Dingle Single Malt – Kerrys Kernabfüllung aus Bourbon- und Sherryfässern
Der Dingle Single Malt Irish Whiskey ist die Standardabfüllung einer Brennerei, die an der Westküste Irlands, auf der Halbinsel Dingle im County Kerry, ihren Whiskey komplett selbst herstellt. Er ist dreifach destilliert, wird nicht kühlgefiltert und ohne Farbstoff abgefüllt, trägt keine Altersangabe und liegt bei rund 46 % vol. Im Glas zeigt er Limette und Minze neben dunkler Frucht, eine Kombination, die ihn von vielen weicheren irischen Malts abhebt.
Der genaue Alkoholgehalt hängt vom Zeitpunkt der Abfüllung ab. Zur Markteinführung nannte die Brennerei 46,3 % vol., auf der aktuellen Herstellerseite steht 46,5 %. Wir führen hier 46,3 %, weil dieser Wert bei den Handelsflaschen weit verbreitet ist; auf dem Etikett Ihrer Flasche steht die verbindliche Zahl.
Geschichte: Eine Brauer-Idee am Atlantik
Gegründet wurde die Dingle Distillery 2012 von Oliver Hughes, Liam LaHart und Peter Mosley, die zuvor mit der Porterhouse-Brauereigruppe in der irischen Craft-Bier-Szene bekannt geworden waren. Die Anlage entstand in einem früheren Sägewerk in Milltown am Ortsrand von Dingle. Nach Angaben der Wikipedia läuft die Whiskeyproduktion über drei große Kupfer-Brennblasen, eine kleinere dient für Gin und Wodka. Wer heute der Eigentümer ist, beantworten die Quellen unterschiedlich: Die Brennerei selbst nennt sich unabhängig, andere Angaben führen die Porterhouse-Gruppe oder die beiden Mitgründer LaHart und Mosley auf.
Weil irischer Whiskey mindestens drei Jahre im Fass liegen muss, kamen die ersten Whiskeys erst Ende 2016 auf den Markt, damals in kleinen, auf wenige tausend Flaschen begrenzten Chargen. Diese frühen Malts reiften nach Wikipedia ausschließlich in Bourbonfässern. Danach folgten weitere Chargen und eine Pot-Still-Abfüllung. Die erste dauerhaft erhältliche Kernabfüllung erschien nach Angaben der Brennerei 2021, und genau um sie geht es hier. Ein Porträt der Brennerei haben wir bislang nicht.
Der Dingle Single Malt im Speziellen
Der Kern-Malt unterscheidet sich von den früheren, nummerierten Chargen. Diese Chargen waren zeitlich begrenzt, und ihre Fassmischung wechselte von Edition zu Edition; Portweinfässer kamen etwa in manchen Chargen und im Zehnjährigen vor, nicht aber im regulären Single Malt. Die Standardflasche besteht dagegen aus einer festen Rezeptur ohne Chargennummer.
Auch diese Rezeptur hat sich bewegt. Zum Start nannte die Brennerei 61 % Pedro-Ximénez-Sherryfässer und 39 % Bourbonfässer, jeweils Erstbefüllung. Laut aktueller Herstellerseite besteht die Vermählung heute aus knapp der Hälfte Bourbon (47 %), dazu kommen Oloroso- und Pedro-Ximénez-Fässer; zusammengeführt wird per Solera-System. Die Sherry-Seite ist also leichter geworden. Verkostungsnotizen älterer Flaschen passen deshalb nicht immer zu einer neuen Abfüllung. Eine Altersangabe gibt es nicht; zum Start sprach die Brennerei von überwiegend sechs- bis siebenjährigen Destillaten. Zur Wirkung der Fasstypen lohnt der Beitrag über Whisky-Fassreifung.
Herstellung: Dreimal gebrannt, Kerry-Klima im Fass
Gemälzte Gerste aus Irland wird nach Herstellerangaben in einem Maischbottich aus Holz eingemaischt; eine Quelle nennt europäische Eiche. Das Wasser stammt nach der Markteinführung aus einem eigenen Brunnen auf dem Gelände. Gebrannt wird dreimal, was dem Destillat einen sauberen, leichten Charakter gibt. Dass dreifache Destillation in Irland üblich, aber keine Pflicht ist, erklärt der Beitrag über Irish Whiskey, Pot Still und Dreifachdestillation. Die Brennerei gibt außerdem an, sie kaufe kein Destillat zu und verkaufe keines an andere Häuser; das ist eine Aussage der Marke und lässt sich von außen nicht prüfen.
Gereift wird im Küstenklima der Halbinsel. Abgefüllt wird ohne Kühlfiltrierung und ohne Zuckerkulör; was beides bedeutet, erläutert der Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bernstein bis tiefes Gold, ganz ohne Farbstoff.
- Nase: Limettenschale und frische Minze, dazu süße Birne, Vanille und Karamell; mit Zeit kommen Zimt, Pfeffer und etwas Mandarine hinzu.
- Gaumen: Voll und leicht sirupartig, mit Apfelkaramell, Rosinen, dunklem Fruchtkuchen und Vanille, im Hintergrund Schokolade und Espresso.
- Abgang: Mittellang, honigsüß mit milder Gewürzwärme, trocknend, bei manchen Chargen mit einem Hauch Zitrone.
Der Gesamteindruck ist der eines fruchtigen, gewürzten Malts, der die Süße des Sherrys mit der Frische des Bourbonfasses ausbalanciert. Er ist nicht schwer, aber auch nicht dünn; Rauch spielt keine Rolle. Je nach Charge verschiebt sich das Gewicht zwischen Sherryfrucht und Bourbonvanille, den Kern der Aromatik trifft man aber zuverlässig.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt der Dingle Single Malt pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur, ein kleiner Schluck Wasser öffnet die Minze- und Limettennoten. Auf Eis wird er leichter, die Frucht bleibt aber erhalten; für einen Highball mit Soda und einem Zitronenschnitz ist er zu schade, in einem Old Fashioned mit wenig Zucker überrascht er dagegen. Zum Essen passen Apfeltarte, dunkle Schokolade, Walnüsse und gereifter Cheddar.
Einordnung & Alternativen
- Teeling Single Malt: ebenfalls ein dreifach destillierter irischer Malt aus mehreren Fasstypen, aber mit mehr tropischer Frucht und Weinfass-Einfluss.
- Redbreast 12 Jahre: der Klassiker mit Sherryfass-Prägung, ölig und würzig statt frisch-minzig.
- Writers' Tears Copper Pot: milder und apfelig, eine Mischung aus Pot Still und Malt, leichter im Körper.
Fazit
Der Dingle Single Malt ist ein charaktervoller, handwerklich sauber gemachter Malt, der zeigt, was eine junge irische Brennerei mit eigenem Destillat leisten kann. Die 46 % vol., der Verzicht auf Kühlfiltrierung und Farbe sowie der lebendige Mix aus Frische und Sherryfrucht sprechen für ihn, die wechselnde Fassrezeptur und das Fehlen einer Altersangabe sind kleine Abzüge. Er eignet sich für alle, die irische Malts jenseits des weichen Standards suchen, und ist ein guter Einstieg in die neue Generation irischer Brennereien. Deshalb gibt es 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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