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Dinkel, Roggen, Gerste: Getreide und Fässer im deutschen Whisky

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Drei verschiedene Getreideähren treffen auf einen Eichenquerschnitt mit heller, ausgekohlter und weingefärbter Zone.

Die EU-Verordnung verlangt für Whisky nur wenig: eine Maische aus gemälztem Getreide, mindestens drei Jahre Reifung in Holzfässern bis 700 Liter, mindestens 40 % vol. Alles Weitere entscheiden die Brenner selbst, und deutsche Brennereien nutzen diesen Spielraum auffällig breit. Dinkel und Emmer neben Gerste, Fässer von frischer Eiche bis Sauternes – belegt ist das meist durch Selbstauskünfte der Betriebe, die hier als solche gekennzeichnet sind.

Getreide: Gerste ist Standard, aber nicht alles

Die Mehrzahl der bekannten deutschen Whiskys sind Gerstenmalz-Whiskys. Slyrs aus Oberbayern verarbeitet nach Angaben von whisky.com rund 500 Tonnen Gerste im Jahr; davon werden 50 Tonnen getorft und 50 Tonnen über Buchenholz geräuchert. St. Kilian im unterfränkischen Rüdenau nutzt laut Wikipedia sowohl ungeräuchertes als auch buchenholz- und torfgeräuchertes Gerstenmalz, wobei die Räuchermalze aus Deutschland beziehungsweise Schottland stammen. Die Blaue Maus aus Franken verwendet nach eigenen Angaben ausschließlich handverlesene heimische Malzsorten. Die Details zur Torfung erklärt der Artikel Getorfter Whisky und Phenol-ppm.

Daneben gibt es Brennereien mit anderen Getreiden:

Brennerei Getreide / Besonderheit Quelle
Habbel (Sprockhövel) Roggen- und Weizenwhisky, laut Branchenpresse bereits 1977 entwickelt Lebensmittel Praxis, Mai 2025
Finch (Schwäbische Alb) Eigener Anbau von Weizen, Dinkel und Gerste; Sonderabfüllungen mit Emmer whiskybase, whisky.com
Zaiser (Köngen) Mischung aus gemälzter Gerste und nicht gemälzten Getreiden Whisky Magazine
Hammerschmiede (Zorge, Harz) Malz über Buche und Erle statt Torf geräuchert whisky.com

Bei Spreewood Distillers in Brandenburg steht Roggen im Mittelpunkt; deren Single Malt wir im Stork Club Single Malt vorstellen. Ob ein Dinkel- oder Roggendestillat als Whisky gelten darf, hängt nicht allein vom Getreide ab: Die Maische muss aus gemälztem Getreide bestehen und das Destillat die Reifezeit erreichen. Ein westfälischer Hof, der Dinkel und Emmer aus eigenem Anbau brennt, schildert laut topagrar etwa einen Dinkelbrand mit rund 30 Monaten Holzfass – das unterschreitet die gesetzliche Mindestreifezeit von drei Jahren. Die rechtlichen Feinheiten, zum Beispiel was "Single Malt" bedeutet, stehen im Artikel Was ist deutscher Whisky? Rechtsrahmen und Etikett.

Obstbrand-Erfahrung und kleine Blasen

Viele Betriebe kommen von der Obstbrennerei, und das prägt die Technik. Whisky Magazine beschreibt Holstein-Anlagen als relativ kleine Brennblase mit aufgesetzter Kolonne, deren Böden die Rückflusssteuerung ermöglichen, um fruchtige Aromen einzufangen. Diese Geräte wurden ursprünglich für Obstbrände gebaut. Andere Häuser orientieren sich am schottischen Pot-Still-Vorbild: St. Kilian arbeitet laut Wikipedia im zweistufigen Verfahren mit Kupferbrennblasen der Firma Forsyths. Das EU-Recht lässt beides zu, solange unter 94,8 % vol destilliert wird; erst die schottischen Regeln schreiben für Single Malt Scotch Pot Stills vor. Wie der klassische Herstellungsweg aussieht, steht in Wie wird Whisky hergestellt?.

Fässer: Frische Eiche, Sherry, Süßwein

Auch bei den Fässern ist die Spannweite groß. Als Beispiele nach Brennereiangaben:

  • Slyrs: Die Reifung erfolgt überwiegend in frischen 225-Liter-Fässern aus amerikanischer Weißeiche; von über 4.500 Fässern sind es laut whisky.com rund 4.000. Dazu kommen Oloroso-Sherry-, Mizunara- und Rotweinfässer.
  • Hammerschmiede: Genannt werden Fässer, die zuvor Madeira, Sherry, Marsala, Malaga, Rotwein oder Sauternes enthielten (whisky.com); der Schwerpunkt liegt auf Einzelfass- und Mehrfass-Abfüllungen.
  • Finch: Rund 60 Abfüllungen, teils mit Sherry-, Portwein- oder Barrique-Finish; eine Emmer-Edition reifte laut whisky.com mindestens sieben Jahre in Weinfässern.
  • Blaue Maus: Nach eigenen Angaben mindestens sechs bis acht Jahre in Eichenfässern.
  • Regionale Eiche: Das Whisky Magazine erwähnt neben französischer Eiche, Bourbon- und Sherryfässern auch "getoastete schwäbische Eichenfässer".

Welche Aromen Ex-Bourbon-, Sherry- und neue Fässer grundsätzlich liefern, beschreibt der Artikel Whisky-Fassreifung erklärt; hier gilt nur: Was auf einem deutschen Etikett steht, zeigt vor allem die jeweilige Fasspolitik des Hauses, nicht eine einheitliche "deutsche" Linie. Beispiele sind die Verkostung des Slyrs mit neuer Weißeiche und die des St. Kilian Classic mit Bourbon- und Sherryfässern.

Klima und Lagerschwund

Wie schnell deutscher Whisky reift, lässt sich nicht pauschal sagen; einen belegten Vergleichswert zu Schottland gibt es nicht. Allgemein gilt: Temperatur, Luftfeuchte und Fassgröße bestimmen den Angel's Share. St. Kilian nennt als Faustregel 1 bis 2 Prozent Verlust pro Jahr, in heißen Regionen wie der Karibik sei er deutlich höher als im kühlen Schottland, und bei kleinen Fässern ist der Verlustanteil größer als bei großen. Slyrs betreibt nach eigenen Angaben seit 2014 ein Hochlager auf dem Stümpfling in 1.501 Metern Höhe, um die Fässer besonderen klimatischen Bedingungen auszusetzen.

Interessant ist die steuerliche Seite: Nach § 13 der Alkoholsteuerverordnung gelten in Steuerlagern bei der Lagerung in unbeschichteten Holzfässern Verluste von bis zu 4 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Lagerbestands als anerkannt. Das ist eine Rechengröße des Steuerrechts, keine Messgröße für den tatsächlichen Verdunstungsverlust; St. Kilian verweist darauf, dass bis zu 4 Prozent pro Jahr zulässig sind und Mehrverluste der Besteuerung unterliegen. Den Hintergrund zu den Anfängen der deutschen Szene liefert Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere.