The Dalmore Cigar Malt Reserve

Scotch Whisky

The Dalmore Cigar Malt Reserve

4/5 Redaktionsbewertung
44 % vol.PremiumBourbon-Fass, Sherry-Fass (ex-Matusalem) und Cabernet-Sauvignon-FassHighlands, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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The Dalmore Cigar Malt Reserve verzichtet bewusst auf eine Altersangabe – ihren Anspruch bezieht sie stattdessen aus einer ungewöhnlich klaren Mission: Dieser Whisky wurde gezielt kräftig genug konzipiert, um sich gegen den Rauch und die Gerbstoffe einer kräftigen Zigarre zu behaupten, statt sich von ihr überdecken zu lassen. Mit 44 % Vol. liegt er bereits spürbar über der Standardstärke des Hauses – eine bewusste Entscheidung, keine Nebensächlichkeit.

Geschichte: Von der Namensverwirrung zur neuen Reserve

Dalmore brachte den ursprünglichen Cigar Malt bereits 1999 auf den Markt. 2007 musste die Marke umbenennen, weil zahlreiche Konsumenten den Namen missverstanden und glaubten, der Whisky reife tatsächlich in Tabakblättern – unter dem neuen Namen "Gran Reserva" verschwand die Zigarren-Idee zunächst aus der Außenkommunikation. 2011 kehrte das Konzept dann unter dem heutigen Namen Cigar Malt Reserve mit einer überarbeiteten, kräftigeren Rezeptur zurück, verantwortet von Master Blender Richard Paterson, der die Idee eines explizit auf Zigarren-Pairing ausgelegten Whiskys aus seiner eigenen, langjährigen Leidenschaft für schwere Zigarren wie die Partagás-Serie entwickelt hatte und seitdem persönlich für die Rezeptur geradesteht. Diese Entstehungsgeschichte unterscheidet die Reserve grundlegend von den übrigen Dalmore-Abfüllungen: Sie ist nicht primär als eigenständiger Trinkwhisky gedacht, sondern von Anfang an als Begleiter für ein zweites Genussmittel konzipiert.

Der Cigar Malt Reserve im Speziellen

Die Fachpresse beschreibt die seit 2011 verwendete Rezeptur als eine Mischung aus rund 70 % Sherry-Fass-Anteil, 20 % Bourbon-Fass-Anteil und 10 % Cabernet-Sauvignon-Fass-Anteil – offizielle Altersangaben macht Dalmore dazu nicht, weshalb die Reserve konsequent als NAS-Abfüllung geführt wird. Genau das erklärt, warum sie trotzdem als anspruchsvoller gilt als manche jüngere Alterswhiskys: Der Anspruch liegt hier nicht in der Lagerdauer, sondern in der gezielten Komposition eines Geschmacksprofils, das robust genug sein muss, um gegen Tabakrauch zu bestehen, ohne dabei grob oder plump zu wirken. Mit 44 % Vol. – deutlich über den sonst für die Kernrange üblichen 40 % – trägt auch die Fassstärke dieser speziellen Zielsetzung Rechnung. Innerhalb der Range positioniert sich die Reserve damit nicht neben der altersgestaffelten 15- oder 18-Jährigen, sondern als eigene, funktional begründete Spezialabfüllung mit einer völlig anderen Daseinsberechtigung.

Herstellung: Fassmix für den Tabak-Gegenpart

Die Basis bilden amerikanische Ex-Bourbon-Fässer, ergänzt durch Cabernet-Sauvignon-Barriques und González-Byass-Sherryfässer, die zuvor 30 Jahre alten Matusalem-Oloroso-Sherry enthielten. Die Cabernet-Sauvignon-Barriques sind hier der entscheidende Unterschied zu den übrigen Dalmore-Kernabfüllungen: Ihre kräftigen Gerbstoffe und die dunkle Beerenfrucht des Rotweins verleihen dem Whisky zusätzliche Struktur und eine leicht tanninbetonte Kante, die im direkten Vergleich mit Zigarrenrauch nicht untergeht. In Kombination mit der alten, konzentrierten Matusalem-Sherry-Süße entsteht so ein Profil, das gleichzeitig süß, fruchtig und strukturiert kräftig ist.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Dunkles Bernstein-Kupfer.
  • Nase: Helle Orangenschale, Feige und Rosine, trockene Bitterschokolade, nussige Sherry-Note und ein Hauch feiner Rauch.
  • Gaumen: Kräftig, mit reifer tropischer Frucht, Rosine und Orangenzeste, gefolgt von dunkler Schokolade, Vanille und üppiger Sherry-Süße.
  • Abgang: Lang und würzig, mit Fenchel, scharfem Ingwer und anhaltender Vanillenote.

Genuss-Empfehlung

Richard Paterson selbst empfiehlt die Reserve klassisch zu kräftigen Zigarren wie der Partagás No. 2 oder No. 4; auch kräftige Robustos aus der Dominikanischen Republik harmonieren erfahrungsgemäß gut mit der tanninbetonten Cabernet-Note. Serviert wird sie am besten pur in einem großzügigen Tumbler oder Tulpenglas bei Zimmertemperatur – Wasser oder Eis würden die bewusst kräftige Struktur unnötig schwächen. Ohne Zigarre funktioniert sie ebenfalls als Digestif zu dunkler Schokolade mit Orangenfüllung oder zu getrockneten Feigen, die ihre eigene Fruchtsüße im Glas wiederfinden, sowie zu einem Stück gereiftem Manchego, dessen nussige Würze die Sherry-Note zusätzlich unterstreicht.

Einordnung & Alternativen

  • Dalmore 15 Jahre – milder und ausgewogener, ohne die zusätzliche Cabernet-Tanninkante und ohne die gezielte Zigarren-Ausrichtung der Reserve.
  • Aberlour A'bunadh – für alle, die eine noch kompromisslosere, unverwässerte Sherry-Fassstärke suchen, allerdings ohne die spezifische Tabak-Pairing-Konzeption.
  • GlenDronach 15 Jahre Revival – klassischer, reiner Sherry-Fass-Stil ohne Rauchhauch und ohne die auf Robustheit gegen Tabak ausgelegte Rezeptur.

Fazit

Die Cigar Malt Reserve zeigt, dass Anspruch nicht zwingend an eine Altersangabe gebunden ist: Hier entsteht er aus einer bewusst funktional konzipierten Fassmischung und einer um immerhin vier Prozentpunkte höheren Fassstärke, die den Whisky gezielt gegen kräftigen Zigarrenrauch bestehen lässt. Die Einordnung im Premium-Segment erscheint angesichts dieser aufwendigen, speziell entwickelten Rezeptur fair, auch wenn die Flasche – anders als die altersgereiften Geschwister – ihren Wert nicht über Lagerjahre, sondern über eine klar umrissene, bis heute ungewöhnliche Mission begründet.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße4/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit4/5
Würze/Eiche4/5

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