Gouden Carolus Single Malt Whisky – ein Bier wird zum Brand
Der Gouden Carolus Single Malt kommt aus einer Brauerei, nicht aus einer klassischen Whiskybrennerei. Die Brouwerij Het Anker in Mechelen brennt ihn aus der Maische ihres Bieres Gouden Carolus Tripel und füllt ihn mit 46 % Vol. ab. Das Ergebnis ist ein belgischer Malt, der Getreide, Vanille und Apfel mit einer leicht herben, fast bierigen Note verbindet.
Für Neugierige ist das ein reizvoller Einstieg in belgischen Whisky: Man schmeckt, dass hier Braukunst und Destillation ineinandergreifen. Wer einen schottischen Maßstab anlegt, sollte wissen, dass die Abfüllung jung ist und genau davon lebt.
Geschichte: Von der Beginenbrauerei zur Brennerei
Het Anker gilt als Brauerei in Mechelen, deren Wurzeln nach allgemeinen Darstellungen bis ins Jahr 1471 und auf eine Gemeinschaft von Beginen zurückgehen. Die Familie Van Breedam übernahm den Betrieb 1872, 1904 erhielt er den Namen Het Anker. Das Starkbier Gouden Carolus wurde nach Kaiser Karl V. benannt, der in Mechelen aufwuchs; die Bezeichnung ist seit 1960 in Gebrauch. Die Familie war nach Quellenlage zudem schon früher im Brennen tätig, genannt werden Genever und Gin.
Die Whiskyproduktion begann 2010 in der Brennerei De Molenberg in Blaasveld, einem Ortsteil von Willebroek. Sie sitzt in einem umgebauten Gehöft aus dem 17. Jahrhundert. Nach verbreiteten Angaben zählte sie zu den ersten Pot-Still-Brennereien Belgiens, die nach schottischem Vorbild arbeiten. Der heutige Single Malt kam laut Wikipedia im November 2013 auf den Markt.
Der Gouden Carolus im Speziellen
Die Abfüllung trägt den Namen „Single Malt“ und stammt ausschließlich aus der eigenen Brennerei. Sie hat 46 % Vol. und eine Reifezeit, die bei der Markteinführung etwas über drei Jahre betrug. Heute ist keine Altersangabe aufgedruckt. Nach Handelsangaben wird der Whisky ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoff abgefüllt.
Besonders ist die Fassreifung: Zuerst liegt das Destillat in erstbelegten Bourbonfässern, danach folgt eine zweite Phase in sogenannten Anker-Fässern. Die Brauerei beschreibt sie als amerikanische Eiche, die geschält, getoastet und neu ausgebrannt wird. Zur früheren Befüllung dieser Fässer widersprechen sich die Quellen: Einige sprechen von Rotweinfässern, andere von Bierfässern. Wir lassen das offen. Die Mischung aus Bourbonholz und diesem Zweitholz prägt Süße, Vanille und Gewürz.
Herstellung: Tripel-Maische und Forsyths-Kupfer
Die Basis ist gemälzte Gerste, derselbe Getreideansatz wie beim Bier Gouden Carolus Tripel, allerdings ohne Hopfenzusatz. Vergoren wird nach Berichten mit der Hefe der Brauerei. Das Brennen übernehmen kupferne Pot Stills des schottischen Herstellers Forsyths aus Rothes, die 2010 installiert wurden.
Dass der Whisky aus der Maische eines Bieres entsteht, ist weniger exotisch, als es klingt: Auch in Schottland ist die Grundlage eine ungehopfte Würze aus Gerstenmalz. Hier wird jedoch bewusst die Getreiderezeptur eines bestehenden Bieres übernommen. Das Familienunternehmen knüpft damit an seine alte Brenntradition an.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Goldton in natürlicher Farbe, ohne Farbstoff.
- Nase: Frisches Heu und Malz, dazu Aprikose, Apfel, Vanille und Karamell. Je nach Tester kommen Marshmallow, Kerzenwachs und frische Eichenspäne dazu.
- Gaumen: Mittelkräftig und malzig, mit Vanille, gebackenem Apfel, Zimt und Pfeffer. Eine leichte Bitterkeit erinnert an Orangenschale und Hopfen.
- Abgang: Mittellang, trocknend, mit Eiche, Muskat und Vanille.
Der Whisky wirkt für sein Alter erstaunlich geschlossen. Die Anker-Fässer und der Brauerei-Hintergrund geben ihm eine Würze, die man von schottischen Einsteigern selten kennt. Zugleich bleibt die Kornnote deutlich spürbar, was ihn etwas ungeschliffen macht. Rauch spielt keine Rolle.
Genuss-Empfehlung
Pur aus dem Nosing-Glas kommt die Fruchtseite am besten heraus, ein paar Tropfen Wasser glätten die Bitterkeit. Auf einem großen Eiswürfel wird er süßer und fügt sich als Aperitif. Als Highball mit Tonic oder Ginger Ale und Orangenzeste funktioniert er ebenfalls. Zum Essen passen Abteikäse, Waffeln mit Apfelkompott, Vanilleeis oder dunkle Pralinen. Belgische Küche wie Karbonade flamande lässt sich gut mit einem Glas begleiten.
Einordnung & Alternativen
- Cotswolds Single Malt: Ein junger englischer Malt mit Bourbon- und Rotweinfässern, fruchtig-süß und ähnlich stark.
- Armorik Classic: Ein bretonischer Single Malt aus dem Nachbarland Frankreich, ebenfalls mit 46 % Vol.
- St. Kilian Classic: Ein deutscher Malt, der ein ähnlich junges, handwerkliches Europa-Profil zeigt.
Fazit
Der Gouden Carolus Single Malt ist ein charaktervoller, junger Whisky mit sichtbarem Bierhintergrund. Er spricht Neugierige und Fans belgischer Biere an, die sehen wollen, was aus ihrer Lieblingsmaische im Fass wird. Er ist nicht so rund wie ein reifer Malt, dafür unverwechselbar und ohne Kühlfiltrierung abgefüllt. Für Eigenständigkeit und saubere Machart vergeben wir deshalb 3,9 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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