Die Yoichi Distillery an der Westküste von Hokkaido ist die erste Brennerei des Hauses Nikka und wurde 1934 von Masataka Taketsuru gegründet, dem Pionier des japanischen Whiskys. Er wählte den Ort, weil Klima, Wasser und Landschaft ihn an Schottland erinnerten. Bis heute werden die Brennblasen direkt mit Kohle befeuert, was nach Herstellerangaben komplexe, röstige Aromen erzeugt. Zusammen mit der kalten, feuchten Meeresluft prägt das einen Malt, der körniger, rauchiger und maritimer ausfällt als die meisten japanischen Whiskys. Betreiber ist Nikka Whisky Distilling, ein Unternehmen der Asahi-Gruppe, die auch Nikkas Zweitbrennerei Miyagikyo und die schottische Ben-Nevis-Brennerei umfasst.
Überblick
- Name: Yoichi Distillery (Nikka Whisky Hokkaido-Brennerei)
- Ort: Yoichi, Hokkaido, Japan
- Gegründet: 1934
- Land/Präfektur: Japan, Präfektur Hokkaido
- Besitzer: Nikka Whisky Distilling, Teil der Asahi-Gruppe (Asahi Breweries)
- Typ: Single Malt, kräftig-rauchiger Stil mit maritimer Note
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1934 | Taketsuru gründet in Yoichi die Dai Nippon Kaju („Große Japanische Fruchtsaft-Gesellschaft“); die Brennerei wird im selben Jahr fertiggestellt |
| 1936 | Die Firma beginnt mit der Herstellung von Whisky und Brandy; Apfelprodukte sichern in den Anfangsjahren die Einnahmen |
| 1940 | Der erste Whisky unter der Marke Nikka kommt auf den Markt |
| 1952 | Das Unternehmen heißt nun offiziell The Nikka Whisky Distilling Co., Ltd. |
| 1954 | Asahi steigt nach einer Darstellung mit einer Mehrheitsbeteiligung ein; die vollständige Zugehörigkeit zu Asahi wird für 2001 genannt |
| 1969 | Mit der Miyagikyo-Brennerei bei Sendai kommt ein zweiter, weicherer Standort hinzu |
| Heute | Yoichi liefert den kräftigen Malt für Nikkas Single Malts und Blends und zeigt sich Besuchern mit Museum und historischen Gebäuden |
Besonderheiten bei der Herstellung
Standort und Wasser
Taketsuru suchte lange nach einem Platz mit schottischem Charakter. Yoichi bietet nach Nikka kühles Klima, klare Luft und frisches Wasser aus dem Yoichi-Fluss, der sich aus Schneeschmelze speist. In der Umgebung gab es zudem Torf und Kohle aus der Ishikari-Ebene. Die kalte, feuchte Seeluft lässt den Whisky langsam reifen.
Direkt befeuerte Brennblasen
Das Markenzeichen ist die Kohlefeuerung. Nikka nennt sie „Coal-fired Direct Heating“; sie geht auf Taketsurus Lehrzeit in Schottland zurück und gilt heute als selten. Die Anlage umfasst nach gängigen Angaben sechs Pot Stills mit geraden Hälsen und abwärts geneigten Lyne Arms. Nach Nikka braucht das Verfahren geübte Handwerker, die die Hitze laufend regulieren; es gilt als Quelle der röstigen Aromen.
Malz und Torf
Yoichi arbeitet mit teilweise getorftem Malz. Nikka nennt keine ppm-Werte. Medienberichten zufolge stammt das getorfte Gerstenmalz heute überwiegend aus dem Ausland, obwohl das Haus eine eigene Torffläche in der Region besitzt.
Fassreifung
Gereift wird nach den verfügbaren Angaben vor allem in Ex-Bourbon- und Sherryfässern. Das Lagerhaus Nr. 1 hat einen Erdboden zur Feuchtigkeitsregulierung. Welche Fassanteile in welcher Abfüllung stecken, veröffentlicht Nikka nicht.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Yoichi Single Malt (ohne Altersangabe) | 45 % | Leichter Torfrauch, Salz und Zitrusschale mit röstiger Fassnote |
| Yoichi 10 Jahre | 45 % | Elegant getorft, mit Ruß, grünem Obst und Mandel; laut Händlern zeitweise nicht lieferbar |
| Yoichi 12 / 15 Jahre | 45 % | Ältere Abfüllungen, Verfügbarkeit je nach Markt stark schwankend |
| Yoichi Peaty & Salty | 55 % | Torf und Salz im Vordergrund, nach Händlerangaben nur an der Brennerei erhältlich |
| Yoichi Sherry & Sweet | 55 % | Sherryfass-Stil mit Süße, Teil derselben Brennerei-Serie |
| Yoichi Woody & Vanillic | 55 % | Holz- und Vanillestil derselben Serie |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Nikka Yoichi Single Malt Whisky. Als verwandte Nikka-Abfüllung gehört Nikka From The Barrel dazu; sie ist ein Blend, der nicht allein aus Yoichi stammt. Der Nikka Miyagikyo Single Malt und der Nikka Coffey Grain Whisky kommen dagegen aus der Miyagikyo-Brennerei und sind kein Yoichi.
Stil & Wiedererkennungswert
Yoichi steht für einen kräftigen, körnigen Malt mit Rauch, Salz und Röstnoten, der sich deutlich von den weicheren, fruchtigen Profilen anderer japanischer Brennereien unterscheidet. Der Kohlebrand verleiht dem Destillat Tiefe und eine leicht herbe Würze, die Küstenlage sorgt für die salzige Linie. Selbst in neuen Fässern bleibt der Spirit nach Nikka kräftig.
Dazu kommt die Geschichte: Auf dem Gelände stehen historische Gebäude aus den 1930er-Jahren und das versetzte Wohnhaus Taketsurus.
Fazit
Yoichi ist die Brennerei für alle, die japanischen Whisky kräftig, rauchig und handwerklich mögen und ein Gegenstück zu den sanften Blüten- und Fruchtstilen suchen. Die Kohlefeuerung ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal, das man schmeckt. Wer ältere Abfüllungen sucht, braucht Geduld, denn Altersangaben und Verfügbarkeit wechselten bei Nikka zuletzt mehrfach; die Standardabfüllung ist dafür der verlässlichste Einstieg.