Glen Scotia 10 Jahre Peated – Campbeltowns sanfter Rauch
Wenn Glen Scotia im Gespräch ist, geht es meist um Salz, Obst und Öligkeit. Der 10 Jahre Peated zeigt eine andere Seite der Brennerei im Ortskern von Campbeltown: Er besteht aus getorftem Malz, reift mindestens zehn Jahre in erstbefüllten Bourbonfässern und wird mit 46 % vol. abgefüllt. Das Ergebnis ist ein Rauchmalt, der weniger medizinisch und weniger wuchtig wirkt als viele Islay-Abfüllungen. Rezensenten beschreiben den Torf als sanft, grünlich und von tropischer Frucht getragen.
Geschichte: Ein Haus mit vielen Besitzern
Die Brennerei wurde 1832 unter dem Namen Scotia von Stewart, Galbraith & Co gegründet. Die ersten Jahrzehnte verliefen ruhig, die wirklich bewegte Phase begann nach dem Ersten Weltkrieg: 1919 trat Scotia der Gruppe West Highland Malt Distilleries bei, einem Zusammenschluss von sechs Campbeltowner Betrieben, bei dem nach gängiger Darstellung fünf der sechs Mitglieder scheiterten. Der Industrielle Duncan MacCallum übernahm sie 1924, nach seinem Tod kamen die Bloch Brothers, die dem Namen das „Glen“ hinzufügten (Quellen datieren das auf etwa 1930; andere nennen 1933).
Danach wechselte die Brennerei rasch den Eigentümer: 1954 kam sie zu Hiram Walker, 1955 zum Blender A. Gillies & Co, 1970 zu Amalgamated Distilled Products. Nach einer Investition in die Anlage Ende der 1970er-Jahre folgte 1984 die Schließung, 1989 die Wiederaufnahme unter Gibson International. 1994 übernahm Glen Catrine und legte den Betrieb wieder still, bis 1999 die Produktion zurückkehrte; ab 2000 führte Loch Lomond Distillers den Betrieb. Eine ältere Quelle nennt, dass in dieser Phase Mitarbeiter von Springbank aushalfen und ab 1999 erstmals leicht getorftes Destillat entstand, belegt ist das nur dünn. 2014 kaufte die Loch Lomond Group die Brennerei und investierte in Kapazität, Lager und Besucherbereich. Das Haus wurde 2021 laut Wikipedia beim San Francisco World Spirits Competition als Hersteller des „World's Best Whisky“ ausgezeichnet und bei den Scottish Whisky Awards zur besten schottischen Brennerei gekürt.
Der Glen Scotia 10 Jahre Peated im Speziellen
Die getorfte Zehnjährige erschien nach übereinstimmenden Rezensionen 2018, nach der Neuaufstellung der Marke durch den heutigen Eigner. Sie ist nach Herstellerangabe eine Abfüllung aus vollständig getorftem Malz, das mindestens zehn Jahre in erstbefüllten Bourbonfässern lag. Ein Blogger erwähnt natürliche Farbe und fehlende Kühlfiltrierung; das konnten wir nur aus dieser einen Quelle belegen und empfehlen den Blick aufs Etikett. Vom normalen Glen Scotia 10 Jahre mit 40 % vol. unterscheidet sich der Peated also durch Stärke, Malz und Rauch. Der Glen Scotia 15 Jahre ist weniger rauchig, dafür fruchtiger und holziger.
Eine limitierte Sonderabfüllung „Heavily Peated“ des Zehnjährigen mit 50 % vol. aus dem Jahr 2015 hat mit dieser regulären Abfüllung nichts zu tun. Die Torfstärke der heutigen Flasche in ppm nennt der Hersteller nach unserer Recherche nicht.
Herstellung: Drei Malzstile, ein Brennblasenpaar
Glen Scotia verarbeitet ungetorftes, mittel getorftes und stark getorftes Gerstenmalz. Die Maische läuft in einen offenen Maischebottich aus Gusseisen, vergoren wird in Edelstahlbottichen; kurze Gärzeiten sollen nussige, lange fruchtige Noten bringen. Gebrannt wird in einem Brennblasenpaar mit zwiebelförmigen Kupferblasen. Für den Peated-Zehnjährigen nennt eine Händlerseite Torf aus dem Nordosten Schottlands. Eine verbindliche Aussage zur Herkunft des Malzes für diese Abfüllung liegt uns nicht vor.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Dunkles Gold.
- Nase: Glimmender Torf und Holzrauch, dazu Leder, Salzlake, Orangenblüte, Birne und Kokos; mit Zeit kommen tropische Früchte wie Litschi und Kräuter hinzu.
- Gaumen: Mittlere Textur, leicht ölig. Süße aus Vanille und Ananas, dazu grüner Torf, weißer Pfeffer und Zitrus; mancher Verkoster nennt auch Marshmallow, Banane und Pilze.
- Abgang: Lang, mit Salz, süßem Torf, Wintergrün und einem Hauch Pfeffer.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur kommt die Balance zwischen Torf und tropischer Frucht am besten heraus; ein paar Tropfen stilles Wasser machen ihn cremiger und holen Zitrus nach vorn. Mit einem Eiswürfel wird der Rauch kürzer, was an warmen Abenden akzeptabel ist. Als Highball funktioniert er mit Sodawasser und Limette, weil Salz und Rauch die Kohlensäure tragen. Kulinarisch passen Räucherlachs, gegrillter Tintenfisch, Ziegenfrischkäse mit Honig oder eine Ananas-Tarte; die Frucht greift die Süße des Whiskys auf, der Rauch passt zum Röstaroma.
Fazit
Der Glen Scotia 10 Jahre Peated ist ein gut gemachter, zugänglicher Einstieg in getorfte Whiskys aus Campbeltown: Rauch ohne Jodwucht, Frucht ohne Zuckerguss, dazu 46 % vol. und eine solide Preisklasse. Die Wertungen unabhängiger Verkoster liegen im Bereich um 84 bis 87 von 100 Punkten, also sehr ordentlich, aber nicht herausragend, denn nach Meinung eines Rezensenten reicht er an die Tiefe des Springbank 10 nicht heran; derselbe Tester zog ihn allerdings dem Longrow Peated vor. Wer es einen Tick rauchiger und cremiger möchte, probiert Longrow Peated; wer Campbeltown erst einmal ohne Torf verstehen will, beginnt mit dem Glen Scotia 15 Jahre oder dem Springbank 10 Jahre.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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