Jahre jedoch erstaunlich konstant geblieben.

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