Glen Grant 12 Years Old – Fruchtig, leicht und zwei Jahre reifer
In Deutschland steht er meist unter der Bezeichnung „Glen Grant 12 Jahre“ im Regal, auf dem Etikett heißt er Glen Grant 12 Years Old. Dieser Single Malt aus Rothes in der Speyside ist die gereifte Fortsetzung des Basis-Stils der Marke: hell, obstig, nicht schwer. Er wird nach den meisten Quellen mit 43 % vol. abgefüllt und gilt als unkomplizierter Alltagsmalt für Einsteiger und für alle, die lieber Birne und Vanille als Sherry und Torf im Glas haben.
Geschichte: Rothes, die Grants und ein Italiener als Eigentümer
Glen Grant entstand 1840 in Rothes, gegründet von den Brüdern John und James Grant. Beide hatten nach einer Quelle zuvor schwarz gebrannt, bevor sie eine Lizenz erhielten. Die Lage war günstig: Der Spey fließt in der Nähe, Gerste wächst in der Umgebung, und der Hafen in Garmouth war nicht weit. Bis 1931 blieb die Brennerei in Familienhand, dann folgten Zusammenschlüsse, darunter 1972 der Beitritt zur Glenlivet Distillers. Seit Dezember 2005 gehört sie zur italienischen Campari-Gruppe, was erklärt, warum die Marke in Italien so stark verwurzelt ist. Vertiefende Geschichten rund um den „Major“ James Grant stehen im Artikel zum Glen Grant The Major's Reserve.
Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Glen Grant Distillery – Speyside.
Der Glen Grant 12 im Speziellen
Der Zwölfjährige steht im Kernsortiment über dem Zehnjährigen und unter den älteren Abfüllungen der Marke. Zur Stärke gibt es einen kleinen Stolperstein: Die meisten Händler und Tester nennen 43 % vol., in einzelnen Shop-Listings taucht aber noch die alte 40-%-Angabe auf, vermutlich aus früheren Chargen. Beim Kauf lohnt deshalb ein Blick aufs Etikett.
Zur Fassreifung sind die Quellen ebenfalls nicht ganz einig. Mehrere nennen Ex-Bourbon-Fässer, ein Händler spricht von Bourbon- und Oloroso-Fässern, die Marke selbst deutet die Reifung eher knapp an. Wir bleiben deshalb bei „überwiegend Bourbon“. Im Vergleich zum Glen Grant 10 Jahre ist er die reifere Variante, bleibt aber ein bewusst leichter Malt. Im Glas fallen laut Händlerbeschreibungen vor allem Honig und eine Spur Gewürz auf. Daran ändert auch der etwas höhere Alkoholgehalt nichts.
Herstellung: Färbung, Kühlfilterung und die Frage nach dem Anspruch
Spannend ist weniger das Fass als das, was nach der Reifung passiert. Händlerangaben zufolge enthält der Glen Grant 12 Zuckercouleur (bei Scotch ist ausschließlich einfache Zuckercouleur E150a zulässig), und zwei Quellen führen ihn als kühlgefiltert. Beides ist bei großen Kernabfüllungen weit verbreitet und ein vernünftiger Weg, eine gleichbleibende Optik und Haltbarkeit zu sichern. Es bedeutet aber auch, dass die Flasche nicht mit der Textur eines nicht kühlgefilterten Whiskys rechnen darf.
Die Marke kennt die Alternative durchaus: Im Reisehandel gibt es einen 12-Jährigen mit 48 % vol. ohne Kühlfilterung, wie ein Testbericht erwähnt. Wer ein Interesse am unverfälschten Charakter des Destillats hat, sollte diese Variante im Blick behalten; in Deutschland ist sie nach unserer Recherche allerdings nicht regulär gelistet.
Das Destillat selbst entsteht in acht Brennblasen, vier Wash Stills und vier Spirit Stills, nach Wikipedia mit insgesamt rund 5,9 Millionen Litern Jahreskapazität. Typisch sind die hohen, schlanken Formen mit Purifiern, deren Funktionsweise wir im Artikel zum Zehnjährigen ausführlich beschreiben. Das Ergebnis ist ein sauberer, ungetorfter Brand, auf den auch die kurze Fassreifung keinen schweren Stempel drückt. Mehr zu den Unterschieden der Stile liefert der Vergleich von Speyside und Islay.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis leuchtendes Gold.
- Nase: Honig, reife Birne und Apfel, dazu Mandel und eine Spur Zitrus. Einzelne Tester finden Birnenbonbon und grünen Tee.
- Gaumen: Leicht bis mittelkräftig, Apfelkuchen, Vanille, Karamell und milde Getreidenoten, mit nur wenig Eichenstruktur.
- Abgang: Mittellang, fruchtig mit zarter Würze, Braunzucker und Vanille. Je nach Tester eher kurz bis mittel.
Genuss-Empfehlung
Pur und leicht gekühlt auf Zimmertemperatur kommt die Frucht am besten zur Geltung; die Marke selbst nennt 16 bis 18 Grad als Trinktemperatur. Mit etwas Eis gelingt er als Aperitif, auch als Highball mit Soda ist er stimmig. Ein Tropfen Wasser im Glas bringt dagegen wenig, in einem Test wurde der Gaumen dadurch eher verwaschen. Zum Essen passen Apfelkuchen, milder Käse, Mandeln oder dunkle Schokolade. Als Glas reicht ein kleines Tulpenglas.
Einordnung & Alternativen
- Glen Grant 10 Jahre – ähnlicher Stil, aber einfacher gebaut und mit 40 % vol. noch leichter, dafür aber auch eine Stufe weniger Ausdruck.
- Glenfiddich 12 Jahre – ebenfalls fruchtig-birnig, etwas runder und weicher in der Textur, mit Bourbon- und Sherryfass-Anteil.
- The Glenlivet 12 Jahre – ähnliche Leichtigkeit, aber blumiger und etwas klarer in der Frucht.
Fazit
Der Glen Grant 12 Years Old ist ein freundlicher, unaufdringlicher Speyside-Malt ohne Ecken und Kanten. Wer Tiefe und Struktur erwartet, wird sie hier nicht finden, wer einen fruchtigen Begleiter für den Alltag sucht, bekommt eine solide Abfüllung mit echter Altersangabe. Gefärbt, wohl kühlgefiltert und leicht: ehrlich einzuordnen mit 3,7 von 5. Ein Plus für den klaren, leicht zugänglichen Stil, ein Abzug für die fehlende Tiefe.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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