Glen Grant 18 Jahre – Fruchtige Eleganz aus Bourbonfässern
Der Glen Grant 18 Jahre, offiziell als Rare Edition geführt, gehört zu den ältesten Malts der Kernreihe der Brennerei aus Rothes. Im Gegensatz zu vielen anderen 18-Jährigen der Speyside setzt er nicht auf Sherrytiefe, sondern auf Klarheit: Nach Angaben des früheren Master Distillers Dennis Malcolm reift er ausschließlich in Bourbonfässern, ganz ohne Sherryanteil. Das Ergebnis ist ein heller, obstiger Malt, der nach so langer Reifezeit noch immer überraschend frisch wirkt.
Geschichte: Schwarzbrenner, ein Major und ein Italiener
Glen Grant wurde 1840 von den Brüdern John und James Grant in Rothes gegründet. Beide waren zuvor Schwarzbrenner, bevor sie sich um eine Lizenz bemühten. Zu großem Ruhm brachte es das Haus unter Major James Grant, der das Geschäft in den 1870er-Jahren übernahm. Er galt als Neuerer: Er soll der erste Mann in den Highlands mit einem Auto gewesen sein, und seine Brennerei war nach Überlieferung die erste mit elektrischem Licht. Außerdem führte er hohe, schlanke Brennblasen mit Purifiern ein, die den leichten, klaren Charakter des Destillats prägen. Nach dem Tod des Majors 1931 übernahm sein Enkel Douglas Mackessack; 1972 ging die Brennerei in der Glenlivet Distillers auf und gehörte später zu Seagram und zu Chivas Brothers.
Seit 2006 gehört Glen Grant zur italienischen Campari-Gruppe. In Italien ist Glen Grant der meistverkaufte Single Malt. Unter der neuen Führung entstanden der 12- und der 18-Jährige, ohne ältere Abfüllungen zu ersetzen. Dennis Malcolm, der die Brennerei von 1983 bis 1992 und noch einmal von 2006 bis 2017 leitete, ist ausgebildeter Küfer und achtet erkennbar auf die Fassqualität. Einen Überblick über Haus und Garten gibt unser Porträt Glen Grant Distillery – Speyside.
Der Glen Grant 18 im Speziellen
Der Glen Grant 18 wurde im Juni 2016 in neuer Aufmachung mit dem Monogramm der Familie Grant eingeführt. Er wird mit 43 % vol. abgefüllt und gehört in die obere Preisklasse der Kernreihe. Zur Fassreifung sind sich die geprüften Quellen einig: Bourbonfässer, nach Aussage Malcolms ohne jeden Sherryanteil. Nach Herstellerangaben erfolgt keine Farbkorrektur. Bei der Kühlfiltration sind die Angaben unterschiedlich: Eine Whiskybase-Abfüllung von 2019 wird als nicht kühlgefiltert und ungefärbt geführt, eine andere Datenbank nennt ihn dagegen kühlgefiltert und gefärbt. Prüfen Sie daher das Etikett.
Seine Bekanntheit verdankt der Whisky auch Jim Murray: In dessen Whisky Bible wurde er in mehreren Ausgaben hintereinander zum besten Scotch gekürt, für die Ausgabe 2019 zum dritten Mal in Folge, wonach er in vielen Läden zeitweise ausverkauft war. Unabhängige Tester sind nüchterner: Etwa 82 von 100 Punkten gibt es bei einem belgischen Blog, rund 87 in der Whiskybase-Community. Einzelne Käufer finden ihn für sein Alter leicht und etwas spritig.
Herstellung: Hohe Kessel, Purifier und Fassqualität
Die Brennerei arbeitet mit vier Paaren Brennblasen, also acht insgesamt: je vier Wash Stills und vier Spirit Stills. Sie sind hoch und schlank, und an den Brennblasen sitzen Purifier, die schwere Dämpfe zurück in die Blase leiten. Nur die leichtesten, saubersten Anteile steigen weiter auf. Dafür sorgt auch der starke Rückfluss, der ein fruchtiges, estriges Destillat ohne ölige Schwere ergibt. Ein Brenndurchgang vom Maischen bis zur Destillation dauert nach Angaben aus der Branche etwa sechs Stunden, wobei jedes Brennblasenpaar sein Destillat in einen eigenen Behälter leitet und separat kontrolliert wird. Das Brauwasser stammt aus dem Glen Grant Burn.
Malcolm betont die Qualität der Fässer und hat sich dagegen gewehrt, sie zur Kostensenkung noch häufiger wiederzubefüllen. Dass der 18-Jährige trotz seines Alters keine dunkle Eichenwucht zeigt, passt zu einem so leichten Destillat in Bourbonfässern.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold bis blasses Bernstein.
- Nase: Goldene Äpfel und Birnen, frisch geschnittenes Gras, geröstete Paranüsse, dazu Vanillepudding, Honig und ein Hauch Kuchengewürz mit Nelke und Ingwer; mit Wasser treten grüner Apfel und Birnendrops hervor.
- Gaumen: Leicht bis mittelkräftig und fruchtig, mit Apfel, Birne und Beeren sowie Maracuja und gerösteten Mandeln; dahinter Vanille, Malz und eine Spur Karamell, begleitet von Zimt und schwarzem Pfeffer.
- Abgang: Mittellang, mit Obstgarten, Nüssen, grasiger Eiche und milder Würze.
Genuss-Empfehlung
Der Glen Grant 18 entfaltet sich am besten pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur. Ein kleiner Schuss Wasser öffnet die Frucht, nimmt aber auch Süße weg und macht die Würze deutlicher; probieren Sie ihn erst pur. Eis ist wegen der feinen Aromen eher keine gute Idee. Kulinarisch passt der Malt zu mildem Ziegenkäse, Birne mit Walnüssen, hellem Gebäck und leichten Desserts wie Vanillecreme oder Mandelkuchen.
Fazit
Der Glen Grant 18 Jahre ist ein eleganter Malt für alle, die Fruchtigkeit und Leichtigkeit schätzen und wenig Interesse an Sherrybomben haben. Er überzeugt durch Sauberkeit und Balance, verlangt aber ein wenig Aufmerksamkeit, denn wer Wucht sucht, wird sie nicht finden. Wer den Hausstil erst kennenlernen will, beginnt mit dem Glen Grant 12 Jahre, der dieselbe Linie leichter und günstiger zeigt. Wer neben dem Bourbonfass einen Sherryanteil erleben möchte, wählt den Glen Grant Arboralis mit Bourbon- und Oloroso-Fässern. Für Einsteiger und Genießer, die Zurückhaltung schätzen, ist der 18-Jährige ein stimmiger Abschluss der klassischen Reihe.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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