Old Grand-Dad Bonded Bourbon – das Roggenrezept mit dem Großvater auf dem Etikett
Wer auf dem Etikett das Porträt eines würdevollen Herrn mit weißem Bart sieht, hat den Old Grand-Dad Bonded vor sich: einen Kentucky Straight Bourbon aus der Brennerei von Jim Beam in Clermont, der heute zu Suntory gehört. Seine Besonderheit ist ein roggenreiches Mashbill, das ihm ein würzigeres, trockeneres Profil gibt als die meisten Bourbons in dieser Preisregion. Bei 50 % vol. wirkt das Ganze noch einmal deutlicher.
Geschichte: Ein Enkel ehrt seinen Großvater
Nach den üblichen Darstellungen schuf Raymond B. Hayden die Marke im 19. Jahrhundert (Wikipedia nennt 1840) und benannte sie nach seinem Großvater, dem Brenner Basil Hayden Sr. Das Bild dieses Vorfahren ziert bis heute jede Flasche. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ging die Marke an die Familie Wathen und später an National Distillers; während der Prohibition gehörte Old Grand-Dad zu den Marken, die für medizinische Zwecke weiterlaufen durften. 1987 kam sie zu Beam, 2014 mit dem Verkauf an Suntory zum heutigen Eigentümer. Gebrannt wird sie in der Clermont-Brennerei, die ohne Unterbrechung produziert hat, auch wenn die Eigentümer wechselten.
Zwei Katalogartikel führen in die Verwandtschaft: Den Vornamen des Ahnherrn trägt der Basil Hayden's Kentucky Straight Bourbon; den Alltagsbourbon derselben Brennerei beschreibt der Jim Beam Original.
Der Old Grand-Dad Bonded im Speziellen
Die Bonded-Abfüllung ist die verbreitetste Fassung der Marke im Handel: 100 Proof, also 50 % vol., ohne Altersangabe, aber mit mindestens vier Jahren Reife. Neben ihr gibt es ein schwächeres Basisprodukt und eine Fassstärke-Version mit 114 Proof, die als hitzig und eher jung gilt; ein amerikanisches Testerteam zieht deshalb den Bonded vor, weil er ausgewogener wirkt.
Für das Mashbill nennen Fachseiten rund 63 % Mais, 27 % Roggen und 10 % gemälzte Gerste. Das ist keine offizielle Herstellerangabe, wird aber an vielen Stellen übereinstimmend wiedergegeben. In Deutschland führen Händler die Flasche überwiegend als Ein-Liter-Abfüllung; die 0,7-Liter-Größe ist seltener zu finden.
Herstellung: Warum viel Roggen im Glas bleibt
Der Roggen ist hier der Taktgeber. Im Unterschied zu Bourbons, die ihre Würze aus kleinen Roggenanteilen ziehen, bringt das Rezept des Old Grand-Dad mehr als ein Viertel Roggen in die Maische. Das erzeugt Zimt, Pfeffer, etwas Kräutriges und eine leicht trockene Struktur, während der Mais für die vanillige Süße sorgt. Weil Roggen beim Maischen zum Verkleben neigt, ist die Verarbeitung etwas anspruchsvoller als bei maislastigen Rezepten.
Die Bonded-Vorgaben legen den Rahmen fest und verändern den Charakter: ein Brenner, eine Brennsaison, ein Standort, mindestens vier Jahre unter Zollaufsicht und exakt 100 Proof. Gerade bei einem Roggenbourbon tut die höhere Trinkstärke dem Profil gut. Die Gewürznoten bleiben präsent, statt zu verblassen, und der Eichenabgang bekommt Gewicht. Wasser kann das Ganze entspannen, doch wirklich dünn wirkt der Whiskey auch pur nicht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Dunkler Honigton mit Kupferreflexen.
- Nase: Eine Welle von Zimt, dazu Karamell, Vanille, Zitrusschale und geröstete Eiche; Verkoster berichten auch von getrockneten Früchten und einem Hauch Leder.
- Gaumen: Mittelkräftig bis kräftig mit viel Zimt und Backgewürzen, Orangenschale, Vanille und dunkler Frucht; die Roggenwärme setzt gleich zu Beginn ein.
- Abgang: Mittellang bis lang, pfeffrig und eichig, mit nachklingendem Karamell und braunem Zucker.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler oder im Nosing-Glas zeigt der Old Grand-Dad seine würzige Seite am direktesten; wer die 50 % vol. mildern möchte, gibt einen großen Eiswürfel oder ein paar Tropfen Wasser dazu. In der Bar ist er ein Klassiker für den Manhattan, in dem der Roggenanteil für Trockenheit sorgt, und für den Old Fashioned, dessen Zucker die Gewürze rundet. Auch in einem Whiskey Sour oder als Highball mit Ginger Beer behält er seine Konturen. Kulinarisch passt er zu gegrilltem Schweinefleisch, kräftigem Käse oder dunkler Schokolade mit Orangenschale, die seine Zimtnoten aufgreift.
Einordnung & Alternativen
- Basil Hayden's Kentucky Straight Bourbon – nach verbreiteter, aber inoffizieller Fachangabe dem Mashbill des Old Grand-Dad ähnlich, jedoch bei nur 40 % vol. leichter und milder.
- Rittenhouse Rye Bottled in Bond – ebenfalls bonded mit 50 % vol., aber ein echter Roggenwhiskey und damit trockener, schärfer und kräuteriger.
- Wild Turkey 101 Bourbon – mit 50,5 % vol. ähnlich kraftvoll und ebenfalls würzig, aber aus einem anderen Haus mit eigener Rezeptur – ein guter Gegentest zum Zimtprofil des Old Grand-Dad.
Wer das Prinzip hinter solchen Rezepturen verstehen will, findet im Beitrag Wie wird Whisky hergestellt? die Grundlagen.
Fazit
Der Old Grand-Dad Bonded ist ein ehrlicher, würziger Bourbon für alle, die nach dem ersten süßen Standardbourbon mehr Gewürz und Struktur suchen, ohne tief ins Regal zu greifen. Besonders im Manhattan und im Old Fashioned lohnt er sich. Er ist kein komplexer Reifer, die Jugend schimmert gelegentlich durch, und die Verfügbarkeit in 0,7 Litern ist begrenzt. Das erklärt die 4.0: ein starker Alltagsbourbon mit klarem Stil, aber ohne die Tiefe der Premiumklasse.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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