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Glen Grant Distillery – Speyside

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Eingangsgebäude der Glen-Grant-Brennerei in Rothes.
Eingangsgebäude der Glen-Grant-Brennerei in Rothes. Aufnahme: 2013.
Foto: Dingerwarren, 01-Glen-Grant.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Für Gin-Time zugeschnitten beziehungsweise mit neutralem Rand in das Zielformat gesetzt, in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Wer in Rothes an der Speyside die Brennerei Glen Grant besucht, spaziert zuerst durch einen Garten. Den ließ Major James Grant im 19. Jahrhundert anlegen, mit Pflanzen, die er von seinen Reisen mitbrachte. Dahinter stehen hohe, schlanke Brennblasen mit aufgesetzten Purifiern, die ein besonders leichtes, sauberes Destillat liefern sollen. Seit 2006 gehört die Brennerei zur italienischen Campari-Gruppe. Der Stil bleibt hell, ungetorft und obstig, deutlich unaufgeregter als viele Sherry-Speysider. Gegründet wurde das Haus 1840 von zwei Brüdern, die zuvor als Schwarzbrenner gearbeitet haben sollen. Dieses Porträt ordnet Geschichte, Herstellung, Sortiment und Hausstil der Brennerei ein.


Überblick

  • Name: Glen Grant Distillery
  • Ort: Rothes, Moray, Schottland
  • Gegründet: 1840 (einzelne Quellen nennen 1839)
  • Region: Speyside
  • Besitzer: Campari-Gruppe (seit 2006)
  • Typ: Single Malt Scotch Whisky

Historische Entwicklung

Jahr Ereignis
1840 Die Brüder John und James Grant gründen die Brennerei in Rothes
1872 Major James Grant übernimmt das Geschäft und prägt es über Jahrzehnte
1931 Tod des Majors; sein Enkel Douglas Mackessack führt die Brennerei weiter
1953 Zusammenschluss mit der Glenlivet-Brennerei zur Gruppe The Glenlivet & Glen Grant Distilleries
1970er Die Gruppe geht in den Besitz von Seagram über (je nach Quelle 1972 oder 1977); die Kapazität wächst bis auf zehn Brennblasen
2001 Nach der Aufspaltung von Seagram folgt der Besitz von Chivas Brothers bzw. Pernod Ricard
2006 Die Campari-Gruppe übernimmt die Brennerei
Heute Etablierter Speyside-Malt mit Besucherzentrum und restauriertem Garten

Besonderheiten bei der Herstellung

Wasser und Malz

Die Quellenangaben zum Wasser unterscheiden sich: genannt werden der Glen Grant Burn, der Black Burn und private Quellen, teils auch der Caperdonich Well. Das Malz ist ungetorft, eine Quelle nennt weniger als 1 ppm; Torf soll in früheren Jahrzehnten noch eine Rolle gespielt haben.

Maischen und Gärung

Die Maische gärt in zehn hölzernen Washbacks aus Douglasie bzw. Oregon Pine. Bei der Gärzeit sprechen die Quellen von rund zwei Tagen. Mehr Aussagekraft haben hier die Brennblasen.

Brennblasen mit Purifiern

Acht Brennblasen, vier Wash Stills und vier Spirit Stills, arbeiten in hohen, schlanken Formen. An den Lyne Arms sitzen Purifier, Reinigungskammern, in denen schwere Dämpfe kondensieren und zurück in die Blase fließen. Dem Major wird dieses Design zugeschrieben. Die Inhalte der Blasen werden in den Quellen sehr unterschiedlich angegeben.

Kupferbrennblasen in der Glen-Grant-Brennerei.
Kupferbrennblasen in der Glen-Grant-Brennerei. Aufnahmejahr in der Quelle nicht eindeutig angegeben.
Foto: S8z11, GlenGrant1.jpg, via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0. Für Gin-Time in der Größe angepasst und als WebP optimiert.

Fassreifung

Verwendet werden überwiegend Ex-Bourbon-Fässer und Refill-Holz; Sherryfässer spielen laut Brancheninformationen eine Nebenrolle, tauchen aber in einzelnen Abfüllungen auf. Die Schwesterbrennerei Caperdonich (1898 gebaut, nach der Quellenlage 2002 geschlossen) gehörte lange zum selben Verbund.


Produkte & Charakter

Produkt Alkoholvolumen Charakteristik
The Major's Reserve 40 % Einsteigerabfüllung ohne Altersangabe: Apfel, Zitrus und Getreide, heute vielerorts nicht mehr gelistet
Glen Grant 10 Jahre 40 % Obstgarten, Getreide, Vanille; leicht und trocken
Glen Grant 12 Jahre 43 % (teils noch 40 % im Handel) Birne, Apfel, Honig und Vanille; sanft und unkompliziert
Glen Grant Arboralis 40 % Ohne Altersangabe, Bourbon- und Oloroso-Fässer: Honig, Birne, Trockenfrucht
Glen Grant 15 Jahre Batch Strength 50 % Erstbefüllte Bourbonfässer, nicht kühlgefiltert: Zitrus, Vanille, Malz, gewürzte Birne
Glen Grant 18 Jahre Rare Edition 43 % Vanille, Nüsse, Karamell und Backgewürze, reifer und runder

Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Glen Grant 10 Jahre, Glen Grant 12 Jahre, Glen Grant Arboralis und Glen Grant The Major's Reserve.


Stil & Wiedererkennungswert

Glen Grant steht für einen hellen, getreidig-fruchtigen Speyside-Stil. Das Destillat bleibt dank der Purifier und des starken Rückflusses schlank und sauber; Birne, Apfel, Vanille und Malz stehen vorn. Die Fässer begleiten diesen Charakter, statt ihn zu überlagern, und das erklärt, warum die Abfüllungen auch mit höherem Alter frisch wirken.

Hinzu kommt der Markenauftritt: Der Garten des Majors und die Geschichte seiner Reisen gehören so selbstverständlich zur Marke wie die Brennblasen selbst.


Fazit

Glen Grant ist eine traditionsreiche Brennerei für alle, die leichte, unaufdringliche Malts mögen und Sherrybomben eher meiden. Für Einsteiger sind die 10- und 12-Jährigen naheliegende Begleiter. Neugierigen bieten der 15-Jährige in Fassstärke und der 18-Jährige mehr Struktur. Wer Wucht und Tiefe sucht, ist anderswo besser aufgehoben; wer Destillatcharakter und Understatement schätzt, findet hier einen klaren, ehrlichen Speysider.