Woodford Reserve – Bourbon aus der kleinsten Destillerie Kentuckys
Der Woodford Reserve stammt aus der Woodford Reserve Distillery bei Versailles, Kentucky — einer der ältesten und zugleich kleinsten Bourbon-Brennereien des Bundesstaates, deren historische Gebäude als National Historic Landmark ausgezeichnet sind. Als eine der wenigen Bourbon-Destillerien setzt Woodford Reserve auf eine dreifache Destillation in kupfernen Pot Stills statt der sonst üblichen Column Stills, was dem Bourbon eine besonders feine, geschmeidige Textur verleiht.
Geschichte: Vom Oscar-Pepper-Anwesen zum Brown-Forman-Flaggschiff
Die Brenntradition des Anwesens reicht bis 1812 zurück, als Elijah Pepper dort mit der Whiskyproduktion begann. Unter seinem Sohn Oscar Pepper wurde die Anlage zur Oscar Pepper Distillery, und in den 1830er- und 1840er-Jahren arbeitete hier der einflussreiche Braumeister James C. Crow, der Verfahren wie das Sour-Mash-Prinzip und systematische Fassreifung entscheidend weiterentwickelte und damit die moderne Bourbon-Herstellung mitprägte. Nach Oscar Peppers Tod 1867 führte zunächst sein Sohn James E. Pepper den Betrieb weiter, bevor die Familie das Anwesen 1878 an Leopold Labrot und James Graham verkaufte, die ihm den Namen Labrot & Graham gaben. Nach der Prohibition und mehreren Eigentümerwechseln erwarb Brown-Forman die Anlage 1941, stellte den Betrieb jedoch in den späten 1960er-Jahren zeitweise ein. Erst 1993 kaufte der Konzern das historische Anwesen zurück und ließ es aufwendig restaurieren; 1996 kam die neue Marke Woodford Reserve auf den Markt, 2004 wurde die Destillerie offiziell in Woodford Reserve Distillery umbenannt. Die historischen Steingebäude aus dem Jahr 1838 zählen zu den ältesten erhaltenen Bourbon-Destillerien Kentuckys überhaupt und wurden aufgrund ihrer gut erhaltenen Architektur und ihrer Bedeutung für die Geschichte der amerikanischen Whiskyproduktion als National Historic Landmark ausgezeichnet — eine der höchsten Auszeichnungen, die ein historisches Bauwerk in den USA erhalten kann.
Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Woodford Reserve Distillery – Kentucky.
Der Woodford Reserve im Speziellen
Der Woodford Reserve wird mit 43,2 % vol. (86,4 US-Proof; in den USA wird er mit 45,2 % vol. bzw. 90,4 Proof abgefüllt) abgefüllt und entsteht aus einer Kombination zweier Produktionsverfahren: Ein Teil des Whiskys wird in den historischen kupfernen Pot Stills vor Ort dreifach destilliert, während ein weiterer Teil aus Brown-Formans Großdestillerie in Shively bei Louisville stammt, wo klassische Column Stills zum Einsatz kommen. Diese Kombination ist unter Bourbon-Marken ungewöhnlich und verleiht dem fertigen Whiskey seine charakteristische Feinheit. Innerhalb des Brown-Forman-Portfolios bildet Woodford Reserve die Premium-Linie oberhalb der volumenstärkeren Marke Old Forester.
Herstellung: Dreifache Destillation und hoher Roggenanteil
Der Mashbill enthält neben Mais einen vergleichsweise hohen Anteil Roggen, was für zusätzliche Würze sorgt und den Bourbon von maisdominierten, süßeren Stilen abgrenzt. Gereift wird in neuen amerikanischen Weißeichenfässern mit besonders tiefer Char-Stufe, die dem Bourbon intensive Vanille- und Karamellnoten verleihen, bevor er ungefiltert auf Trinkstärke gebracht wird. Die dreifache Destillation in den traditionellen Pot Stills — ein Verfahren, das die meisten anderen Bourbon-Hersteller nicht anwenden — reduziert unerwünschte Fuselstoffe zusätzlich und ist maßgeblich für die außergewöhnlich weiche, geschmeidige Textur verantwortlich, für die Woodford Reserve bekannt ist. Zusätzlich achtet die Destillerie auf eine besonders lange Fermentationszeit der Maische, die zusätzliche fruchtige Ester entstehen lässt und die für Woodford Reserve typischen Kirsch- und Orangennoten in der Nase mitbegründet.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Kupfer-Bernstein.
- Nase: Reife Fruchtaromen wie Kirsche und Orangenschale, dazu Vanille, Karamell und ein Hauch Minze.
- Gaumen: Vollmundig und geschmeidig – dunkle Schokolade, Karamell und reife Frucht treffen auf eine spürbare, aber ausbalancierte Roggenwürze und eine samtige, durch die dreifache Destillation geprägte Textur.
- Abgang: Lang, warm und leicht rauchig-würzig, mit nachklingender Vanille und Eiche.
Genuss-Empfehlung
Der Woodford Reserve eignet sich hervorragend pur, auf Eis oder als edle Basis für einen Mint Julep — den traditionellen Kentucky-Derby-Drink, für den Woodford Reserve seit Jahren offizieller Bourbon-Sponsor ist. Kulinarisch passt er zu dunkler Schokolade, gegrilltem Steak oder Pekannuss-Gebäck — Aromen, die seine fruchtig-würzige Komplexität unterstreichen. Auch in einem klassischen Old Fashioned zeigt sich seine feine Textur besonders gut, da die Süße des Zuckers und die Bitterstoffe des Angostura seine fruchtig-würzige Komplexität zusätzlich unterstreichen.
Einordnung & Alternativen
- Old Forester Statesman – günstigere Schwestermarke desselben Konzerns, kräftiger und weniger samtig in der Textur.
- Four Roses Single Barrel – blumiger und weniger fruchtig-rund, preislich in ähnlicher Mittelklasse angesiedelt.
- Wild Turkey 101 Bourbon – deutlich günstiger und würziger, dafür ohne die samtige Pot-Still-Textur des Woodford.
Fazit
Der Woodford Reserve überzeugt mit seiner außergewöhnlich feinen, durch die dreifache Destillation geprägten Textur und einer reifen Fruchtigkeit, die ihn von vielen anderen Bourbons abhebt. Als Premium-Linie von Brown-Forman bewegt er sich preislich spürbar über Einstiegs-Bourbons, bleibt dabei aber noch in einer soliden Mittelklasse. Im Vergleich zu kräftigeren, roggenbetonteren Bourbons wie Wild Turkey 101 zeigt sich der Woodford Reserve deutlich weicher und eleganter. Pur, auf Eis, oder als edle Basis für einen Mint Julep — dem traditionellen Kentucky-Derby-Drink — bestens geeignet, um seine feine, durch dreifache Destillation geprägte Handwerkskunst voll zu erschließen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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