Campbeltown Loch Blended Malt – Ein Querschnitt der Stadt in einer Flasche
Der Campbeltown Loch Blended Malt Scotch Whisky stammt von J&A Mitchell & Co., dem Familienunternehmen hinter Springbank. Ein Blended Malt besteht ausschließlich aus Malt-Whiskys verschiedener Brennereien, Grain-Whisky ist nicht dabei. Dieser Vertreter wird mit 46 % vol. und ohne Altersangabe abgefüllt und will den Stil von Campbeltown, also Salz, Öligkeit und eine leise Rauchnote, in einem Glas zusammenführen.
Er ist damit kein Single Malt mit einem einzelnen Hausprofil, sondern ein Ensemble. Wer sich fragt, was das in der Praxis ändert, findet den Hintergrund im Beitrag Single Malt vs. Blended Whisky.
Geschichte: Ein alter Name, neu belegt
Der Name verweist auf den Meeresarm, an dem die Stadt liegt. Ein volkstümliches Lied gleichen Titels wünscht sich den Loch voller Whisky; es spielt darauf an, dass die einstige Whiskyhochburg ihren Bewohnern zu teuer geworden war. Ob die Marke dieses Lied bewusst zitiert, sagt der Hersteller unseres Wissens nicht.
Neu ist der Name auf Whiskyflaschen nicht. Rezensenten berichten, er habe früher einen klassischen Blend aus Malt und Grain getragen; auch ältere Abfüllungen mit Altersangabe, etwa 21 Jahre, sind belegt. Die heutige Fassung als reiner Blended Malt ohne Altersangabe datieren Verkoster auf etwa 2022. Eine offizielle Jahreszahl der Neuauflage fanden wir nicht, hier gilt also: je nach Quelle.
Die Firma Mitchell besitzt neben Springbank auch die Brennerei Glengyle, aus der die Marke Kilkerran stammt, sowie den unabhängigen Abfüller William Cadenhead. Für ein Haus mit diesem Bestand ist ein Blended Malt aus Campbeltown-Destillaten naheliegend. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Springbank Distillery.
Der Campbeltown Loch im Speziellen
Die Flasche wird nach Händlerangaben bei Springbank gemischt und abgefüllt. Die Stärke liegt bei 46 % vol. Gereift wurden die Bestandteile laut mehreren Händlern in Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern; Anteile oder Alter der einzelnen Fässer sind nicht genannt. Zur Kühlfiltration gibt es keine einheitliche Auskunft: Ein Händlerdatenblatt nennt den Whisky nicht kühlgefiltert, vom Hersteller selbst fanden wir keine Aussage, und ein Rezensent bezweifelt, dass die Flasche ungefärbt ist. Was das für die Optik bedeutet, erklärt der Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe. Ein Blick aufs Etikett der eigenen Flasche lohnt sich.
Die Abfüllung erscheint in Chargen, die Händler teils nach Jahr führen. Im Sortiment steht sie als zugänglicher Einstieg in die Welt der Mitchell-Marken, in der Mittelklasse.
Herstellung: Wer im Blend steckt
Die Zusammensetzung ist der Teil, bei dem sich die Quellen nicht einig sind. Die meisten Händler und Verkoster nennen fünf Campbeltown-Malts: Springbank, Longrow, Hazelburn, Kilkerran und Glen Scotia. Ein Händler spricht dagegen von den drei Brennereien der Stadt. Prozentanteile haben wir nirgends gefunden. Eine Herstellerangabe zur Zusammensetzung liegt uns nicht vor; da Glen Scotia einem anderen Eigentümer gehört als die Mitchell-Brennereien, ist die Fünferliste mit Vorsicht zu lesen.
Stimmt die Fünferliste, ergibt sich eine stimmige Rollenverteilung: Springbank bringt Salz und Öl, Hazelburn Cremigkeit und Birnenfrucht, Longrow den Torf, Kilkerran Zitrus und Mineralik, Glen Scotia Karamell. Das ist eine Lesart aus den Stilen der Einzelmarken, keine Rezeptur. Weil die Chargen wechseln, schwankt auch das Ergebnis im Glas.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Warmes Gold; je nach Charge etwas dunkler, eine Herstellerangabe dazu fehlt.
- Nase: Weicher Pfirsich und Aprikose, Blütenhonig, Zitronenschale, dazu ein Hauch salziger Ruß und feuchte Kreide.
- Gaumen: Ölig, mit Vanillekaramell und gebackenem Obst, darunter Meersalz, Backgewürz und ein wenig Torf. Mit Wasser tritt eine herbe Zitrusnote hervor.
- Abgang: Mittellang bis lang, mit Ingwer, Muskat, Haferkeks und leicht rauchiger Eiche.
Die Berichte weichen je nach Charge ab: Manche Verkoster beschreiben eine schlanke, mineralische, fast karge Art, andere eher Creme, Toffee und Süße. Gemeinsam ist ihnen, dass der Rauch nie dominiert. Gegenüber einem klassischen Blend zeigt er deutlich mehr Gewicht und Textur, gegenüber dem Springbank 10 Jahre fehlt ihm etwas Tiefe.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas kommt die Textur am besten zur Geltung. Weil er mit 46 % vol. nicht übermäßig stark ist, genügen ein paar Tropfen stilles Wasser, um Süße und Zitrus zu öffnen. Mit Soda und Zitronenzeste gelingt ein salziger, schlanker Highball, der die Charge nicht überfordert. Zum Essen passen gebratene Jakobsmuscheln, Hartkäse wie gereifter Gouda, gesalzene Mandeln oder ein Karamelldessert mit Meersalz.
Einordnung & Alternativen
- Springbank 10 Jahre: der Maßstab für den Hausstil, einzelner, dichter und salziger als der Blend.
- Longrow Peated: derselbe Besitzer, aber mit voller Rauchwucht, falls Ihnen der Torf im Blend zu zurückhaltend ist.
- Glen Scotia 10 Jahre: ein weicherer Campbeltown-Malt aus First-Fill-Bourbonfässern, der Glen Scotia pur zeigt.
Fazit
Der Campbeltown Loch ist ein gut gemachter Blended Malt für alle, die Campbeltown kennenlernen wollen, ohne gleich mehrere Einzelflaschen zu kaufen. Er bietet Salz, Öl, Frucht und eine zarte Rauchnote bei einer Stärke, die pur und mit Wasser gut funktioniert. Abzüge gibt es für die wechselnden Chargen, die dünne Herstellerinformation zu Zusammensetzung, Filtration und Färbung sowie die fehlende Tiefe der Einzelmarken, deshalb 4,0 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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