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Craigellachie Distillery – Speyside

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Die Craigellachie Distillery steht auf einem Hügel über dem gleichnamigen Ort in der Speyside und gehört zu den Brennereien, die nicht ins Klischee vom weichen, blumigen Speysider passen. Gegründet wurde sie 1891 (je nach Quelle 1890) im Auftrag von Blendern und Händlern, seit 1998 gehört sie zu John Dewar & Sons und damit zu Bacardi. Besonders macht sie die traditionelle Kondensation über Wormtubs: Das Destillat bleibt dadurch schwerer, fleischiger und deutlich schwefeliger als der Regionsdurchschnitt. Lange wanderte fast alles in Blends, erst seit 2014 gibt es eine eigene Kernreihe.


Überblick

  • Name: Craigellachie Distillery
  • Ort: Craigellachie, Speyside, Banffshire (Moray), Schottland
  • Gegründet: 1891 (Produktionsstart nach manchen Quellen erst 1898)
  • Region: Speyside
  • Besitzer: John Dewar & Sons (Bacardi), seit 1998
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky, ungetorft, schwerer und schwefeliger Stil

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1891 Eine Gruppe aus Blendern und Händlern um Alexander Edward gründet die Brennerei; Peter Mackie, der Mann hinter White Horse, ist von Beginn an beteiligt (manche Chroniken nennen 1890)
1898 Offizieller Produktionsstart nach Angaben einzelner Quellen
1916 Edward scheidet aus, Mackie führt die Brennerei allein
1927 Die Distillers Company Limited übernimmt White Horse Distillers samt Craigellachie
1964/65 Ein Umbau verdoppelt die Zahl der Brennblasen von zwei auf vier
1998 Mit dem Verkauf von John Dewar & Sons durch Diageo wechselt die Brennerei zu Bacardi
2014 Die „Last Great Malts“-Reihe erscheint mit 13, 17 und 23 Jahren; die gusseisernen Wormtubs werden durch Edelstahl ersetzt, die Kupferspiralen bleiben
2022/23 Ein 13-Jähriger mit Bas-Armagnac-Finish ergänzt die Kernreihe

Besonderheiten bei der Herstellung

Wormtubs und Brennblasen

Das Herzstück des Hausstils ist die Kühlung. Statt moderner Röhrenkondensatoren strömt der Alkoholdampf durch eine lange Kupferspirale, die in einem Wasserbottich liegt. Dabei kommt er mit weniger Kupfer in Berührung, schwefelige Verbindungen bleiben eher im Destillat. Genau das gibt Craigellachie sein schweres, fleischiges Profil. Die Brennerei arbeitet mit zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills; je nach Quelle fassen die Blasen rund 23.000 bis 28.000 Liter. Wegen der Wormtubs hat der Spirit bereits als Rohdestillat Gewicht.

Malz, Gärung und Wasser

Gemaischt wird mit einem modernen Maischebottich, vergoren wird in acht Gärbottichen aus sibirischer Lärche. Laut Branchendatenbank wird die Gärung auf etwa 56 Stunden begrenzt, damit milchsaure Bakterien die schwefelige, fruchtige Note nicht überdecken. Das Malz stammt nach dieser Quelle von einer externen Mälzerei und wird in einem ölbefeuerten Darrofen getrocknet. Das Wasser kommt aus Quellen in den Conval Hills, nach whisky.com vom Allacholl Burn. Zur Kapazität liegen die Angaben zwischen 4,0 und 4,1 Millionen Litern reinem Alkohol pro Jahr.

Fassreifung

Der Hersteller nennt für die Kernreihe eine Mischung aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern. Einzelne Händler- und Datenbankeinträge sprechen dagegen von amerikanischer Eiche, die Quellenlage ist hier nicht einheitlich. Die Abfüllungen der Kernreihe liegen bei 46 % vol.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
Craigellachie 13 Jahre 46 % Einstiegsabfüllung mit tropischer Frucht, süßen Backnoten und leichter Schwefelkante
Craigellachie 17 Jahre 46 % Tiefere, exotischere Frucht, cremige Süße, fleischige Würze im Hintergrund
Craigellachie 23 Jahre 46 % Ältere Stufe der Reihe, nach Herstellerbeschreibung mit Feige, Birne und langem Abgang
Craigellachie 13 Jahre Bas-Armagnac Finish 46 % (nach Händlerangaben) Gleicher Grundcharakter mit zusätzlichem Armagnac-Fass

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Craigellachie 13 Jahre und Craigellachie 17 Jahre.


Stil & Wiedererkennungswert

Craigellachie ist ein Speysider mit Ecken und Kanten: reife Frucht wie Ananas, Apfel und Birne trifft auf Wachs, Würze und eine Schwefelnote, die manche Verkoster als Tiefgang schätzen und andere als störend empfinden. Der Charakter ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Wormtubs und kurzer Gärung. Wer Brennereien vergleichen möchte, findet bei Mortlach eine andere, ebenfalls fleischige Spielart der Region. Der Aultmore 12 Jahre aus demselben Dewar's-Portfolio zeigt dagegen die leichte, grasige Seite.

Lange war Craigellachie vor allem Rückgrat der Blends. Das Destillat steckt in Dewar's 12 Jahre und im White Horse, dessen Schöpfer Peter Mackie die Brennerei einst prägte. Zum Hintergrund solcher Mischungen lohnt der Beitrag Single Malt vs. Blended Whisky. Wie Stills, Gärung und Kondensation den Stil formen, erklärt Wie wird Whisky hergestellt.


Fazit

Craigellachie ist die richtige Brennerei für Neugierige, die klassische Speyside-Malts bereits kennen und etwas Eigenständiges suchen. Der 13 Jahre ist die naheliegende Einstiegsabfüllung, der 17-Jährige bietet mehr Tiefe und Cremigkeit. Ehrlich bleibt die Einschränkung: Wer weiche, honigsüße Whiskys bevorzugt, wird mit dem Schwefel-Charakter nicht warm. Auch die Angaben zu Gründungsjahr, Blasengröße und Fassarten schwanken je nach Quelle. Für Freunde ungewöhnlicher Speysider lohnt sich ein Glas trotzdem, schon wegen der seltenen Wormtub-Technik.