High West Double Rye Whiskey – Blendkunst aus den Bergen Utahs
Der High West Double Rye (auf dem Etikett „Double Rye!“) kommt von der High West Distillery aus Park City, Utah, einem bekannten Skiort in den Bergen. Der Name verweist auf das Prinzip: Zwei Roggenwhiskeys unterschiedlicher Rezeptur und unterschiedlichen Alters werden zu einem Ganzen verheiratet. Das Ergebnis ist kein klassischer Kentucky-Charakter, sondern ein kräuterig-würziger Rye mit Kiefernnote, der sich gut mixen lässt.
Geschichte: Vom Pferdestall zur Konzernmarke
High West wurde von David Perkins und seiner Frau Jane gegründet. Die Jahresangaben schwanken je nach Quelle zwischen 2004 für die Firmengründung und 2007 für die eröffnete Brennerei. Sicher ist, dass die Destillerie in Park City nach Angaben der Wikipedia als erste legal lizenzierte Brennerei Utahs seit dem Ende der Prohibition gilt und in historischen Gebäuden untergebracht ist, darunter in einem früheren Pferdestall, der „National Garage“. Der Double Rye gehörte zu den ersten Produkten der Marke (etwa 2010) und gilt als das Etikett, das ihre Zukunft sicherte. Im Oktober 2016 kaufte Constellation Brands High West. Nach den uns vorliegenden Quellen (Falstaff 2025, The Spirits Business 03/2026) gehört die Marke weiterhin zu Constellation; einen Verkauf haben wir nicht gefunden.
Der High West Double Rye im Speziellen
Mit 46 % vol. (92 Proof) ist der Double Rye etwas kräftiger abgefüllt als viele Standard-Ryes. Er trägt keine feste Altersangabe; als Mindestalter wird in Rezensionen zwei Jahre genannt, die Komponenten reichen je nach Charge von etwa zwei bis sieben Jahren. Er füllt die Mitte des Sortiments: unterhalb der Spezialabfüllungen und -Finishes, oberhalb von reinen Einsteiger-Ryes. Interessant ist der Vergleich zum Bulleit Rye: Beide setzen auf Roggen, aber der Double Rye ist kein Einzelrezept, sondern eine Komposition mit eigenem Profil – weniger gerade, dafür vielschichtiger.
Herstellung: Zwei Ryes, ein Verschnitt – und die Herkunftsfrage
Die ursprüngliche Rezeptur bestand laut Whisky Advocate und Difford's Guide aus einem zwei Jahre alten Rye mit 95 % Roggen und 5 % Gerstenmalz aus der MGP-Brennerei in Lawrenceburg, Indiana, sowie einem 16 Jahre alten Rye mit 53 % Roggen und 37 % Mais, der aus der Barton-Brennerei (1792) in Kentucky stammte. Hier weicht die Realität also von einer verbreiteten Annahme ab: Der alte Anteil kam nicht von MGP, sondern aus Kentucky. Die Idee dahinter: Der ältere, maisreichere Whiskey bringt Süße und rundet die Schärfe des jungen Roggendestillats ab.
Da ein 16-jähriger Rye am Markt nicht mehr zu bekommen war – Master Distiller Brendan Coyle sagte 2018, er sei „weggekauft“ –, stellte High West um. Seit Chargen mit der Nummer 18 am Anfang enthält der Blend einen Anteil des eigenen Destillats aus Utah, nach Angaben von Coyle aus 80 % Roggen und 20 % gemälztem Roggen, 4 bis 7 Jahre alt. Ob der Barton-Anteil ersetzt oder nur reduziert wurde, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Ehrlich einordnen heißt: Der Double Rye ist ein Verschnitt aus zugekauftem und – in kleinerem Umfang – selbst gebranntem Whiskey; Ein Teil der Kritik an der Marke stammt von 2014, als bekannt wurde, wie stark einige Produkte auf MGP-Bestände zurückgingen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold, ins Bernstein tendierend.
- Nase: Kiefernnadeln und Eukalyptus, dazu Wiesenkräuter, Anis, etwas Dill sowie leichter Ahornsirup und Vanille.
- Gaumen: Honig, Zimt und Ingwer, dazu grüner Apfel, Nüsse und ein Hauch Lakritz; weniger wuchtig, als die Stärke erwarten lässt.
- Abgang: Mittellang, kräuterig-würzig mit Eiche, Pinie und leichten Mentholnoten, zum Schluss trocken.
Die Einschätzungen der Tester gehen auseinander: Manche loben die Balance, andere finden neuere Chargen weicher und weniger spannend als frühere Jahrgänge.
Genuss-Empfehlung
Pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur zeigt der Double Rye seine kräuterige Seite am besten. Mit einem Eiswürfel wird er weicher. In der Bar macht er sich als Manhattan, Old Fashioned und Whiskey Sour gut: Die Kiefern- und Honignote verträgt sich mit Wermut, Bitters und Zitrone. Als Highball mit Ginger Beer wirkt er erfrischend. Zum Essen passen Räucherlachs, gegrilltes Hähnchen mit Kräutern oder ein kräftiger Bergkäse. In Deutschland wird er von mehreren Online-Händlern geführt, die Auswahl ist meist überschaubar.
Einordnung & Alternativen
- Bulleit Rye Whiskey – ein reiner Rye mit 95 % Roggen aus einem Rezept; trockener und geradliniger als der vielschichtige High West.
- Michter's US*1 Small Batch Bourbon – ein Bourbon statt Rye, deutlich süßer und runder; sinnvoll, wenn dir die Kräuternote des Double Rye zu eigenwillig ist.
- Woodford Reserve Kentucky Bourbon – wer die Würze mag, aber weniger Kräuter, findet hier eine fruchtigere Alternative.
Fazit
Der High West Double Rye ist ein gut gemachter, ungewöhnlicher Rye-Verschnitt: kräuterig, würzig und leichter zugänglich als viele reine Roggenabfüllungen. Er eignet sich für Bar-Freunde und Neugierige, die Rye jenseits von Kentucky kennenlernen wollen. Auf der Minusseite stehen die wechselnde Zusammensetzung, die Abhängigkeit von zugekauftem Whiskey und ein Profil, das nicht jeden überzeugt. Daher 3,9 Punkte: ein solider, charaktervoller Mixer und Sipper, der seinen Preis in der Mittelklasse im Großen und Ganzen rechtfertigt. Bitte stets bewusst und in Maßen genießen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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