Blended Whisky

Writers' Tears Copper Pot Whiskey

4/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.MittelklasseEx-Bourbon-FässerIrland (Marke von Walsh Whiskey, Carlow)
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Writers' Tears Copper Pot – Pot Still und Malt im Verhältnis 60 zu 40

Der Writers' Tears Copper Pot gehört zu den bekanntesten Irish Whiskeys der jüngeren Generation und ist kein klassischer Blend aus Malt und Grain, sondern eine Vermählung von Single Pot Still und Single Malt. Beide Anteile sind dreifach destilliert, ungetorft und reifen in Ex-Bourbonfässern. Das Besondere daran: Der Anteil an Pot-Still-Whiskey, also an Destillat aus gemälzter und ungemälzter Gerste, gibt ihm eine würzige Textur, die den meisten Standard-Blends fehlt – bei moderaten 40 % vol.

Geschichte: Eine Marke von Carlow

Hinter dem Namen steht kein klassisches Brennerei-Erbe, sondern ein Familienunternehmen. Walsh Whiskey wurde 1999 von Bernard und Rosemary Walsh in Carlow gegründet. Zuerst brachte das Paar Irish-Coffee-Mischungen und Cremelikör auf den Markt; 2007 folgte der Whiskey The Irishman, 2009 dann Writers' Tears. Der Name erinnert nach Darstellung der Marke an irische Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, die einen ähnlichen Whiskey getrunken haben dürften. Belegen lässt sich das nicht, es ist Markenerzählung. Auch der Stil gehört dazu: Die Vermählung von Pot Still und Malt soll im 19. Jahrhundert „der Champagner unter den irischen Whiskeys“ genannt worden sein, so die Marke.

2013 stieg der italienische Spirituosenkonzern Illva Saronno (bekannt für Disaronno) mit 50 % bei Walsh ein. Gemeinsam entstand auf dem Royal-Oak-Anwesen in County Carlow eine eigene Brennerei, die am 21. Juni 2016 eröffnet wurde und alle drei irischen Whiskeystile herstellen kann. Im Januar 2019 trennten sich die Partner nach Meinungsverschiedenheiten über die Weiterentwicklung: Illva Saronno behielt die Brennerei, die in Royal Oak Distillery umbenannt wurde, die Walshs behielten die Marken Writers' Tears und The Irishman. Ein eigenes Brennerei-Porträt gibt es bei uns noch nicht; als Einordnung lohnt der Vergleich mit anderen Häusern wie Teeling, die ebenfalls aus der jungen irischen Whiskeyszene stammen.

Der Writers' Tears Copper Pot im Speziellen

Der Copper Pot ist eine der drei Kernabfüllungen der Reihe. Laut einer unabhängigen Quelle liegt das Mischungsverhältnis bei etwa 60 Teilen Pot Still und 40 Teilen Malt; die Marke selbst nennt nur, dass überwiegend Pot Still und Single Malt vermählt werden. Gereift wird in ausgebrannten amerikanischen Bourbonfässern, abgefüllt mit 40 % vol.; einzelne Quellen führen ihn als nicht kühlgefiltert und ungefärbt, was der Hersteller auf seinen Seiten nicht eigens ausweist – hier hilft der Blick aufs Etikett. Woher das Destillat stammt, wird nicht im Detail genannt; Branchenberichte vermuten zugekaufte Anteile irischer Brennereien und eine Beteiligung der später eröffneten Anlage in Carlow, belastbar belegt haben wir das nicht. Fest steht nur: Es ist eine Vermählung zweier Whiskeytypen und keine reine Brennereiabfüllung.

Preislich liegt der Copper Pot in der Mittelklasse, über typischen Standard-Blends, aber unter gereiften Pot-Still-Abfüllungen wie denen von Redbreast.

Herstellung: Gemälzte und ungemälzte Gerste

Die Mischung aus gemälzter und ungemälzter Gerste ist die eigentliche Besonderheit des Pot-Still-Anteils: Die rohe Gerste liefert die würzige, leicht ölige und pfeffrige Seite, der Malt die zartere, florale. Beide Teile werden dreifach in Kupferbrennblasen gebrannt, und es wird kein Torf verwendet. Nach der Destillation geht der Whiskey in Bourbonfässer, aus denen er Vanille und Honig bezieht, bevor beide Anteile vermählt werden. Grain-Whiskey ist nicht im Spiel, was ihn von Blends wie Jameson unterscheidet; Pot Still und Malt allein ergeben eine dichtere, kornigere Struktur.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Strohgelb bis helles Bernstein.
  • Nase: Verschiedene Apfelsorten, Wildblütenhonig und Vanille, mit etwas Luft auch Gras und Zitronengras; eine Spur feuchtes Holz.
  • Gaumen: Weich, mit süßem Apfelsaft, Gerstenmalz und Honig, darunter Ingwer und eine Prise Pfeffer; die Pot-Still-Würze wird erst nach einigen Schlucken bitterer.
  • Abgang: Mittellang bis kurz, mit Zitronencreme, dunkler Schokolade und einem Rest Toffee.

Genuss-Empfehlung

Pur im Tulpenglas, mit Zimmertemperatur und etwas Zeit, zeigt der Copper Pot seine Apfelfrische. Ein paar Tropfen Wasser ändern laut Verkostern wenig, ein Eiswürfel macht ihn schlanker, aber nicht schlechter. Als Longdrink funktioniert er mit trockenem Ginger Ale und einer Limettenscheibe, im Irish Coffee ist er ebenfalls eine gute Wahl, weil die Pot-Still-Würze gegen Kaffee und Sahne besteht. Zum Essen passen Apfelkuchen, milder Cheddar, geräucherter Lachs auf Sauerteigbrot oder Haferkekse mit dunkler Schokolade, weil die Apfelnote in der Nase und der Honig im Gaumen so ihre Entsprechung finden.

Fazit

Der Writers' Tears Copper Pot ist ein sauberer, fruchtiger Einstieg in den Pot-Still-Stil – leicht, vanillig und angenehm würzig. Wer das Profil mag, aber mehr Sherry und Konzentration sucht, kommt zum Redbreast 12 Jahre oder zum kräftigeren Powers John's Lane; wer es leichter und süßer mag, bleibt beim Jameson. Die Grenze setzen die 40 % vol.: Körper und Länge bleiben begrenzt, und Kritiker werten ihn eher als gut gemachten Alltagswhiskey denn als Dram zum Nachdenken. Dafür gibt es 4 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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