Herstellung des Carlos I Amontillado:
Zur Geschichte der Bodega Osborne und zur Legende vom Fassfund 1889, die dem Namen Carlos I zugrunde liegt, siehe den Beitrag zum Carlos I Solera Gran Reserva. Der Amontillado ist eine Sonderausführung der Reihe, die Osborne nach Presseangaben im März 2018 gemeinsam mit einer Pedro-Ximénez-Variante vorstellte. Beide Brandys wurden als Abfüllungen beschrieben, die in einzeln ausgewählten Fässern aus sehr alten Sherry-Soleras reifen.
Beim Amontillado stammen diese Fässer aus der Solera La Honda, einer Amontillado-Solera, die laut Osborne 1857 gegründet wurde. Der Master Blender wählt die Fässer einzeln aus. Der Brandy selbst folgt dem Muster des Hauses: Basis sind Weine aus der Rebsorte Airén, die in traditionellen Alquitaras gebrannt werden, die Reifung läuft im Criaderas-und-Soleras-System in amerikanischer Eiche, so beschreibt es Osborne für die Reihe insgesamt. Wie lange der Brand in den Amontillado-Fässern liegt und ob es sich um eine Zwischenreifung oder ein Finish handelt, geben die Quellen nicht an. Die Herkunftsbezeichnung führt die Reihe als Solera Gran Reserva; wer an einer Altersangabe interessiert ist, findet beim Amontillado keine. Eine Abfüllstärke nennen Händler zwischen 38 und etwa 40 % vol. und ein skandinavischer Monopolanbieter führt ihn mit 40,3 % vol.; welcher Wert für die aktuelle Abfüllung gilt, sollte man auf dem Etikett prüfen
Verkostung des Carlos I Amontillado:
Im Glas leuchtet der Brandy in klarem Bernstein, nach Händlerbeschreibungen mit grünlichen Reflexen. Die Nase ist trocken und ungewöhnlich salzig-mineralisch: Edelholz und Mahagoni, geröstete Noten, eine an sehr alten Amontillado erinnernde Tiefe, darunter Haselnuss, Walnuss und geröstete Esskastanie. Süße Frucht tritt zurück, es bleibt allenfalls ein wenig Trockenobst. Am Gaumen ist er seidig und trocken, mit Mandel- und Haselnussnoten und einer Würze, die an gealterten Sherry erinnert; das Holz ist spürbar, tritt aber hinter Nuss und Salz zurück. Der Abgang ist lang, nussig und salzig-trocken. Wer die Süße der Pedro-Ximénez-Brandys erwartet, wird sie hier nicht finden. Der Alkoholgehalt liegt je nach Quelle bei 38 bis 40 % vol., wir führen ihn mit 40 % vol.
Steckbrief Carlos I Amontillado:
Alkoholgehalt: 40 % vol. (Händlerangaben schwanken zwischen 38 und 40,3 %)
Klassifikation: Brandy de Jerez, Solera Gran Reserva
Fassreifung: Solera, sehr alte Fässer der Amontillado-Solera La Honda (1857), amerikanische Eiche
Hersteller: Bodegas Osborne, El Puerto de Santa María, Spanien
Herstellung im Detail: Amontillado, das Fass und die trockene Handschrift
Amontillado ist ein Sherry-Typ, der zunächst unter einer Hefeschicht, der Flor, reift und danach durch Luftkontakt oxidativ weiterlebt. Diese zweistufige Entwicklung bringt Nuss, Salz und eine trockene Würze mit. Ein Brandy, der in solchen Fässern liegt, nimmt diese Noten auf, deshalb schmeckt der Carlos I Amontillado so anders als die Pedro-Ximénez-geprägten Abfüllungen. Einen Eindruck davon, wie unterschiedlich Sherry-Fässer wirken, vermittelt der Beitrag Sherryfässer im Whisky: Oloroso, PX und Fino.
Alte Fässer, die lange im Dienst waren, geben ihr Holz nur noch wenig ab. Das spricht dafür, dass bei diesem Brandy die Prägung des Sherrys stärker ins Gewicht fällt als frisches Eichenholz, auch wenn das Haus dazu keine Angaben macht. Das ist ein Gegenentwurf zu holzreichen Brandys wie dem Torres 20. Auch innerhalb der Carlos-I-Reihe nimmt der Amontillado einen eigenen Platz ein: Der Carlos I Solera Gran Reserva ist der weiche Allrounder, der Carlos I Imperial XO die XO-Abfüllung, deren Brände nach manchen Quellen bis zu 20 Jahre alt sind. Ein ähnliches Prinzip, jedoch mit Rauch statt Salz, zeigt der Cardenal Mendoza Nebulis.
Genuss-Empfehlung
Dieser Brandy ist ein Sipping-Kandidat und sollte pur getrunken werden, in einem Tulpenglas bei Zimmertemperatur oder leicht gekühlt. Wasser braucht er kaum, weil er mit rund 40 % vol. ohnehin nicht scharf wirkt. Eis nimmt der Salz- und Nussnote die Tiefe, allenfalls ein einzelner Würfel an einem warmen Abend ist vertretbar. Für Cocktails ist er zu eigenständig: Die Sherry-Salzigkeit läuft gegen Zucker und Zitrus; wer mixen will, greift zum Standard-Carlos-I.
Zum Essen passen Dinge, die salzig, nussig oder bitter sind: Marcona-Mandeln, Serrano-Schinken, gereifter Manchego, Oliven oder dunkle Schokolade mit Meersalz. Auch Kaffee und Gebäck mit Haselnuss harmonieren. Ein Vergleich nebeneinander mit einem trockenen Amontillado-Sherry macht die Verwandtschaft sofort erkennbar.
Einordnung & Alternativen
- Carlos I Solera Gran Reserva – die Standardabfüllung der Marke, weicher, mit Vanille und Kakao statt Salz und Mineralik.
- Carlos I Imperial XO – die XO-Abfüllung der Reihe, mit Feige, Tabak und Gewürz.
- Cardenal Mendoza Nebulis – anderer Weg zu einem trockenen, würzigen Profil: Rauch statt Amontillado.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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