Blended Whisky

Kilbeggan Irish Whiskey

3,5/5 Redaktionsbewertung
40 % vol.EinstiegsklasseEx-Bourbon-Fässer, mindestens drei Jahre, ohne AltersangabeKilbeggan, County Westmeath, Irland (Destillat nach Fachangaben aus Cooley, County Louth)
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Kilbeggan Irish Whiskey – ein Blend aus Getreide und Malz mit großem Namen

Es gibt irische Blends, die mit Pot-Still-Würze punkten, und solche, die auf Leichtigkeit setzen. Kilbeggan Irish Whiskey gehört zur zweiten Gruppe. Der Blend vereint nach Angaben des Fachportals Scotchnoob Grain- und Malt-Whiskey aus der Cooley-Brennerei, reift in Bourbonfässern und kommt mit 40 % Vol. in die Flasche. Interessant macht ihn weniger das Rezept als die Herkunft: Die Marke beruft sich auf eine Brennerei, die 1757 gegründet wurde, und warb nach der Neuauflage 1994 mit dem Slogan „aus der ältesten Brennerei der Welt“. Auf älteren Etiketten und im Handel läuft der Whiskey noch als „Traditional Irish Whiskey“.

Geschichte: Von Matthew MacManus zur Suntory-Marke

Der Name Kilbeggan kommt vom irischen Ortsnamen, der sich laut Difford's Guide mit „kleine Kirche“ übersetzen lässt. Nach Wikipedia gründete Matthew MacManus 1757 die Brennerei in der gleichnamigen Stadt in County Westmeath. 1843 übernahm John Locke den Betrieb und führte ihn über Jahrzehnte erfolgreich. Nach einer Erhöhung der Branntweinsteuer wurde 1953 die Produktion gestoppt, 1958 beendeten Insolvenzverwalter nach 201 Jahren die Brennerei.

Das Gelände wurde 1982 von einem lokalen Verein als Museum wiedereröffnet. 1987 erwarb die Cooley Distillery die Anlagen, die Marke Kilbeggan brachte Cooley nach Difford's Guide 1994 unter dem Leitspruch „aus der ältesten Brennerei der Welt“ neu auf den Markt. 2007, zum 250. Jubiläum, wurde in Kilbeggan wieder gebrannt, mit einer Brennblase aus dem frühen 19. Jahrhundert, die laut Wikipedia als älteste noch arbeitende Pot Still der Welt gilt. Heute gehört die Marke zu Suntory.

Der Kilbeggan im Speziellen

Der Blend trägt keine Altersangabe. Scotchnoob schreibt, er reife mindestens drei Jahre, teils länger, in Ex-Bourbon-Fässern in den Lagerhäusern der alten Brennerei in Kilbeggan. Die Seite Cellar Tours nennt den Blend doppelt destilliert und beschreibt Getreide, Frucht, Vanille und Gewürz. Anders als bei Jameson oder Powers enthält er laut Scotchnoob keinen Pot-Still-Whiskey; die Rolle von Gerste und Mais ist damit eine andere als bei den klassischen irischen Blends. Genaue Anteile und eine Aussage zur Kühlfiltrierung nennt die Marke nach unserer Recherche nicht.

Das erklärt den Charakter: ein leichter, getreidegeprägter Blend, der wenig mit der cremigen Schwere von Pot-Still-Whiskey zu tun hat. Wer die Stile im Detail vergleichen möchte, findet im Beitrag zu Pot Still und Dreifachdestillation die Hintergründe.

Herkunft des Destillats: Cooley, nicht Kilbeggan

Die heutige Kilbeggan-Brennerei in Westmeath produziert eigene Abfüllungen, etwa den Small Batch Rye. Der Kern-Blend wird dagegen laut Difford's Guide von Cooley hergestellt. Wikipedia berichtet, dass Kilbeggan, Locke's Blend und Locke's Malt früher in Cooley entstanden und anschließend zur Lagerung nach Kilbeggan gebracht wurden. Wie hoch der Anteil aus der Westmeath-Anlage im Blend heute ist, bleibt offen. Wer bei der Flasche an die historische Brennerei in Westmeath denkt, sollte das wissen. Zur Funktionsweise eines Blends ist der Artikel zu Grain-Whisky und Blended-Herstellung hilfreich.

Verkostungsnotiz

Die folgende Beschreibung stützt sich auf veröffentlichte Verkostungsnotizen, etwa von Difford's Guide, Whisky Magazine und Scotchnoob, sowie auf Herstellerangaben.

  • Farbe: Mittleres Goldgelb bis Bernstein.
  • Nase: Sauberes Getreide und Malz, Honig, Zitronenzeste, dazu Apfel, Birne und ein Hauch Trauben; ein Rezensent erwähnt Brot und Puderzucker.
  • Gaumen: Leichter bis mittlerer Körper, honigsüß, mit biskuitartigem Malz und sanfter Würze. Whisky Magazine lobt das ausgewogene Zusammenspiel von Malz und Grain.
  • Abgang: Mittellang, leicht süß und etwas traubig, mit Eiche und einem Anflug von Getreide.

Die Urteile gehen auseinander: Whisky Magazine vergibt 7,0 Punkte und spricht von einem „fein ausbalancierten“ Dram, Scotchnoob rät dagegen zum Konkurrenten Jameson, weil der Kilbeggan zu wenig Aroma biete. Ein Rezensent empfiehlt ausdrücklich einen kräftigen Schuss Wasser, das Banane und Vanille hervorhebe.

Genuss-Empfehlung

Dieser Whiskey ist kein Meditationsdram, sondern ein Alltagsbegleiter. Mit einem Würfel Eis oder einem Spritzer Wasser im Tumbler kommt die Süße zur Geltung, als Highball mit Ginger Ale und einer Zitronenzeste oder im Irish Coffee funktioniert er unaufgeregt. Zum Essen passt Irish Stew, geräucherter Lachs auf Sodabrot oder ein Apfelcrumble.

Einordnung & Alternativen

Fazit

Der Kilbeggan Irish Whiskey ist ein schlichter, süßlich-getreidiger Blend, der von seiner Geschichte lebt und im Glas bescheiden bleibt. Als Mix-Basis und für den Alltag taugt er; wer Tiefe und Pot-Still-Charakter sucht, greift zu anderen Marken. Die Bandbreite der Bewertungen spiegelt sich in unserer redaktionellen Einschätzung von 3,5 Punkten wider. Wie sich Blends und Single Malts unterscheiden, zeigt der Artikel zu Single Malt und Blended Whisky.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit2/5
Würze/Eiche2/5

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