Die Glenkinchie Distillery liegt in Pencaitland in East Lothian, südöstlich von Edinburgh, und wird deshalb oft „Edinburgh Malt“ genannt. Die Wurzeln reichen je nach Quelle bis 1825 (als Milton Distillery) zurück, der heutige Name und Standort werden meist mit 1837 verbunden. Glenkinchie gehört zu Diageo und war einer der sechs ursprünglichen Classic Malts. Sie steht für den leichten, grasig-floralen Lowland-Stil und zählt zu den wenigen aktiven Brennereien dieser Region.
Überblick
- Name: Glenkinchie Distillery
- Ort: Pencaitland, East Lothian, Schottland
- Gegründet: je nach Quelle 1825 oder 1837
- Region: Lowlands
- Besitzer: Diageo
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, sehr leicht getorft, zweifach destilliert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1825 / 1837 | Die Brüder John und George Rate gründen die Brennerei; ob die Anlage 1825 als Milton oder erst 1837 als Glenkinchie entstand, geben die Quellen unterschiedlich an |
| 1853 | Nach dem Bankrott der Rates schließt der Betrieb, das Gelände dient als Sägewerk |
| 1880/81 | Edinburgher Investoren um Major James Grey bauen die Brennerei wieder auf und nehmen die Produktion neu auf |
| 1914 | Glenkinchie schließt sich den Scottish Malt Distillers an |
| 1925 | Die Scottish Malt Distillers gehen in der Distillers Company auf |
| 1968/69 | Die eigene Mälzerei wird stillgelegt, die Malzböden werden später zum Museum |
| 1986 | Guinness übernimmt die Distillers Company |
| 1997 | Guinness und Grand Metropolitan fusionieren zu Diageo |
| 2020 | Diageo eröffnet ein erneuertes Besucherzentrum |
Besonderheiten bei der Herstellung
Die Brennblasen
Glenkinchie arbeitet mit einer Wash Still und einer Spirit Still, beide in „Lampenglas“-Form. Die Wash Still gilt als größte Wash Still Schottlands, die genauen Fassungsvermögen schwanken je nach Quelle erheblich, deshalb nennen wir hier keine Zahlen. Die Dämpfe steigen steil an und werden in Worm Tubs kondensiert, also in Kupferspiralen im Kaltwasserbad statt in modernen Röhrenkühlern. Zur Jahreskapazität reichen die Angaben von rund 1,7 bis etwa 2,7 Millionen Litern reinen Alkohols.
Malz, Maischen und Wasser
Als Rohstoff dient Gerste aus den Lothians, die seit dem Ende der Mälzerei in einer industriellen Mälzerei zu Malz wird. Der Torfanteil ist sehr gering, rauchig ist der Whisky kaum. Gemaischt wird in einem Läuterbottich, vergoren in sechs Holzbottichen. Das Wasser stammt aus Bächen und Quellen der Lammermuir Hills.
Fassreifung
Nach den vorhandenen Beschreibungen reift Glenkinchie überwiegend in Ex-Bourbonfässern. Die Distillers Edition erhält zusätzlich ein Sherry-Finish, wobei die Quellen den genauen Sherrytyp nicht einheitlich nennen. Der 12-Jährige wird mit 43 % abgefüllt.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Glenkinchie 12 Jahre | 43 % | Standardabfüllung, grasig, leicht und malzig mit Apfel, Vanille und feiner Würze |
| Glenkinchie Distillers Edition | 43 % | Jahrgangsabfüllung mit Sherry-Finish, Charakter je nach Jahrgang |
| Glenkinchie 20 Jahre Cask Strength | fassstark (je Edition) | 2007 erschienene Abfüllung in Fassstärke, nur in begrenzter Menge |
| Weitere Special Releases | je Edition | Gelegentliche Sonderabfüllungen mit wechselnder Reifung |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Glenkinchie 12 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Glenkinchie ist der Lowlander für alle, die Leichtigkeit schätzen: Gras, Getreide, Apfel und Vanille, ein weicher Körper, kaum Rauch. Das passt zu dem, was man gemeinhin mit den Lowlands verbindet, auch wenn die Region nur noch von wenigen Brennereien getragen wird. Ein Vergleich lohnt sich mit Auchentoshan: Dort wird dreifach destilliert, Glenkinchie kommt mit der üblichen Zweifachdestillation aus und zeigt dafür mehr Malz und Getreide. Wer den Süden der Region sucht, findet ihn bei Bladnoch in Galloway, dessen Brennerei seit 2017 nach Umbau wieder läuft.
Innerhalb der Diageo-Familie steht Glenkinchie neben Brennereien wie Oban,, mit dem es die Classic-Malts-Herkunft teilt. Stilistisch liegen beide dennoch weit auseinander, Oban bringt die Küste ins Glas, Glenkinchie Wiese und Getreide. Eine Einordnung der Regionen bietet der Überblick zu den Scotch-Whisky-Regionen.
Fazit
Glenkinchie passt zu Einsteigern, zu Freunden leichter Aperitif-Malts und zu allen, die den Lowland-Stil einmal in Reinform probieren möchten. Der 12 Jahre ist die naheliegende Wahl, denn er bildet das Haus am besten ab. Die Distillers Edition bringt über das Sherry-Finish eine andere Note, wechselt aber mit dem Jahrgang. Wer Körper, Torf oder Sherrywucht sucht, wird bei einem so zurückhaltenden Malt enttäuscht. Auch die Zahlen zu Anlage und Kapazität sind je nach Quelle uneinheitlich, wer es genau wissen will, sollte beim Hersteller nachfragen oder eine Führung besuchen.

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