Rum

Chamarel VSOP

3,5/5 Redaktionsbewertung
41 % vol.Premium5 Jahre in französischer und amerikanischer Eiche, aus eigenem ZuckerrohrsaftMauritius (Single Estate, Chamarel-Tal)
RumMauritius
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Herstellung des Chamarel VSOP:

Die Destillerie Chamarel liegt im gleichnamigen Tal im Südwesten von Mauritius, auf rund 300 Metern Höhe unweit der bekannten "Siebenfarbigen Erde" und des Chamarel-Wasserfalls. Ihre Geschichte beginnt 1996, als die Familie Couacaud das Domaine de l'Exil erwarb und dort zunächst Früchte sowie Zuckerrohr für die Zuckerproduktion anbaute. Als die präferenziellen Zuckerabkommen der EU 2006 ausliefen und die Branche auf Mauritius dereguliert wurde, entschied sich die Familie, einen Teil der Plantage stattdessen für die eigene Rum-Destillation zu nutzen – die Destillerie Chamarel nahm 2008 den Betrieb auf.

Das zentrale Alleinstellungsmerkmal von Chamarel ist das Single-Estate-Konzept: Die Destillerie ist nach eigenen Angaben zu 100 % mit Zuckerrohr aus eigenem Anbau selbstversorgt und bewirtschaftet dafür rund 30 bis 35 Hektar mit drei verschiedenen Zuckerrohrsorten (R570, R573 und R579), die zwischen Juli und Dezember von Hand und ohne vorheriges Abbrennen der Felder geerntet werden. Entscheidend für den Stil ist dabei die Rohstoffwahl: Chamarel verarbeitet ausschließlich frisch gepressten Zuckerrohrsaft statt Melasse – ein agricole-ähnliches Verfahren, auch wenn Mauritius, anders als Martinique, keine eigene geschützte "Rhum Agricole"-Herkunftsbezeichnung kennt und der Begriff dort offiziell nicht verwendet werden darf. Nach 48 bis 72 Stunden Fermentation in temperaturkontrollierten Edelstahltanks wird der Saft in einer kupfernen Barbet-Kolonne sowie in Alambic-Brennblasen mit Schwanenhals destilliert.

Verkostung des Chamarel VSOP:

In der Nase präsentiert sich der VSOP mit einer für Agricole-ähnliche Rums ungewöhnlichen, deutlich an Trauben erinnernden Note, die von Vanille, Eichenholz und einer feinen Pfeffrigkeit begleitet wird – ein Duftbild, das manche Verkoster eher an einen Weinbrand oder ein Eau de Vie erinnert als an einen klassischen Rum. Am Gaumen setzt sich diese markante Traubigkeit fort, flankiert von Vanille, trockenem Holz und spürbarer Würze; der Alkohol tritt bei 41 % vol. deutlich in den Vordergrund und verleiht dem Rum eine gewisse Kantigkeit, die ihn von glatteren, stärker auf Süße ausgelegten karibischen Rums unterscheidet. Der Abgang ist mittellang, trocken und von Holz- und Pfeffernoten geprägt, während klassische Melasse- oder Karamellsüße praktisch fehlt – folgerichtig für einen auf reinem Zuckerrohrsaft basierenden Rum. Wer fruchtig-süße karibische Blends gewohnt ist, wird den VSOP als eigenständigen, deutlich trockeneren und würzigeren Stil wahrnehmen.

Steckbrief Chamarel VSOP:

Alkoholgehalt: 41 % vol.
Basis: Frischer Zuckerrohrsaft aus eigenem Anbau (Single Estate)
Fassreifung: 5 Jahre in französischer und amerikanischer Eiche
Hersteller: Chamarel Distillery (Familie Couacaud), Chamarel-Tal, Mauritius

Herstellung im Detail: Warum eine Zucker-Plantage zur Rum-Destillerie wurde

Die Entstehungsgeschichte von Chamarel ist eng mit dem Ende der europäischen Zuckerquoten verknüpft: Solange die EU den ehemaligen Kolonien präferenzielle Abnahmepreise für Rohzucker garantierte, lohnte sich für viele mauritische Plantagenbesitzer der reine Zuckeranbau. Mit dem Auslaufen dieser Vereinbarungen 2006 wurde die Umstellung auf höherwertige, selbst veredelte Produkte wie Rum für etliche Betriebe wirtschaftlich attraktiver – ein Strukturwandel, der auf Mauritius mehrere neue Boutique-Destillerien hervorbrachte, von denen Chamarel heute die bekannteste ist. Die Verwendung von frischem Zuckerrohrsaft statt Melasse ist dabei keine reine Stilentscheidung, sondern auch eine direkte Folge der eigenen Plantage: Da Chamarel sein Zuckerrohr selbst anbaut und innerhalb weniger Stunden nach der Ernte verarbeiten kann, entfällt der sonst für Melasse-Rum typische Umweg über die industrielle Zuckerraffination. Nach der Destillation reift das Grunddestillat zunächst mindestens drei Monate in Edelstahltanks, bevor es für die VSOP-Linie fünf Jahre in Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche weiterreift – neben VSOP produziert die Destillerie zudem VS- und XO-Abfüllungen, Single Casks sowie Fassfinishs in Sauternes-, Cognac-, Sherry- und Oloroso-Fässern. Die Qualität einzelner Fässer wird dabei auch außerhalb des eigenen Portfolios anerkannt: Unabhängige Abfüller wie der italienische Importeur Velier haben in der Vergangenheit eigene Chamarel-Single-Casks in Fassstärke veröffentlicht, deutlich oberhalb der für VSOP üblichen 41 % vol.

Verwendung des Chamarel VSOP

  • Pur bei Zimmertemperatur: So lässt sich die ungewöhnliche Traubennote am besten nachvollziehen.
  • Rum Old Fashioned: Die würzige, weinige Aromatik harmoniert gut mit Bitters und wenig zusätzlicher Süße.
  • Als Digestif nach dem Essen: Die trockene, pfeffrige Art eignet sich gut als Abschluss eines Menüs, ähnlich einem Weinbrand.
  • Zu gereiftem Hartkäse: Die Trauben- und Holznoten passen überraschend gut zu kräftigem Käse statt zu klassischen Tiki-Desserts.

Im Vergleich zum martiniquaisischen Rhum J.M Agricole Blanc, der seine Zuckerrohrsaft-Basis ungereift und grasig-frisch zeigt, demonstriert der gereifte Chamarel VSOP, wie unterschiedlich sich derselbe Rohstoff je nach Fasslagerung entwickeln kann. Während Martinique mit der AOC Rhum Agricole ein streng geschütztes Herkunftssystem besitzt, bleibt Mauritius formal außen vor – Chamarel zeigt aber, dass auch ohne eigene Herkunftsbezeichnung ein eigenständiger, terroirgeprägter Stil entstehen kann, der sich deutlich von karibischen Melasse-Rums unterscheidet.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße2/5
Fruchtigkeit3/5
Holzfass/Würze3/5
Röstnoten/Melasse2/5

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