Elsburn The Journey – ein Harzer Single Malt aus der alten Hammerschmiede
Wer deutschen Whisky kennenlernen will, trifft früher oder später auf den Harz. In Zorge, am Südrand des Mittelgebirges, brennt die Hammerschmiede seit über zwei Jahrzehnten Whisky. Ihr bekanntester Malt trägt heute den Namen Elsburn, und die Flasche mit dem Namen „The Journey“ gilt als Kernabfüllung. Die Version mit sechs Jahren Reifung wird mit 46 % vol. und ohne Kühlfiltration abgefüllt. Das Profil ist weinig-fruchtig, mit Sultaninen, Aprikose und Toffee.
Geschichte: Von der Hammerschmiede zum Whisky
Die Geschichte beginnt mit einem Hammerwerk. Der Name „Hammerschmiede“ geht auf die obere Hammerschmiede im Dorf Wieda zurück, deren Ursprünge nach Angaben von whisky.com bis ins späte 13. Jahrhundert zurückreichen. 1895 übernahm Theodor Knoblauch den Betrieb; sein Enkel Karl-Theodor Buchholz baute ihn um, eröffnete ein Restaurant und begann Spirituosen zu brennen. Als Gründungsjahr des Unternehmens nennen Wikipedia und die Fachdatenbank scotchwhisky.com 1985, andere Quellen 1984. Zunächst standen Kräuterliköre im Mittelpunkt, ab 1998 konzentrierte sich der Betrieb ganz auf Spirituosen.
Die Entscheidung für Whisky fiel 2002; die Brennerei wurde damit eine der frühen in Deutschland. 2005 zog der Betrieb von Wieda in das ehemalige Kurhaus in Zorge. Heute führt Alexander Buchholz aus der Familie das Haus. Die Entwicklung deutscher Whisky-Pioniere fasst unser Artikel Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere zusammen.
Der Elsburn The Journey im Speziellen
Der Whisky hieß früher „Glen Els“, benannt nach der Els-Quelle, aus der das Brennwasser stammt. Laut dem Händler whisky.de war die 2019er Ausgabe der Journey die letzte reguläre Abfüllung unter diesem Namen, bevor die Marke umbenannt wurde. Die Journey war es auch, die dem Haus nach Angaben von Wikipedia 2014 einen „Liquid Gold Award“ von Jim Murray einbrachte.
Aktuell erscheint der Journey in Batches. Für die zweite Charge mit sechs Jahren Alter nennt whisky.com 46 % vol. und 2.464 Flaschen; bei jeder Charge können Fässer und Zusammensetzung leicht variieren, ein Blick auf die Angaben der Flasche lohnt also.
Herstellung: Holzrauch und Weinfässer
Das Malz ist laut Händlerangaben holzgeräuchert. Bei der Hammerschmiede wird dafür kein Torf verwendet; die Raucheditionen des Hauses nutzen nach whisky.com Malz, das über Buche und Erle geräuchert wird. Die frühere Journey 2019 bestand zu 95 Prozent aus ungeräuchertem und zu 5 Prozent aus geräuchertem Malz und wurde in einer holzbefeuerten Brennblase destilliert. Wie stark der Rauchanteil beim aktuellen Batch ist, bleibt in den Quellen offen; Beschreibungen sprechen von einem weichen, fruchtigen Charakter mit würzigen Akzenten.
Die Fässer sind das eigentliche Markenzeichen. Neben Sherry kommen Port, Marsala und Málaga zum Einsatz, beim aktuellen Batch jeweils erstbefüllt. Die Hammerschmiede füllt zudem häufig Einzelfässer aus Wein- und Likörweinfässern ab. Wer mehr über die Wirkung dieser Fässer wissen möchte, findet im Beitrag Sherryfässer im Whisky einen guten Einstieg.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von whisky.com und whisky.de.
- Farbe: Warmes Bernstein bis Kupfer.
- Nase: Fruchtig mit leichter Malzigkeit: Sultaninen, Aprikose und Eiche, dazu Kaffeehauch, Vanille und Toffee.
- Gaumen: Mild fruchtig mit zarter Vanille, Karamell, Trockenfrüchten und Mandarine; zum Ende warme Eiche.
- Abgang: Mittellang, fruchtig-würzig, mit Vanille und dunkler Schokolade. Ältere Ausgaben zeigen im Nachklang einen Hauch Rauch.
Genuss-Empfehlung
Als Winterwhisky passt der Elsburn in die kalte Jahreszeit. Wegen seiner Weinfrucht kommt er am besten pur und etwa zimmerwarm in ein tulpenförmiges Glas; ein paar Tropfen Wasser lösen die Schokoladennoten. Der Weg ins Glas braucht dank der Nicht-Kühlfiltration keine Eile, bei niedrigen Temperaturen kann sich der Whisky leicht eintrüben, was unproblematisch ist (siehe Kühlfiltrierung und Naturfarbe).
Dazu passen Lebkuchen, Walnüsse, getrocknete Aprikosen oder ein kräftiger Bergkäse; für Süßes gibt es nichts Besseres als Zartbitterschokolade mit Orangenschale.
Einordnung & Alternativen
- Stork Club Single Malt – ein weiterer deutscher Single Malt, tropischer und mit Weißweinfass-Note.
- St. Kilian Classic – deutscher Malt mit Sherry- und Bourbonfässern, cremiger und eher steinobstbetont.
- Aberlour 12 Jahre Double Cask – der schottische Vergleich für sherryfruchtige Whiskys.
Fazit
Der Elsburn The Journey 6 Jahre zeigt, wie viel Charakter ein junger deutscher Single Malt aus Weinfässern haben kann. Er ist kein Rauchwhisky und kein Kraftpaket, sondern ein runder, fruchtiger Malt mit Sultaninen und dunkler Schokolade. Wer sich für deutschen Whisky interessiert und nach den bayerischen Brennereien auch den Harz entdecken möchte, findet hier eine gute Visitenkarte der Hammerschmiede. Die Chargen unterscheiden sich leicht, der Stil bleibt aber erkennbar.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche internationale Whiskys

Stork Club Single Malt Whisky
Ananas, Mango und Honig treffen auf Wein- und Sherrynoten – ein fruchtbetonter deutscher Single Malt aus dem Spreewald.

St. Kilian Classic Deutscher Whisky
Reife Pfirsich- und Aprikosenaromen treffen auf cremige Vanille und würziges Eichenholz aus dem bayerischen Odenwald.

Slyrs Fifty-One Bavarian Single Malt Deutscher Whisky
Pflaume, geröstete Kastanie und Gewürznelke bei 51 % Vol.: Der Slyrs Fifty-One setzt auf Weinfass-Nachreifung und einen herb-würzigen, trockenen Abgang.

Aberlour 12 Jahre Double Cask Whisky
Warme Sherrysüße mit Trockenfrüchten und Karamell in zugänglicher 40%-Stärke — das ruhigere Gegenstück zur kraftvollen A'bunadh-Fassstärke.

Sherryfässer im Whisky: Oloroso, Pedro Ximénez und Fino
Sherry Cask klingt nach spanischem Keller, meint aber oft etwas anderes. Welche Sherrytypen im Whisky landen, wie Seasoning funktioniert und was Etiketten verraten.

Deutscher Whisky: Geschichte und Pioniere
Lange war Whisky in Deutschland ein Importprodukt – dann begannen Obstbrenner und Quereinsteiger, Getreide ins Fass zu legen. Ein Überblick mit belegten Daten.

Kühlfiltrierung und Naturfarbe: Was „non chill-filtered“ und „natural colour“ wirklich bedeuten
Trübung durch Fettsäureester, Filter bei Kälte, Zuckerkulör im Glas: was hinter den beliebten Etikett-Hinweisen steckt und was der Streit darum wert ist.

Whisky-Fassreifung erklärt: Sherry Cask, Bourbon Cask & Fassstärke
Warum ein Whisky aus Taiwan in wenigen Jahren reift, wofür ein Fass wirklich gut ist – und was hinter Cask Strength und Single Cask tatsächlich steckt.