Craigellachie 17 Jahre – der gereifte Eigenbrötler der Speyside
Wer den Craigellachie 13 kennt, weiß, dass dieser Malt keinem Speyside-Klischee folgt. Der Craigellachie 17 Jahre zeigt, was vier zusätzliche Jahre Reife damit machen: Die Frucht wird tiefer und exotischer, die Süße cremiger, die fleischig-schwefelige Seite bleibt als Würze erhalten. Abgefüllt wird er mit 46 % vol., laut Hersteller nach 17 Jahren in einer Mischung aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern. In Datenbankeinträgen ist er als nicht kühlgefiltert und ungefärbt vermerkt.
Geschichte: Vom Blend-Baustein zur eigenen Stimme
Die Brennerei in der Ortschaft Craigellachie entstand 1891 im Auftrag einer Gruppe von Blendern und Händlern, zu der laut Wikipedia unter anderem Alexander Edward gehörte. Peter Mackie, der Mann hinter White Horse, übernahm sie später. Sie gehört heute zu John Dewar & Sons, wo sie neben Aberfeldy, Aultmore, Macduff und Royal Brackla zum Malt-Portfolio zählt; ihr Destillat floss lange vor allem in Dewar's-Blends. Die ausführliche Gründungsgeschichte steht im Beitrag zum Craigellachie 13 Jahre, hier nur so viel: Erst 2014 erschien mit dem Release der „Last Great Malts“ eine eigene Kernreihe, zu der neben dem 13-Jährigen auch der 17-Jährige gehörte.
Mehr zur Brennerei hinter dieser Abfüllung steht im Porträt Craigellachie Distillery – Speyside.
Der Craigellachie 17 im Speziellen
Der 17-Jährige ist das mittlere Glied der Kernreihe. Laut Wikipedia umfasst sie heute den 13-Jährigen, eine 13-jährige Armagnac-Variante, den 17-Jährigen und den 23-Jährigen. Die offizielle Beschreibung nennt einen vollmundigen Speysider mit tropischer Frucht, mehr Textur und anhaltender Süße. Zur Fassreifung heißt es offiziell: Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässer. Einzelne Datenbankeinträge sprechen dagegen nur von amerikanischer Eiche, die Quellenlage ist also nicht ganz einheitlich. Dass er nicht kühlgefiltert und ungefärbt ist, geht aus Whiskybase-Einträgen und einem Community-Review hervor; auf der Dewar's-Herstellerseite fanden wir dazu nichts, deshalb verstehen wir es nur als Datenbankhinweis. Warum das Thema Geschmack betrifft, erklärt der Artikel Kühlfiltrierung und Naturfarbe bei Whisky.
Herstellung: Wormtubs, Kupfer und die Frage nach dem Schwefel
Die Technik hinter dem Hausstil entspricht der des 13-Jährigen, die Details stehen dort: zwei Wash Stills, zwei Spirit Stills und Kondensation über Wormtubs statt moderner Röhrenkühler. Weniger Kupferkontakt bedeutet mehr Schwefelverbindungen im Destillat, und genau daher kommt die schwere, fleischige Art des Spirits. Was mit der Zeit im Fass passiert, ist spannend: Ob die Reife den Schwefel zähmt, sehen Tester unterschiedlich. Ein Whiskybase-Kommentator findet ihn zu stark, ein Community-Test nennt ihn leicht, ein anderer beschreibt metallische, scheuermittelartige Töne im Abgang. Wer Wormtubs und Fassreifung besser einordnen will, findet Grundlagen in Whisky-Fassreifung erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Antikes Gelbgold, mit langsam laufenden Schlieren im Glas.
- Nase: Weiche Vanille und exotische Früchte, dazu Apfel, Pfirsich und Pflaume, Honig, Crème brûlée und Zimt. Mehrere Tester nehmen zusätzlich Schwefeliges und Moosiges wahr, einer auch gebuttertes, leicht verbranntes Toastbrot.
- Gaumen: Getrocknete Ananas mit spritziger Süße, dazu Lakritz, Toffee und karamellisierter Zucker, später Vanille aus der Eiche, Malz und Wachs. Eine kleine Schwefelnote und ein Hauch Rauch begleiten das Ganze.
- Abgang: Mittellang bis lang, süß mit Fruchtkompott, Pfeffer, Lakritz und trocknender Eiche, bei einigen Testern mit einem fleischig-würzigen Nachhall.
Genuss-Empfehlung
Der 17-Jährige verdient Ruhe und kaum Verdünnung. Ein Glencairn oder Tulpenglas bei Zimmertemperatur bündelt die Fruchtnoten, ein paar Tropfen stilles Wasser öffnen die Nase, mehr davon verstärken laut einem Tester die Würze. Eis nimmt der Süße die Tiefe und lässt die herben Seiten hervortreten. Als Highball wäre er verschwendet. Zu Essen passen gereifter Gouda, dunkle Schokolade mit etwas Meersalz, gebratene Entenbrust mit Pflaumen oder ein Stück Apfeltarte mit Zimt. Wer verschiedene Jahrgänge nebeneinander probiert, kann sich an der Nosing-Anleitung orientieren.
Einordnung & Alternativen
- Craigellachie 13 Jahre – das Stück darunter: heller, frischer und etwas rauer, mit mehr Marshmallow und weniger Tiefe.
- Mortlach 16 Jahre – ein weiterer Speysider mit fleischiger Seite, hier aber aus reiner Sherryreifung und mit dunkler Würze.
- Aultmore 12 Jahre – das Dewar's-Gegenstück: grasig, leicht und ohne Schwefel, ein guter Kontrast zum Hausstil.
Fazit
Der Craigellachie 17 Jahre ist ein Malt für Neugierige, die den schweren, fleischigen Speyside-Charakter mögen und dem 13-Jährigen mehr Tiefe wünschen. Die Frucht ist reifer, die Textur voller, doch der Schwefel bleibt ein Streitpunkt: Wer ihn nicht mag, wird auch hier nicht warm. Die meisten Tests bewegen sich im hohen Bereich, von „sehr nett, komplex“ bis „Schwefel stört“, weshalb 4.2 von 5 Punkten angemessen scheint. Für Einsteiger ist er die falsche Wahl, für Freunde ungewöhnlicher Speysider eine lohnende. Wer die Region zuerst verstehen will, liest Speyside vs. Islay.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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