Old Pulteney 18 Jahre – Reife Küstenwürze aus Caithness
Der Old Pulteney 18 Jahre ist die ältere Schwester der 15-Jährigen und der reifste Malt im regulären Kernsortiment der Marke. Er stammt aus der Pulteney Distillery in Wick, einer der nördlichsten Brennereien des schottischen Festlands, und verbindet die salzige, ungetorfte Linie des Hauses mit deutlich mehr Holz und Schokolade. Gereift wird er in Bourbon- und Sherryfässern; abgefüllt wird er mit 46 % vol. ohne Kühlfiltrierung. Das Besondere im Vergleich zu den jüngeren Geschwistern: Hier tritt das Fassholz als Gegenspieler zur maritimen Frische auf.
Geschichte: Von der Heringsstadt zu Inver House
Die Wurzeln der Brennerei liegen in Pulteneytown, dem Viertel von Wick, das Anfang des 19. Jahrhunderts als Siedlung für die Heringsfischerei entstand. Als Gründer gilt James Henderson, dessen Familie die Destillerie nach den verfügbaren Quellen fast ein Jahrhundert lang bis 1920 betrieb. Danach wechselte sie mehrfach den Besitzer: erst James Watson & Co, dann Dewar's und die Distillers Company, mit der 1930 nach einem Markteinbruch das Licht ausging. 1951 wurde wieder destilliert, später folgten Hiram Walker und Allied Breweries bzw. Allied Lyons.
Ein Wendepunkt war 1995, als Inver House Distillers das Anwesen übernahm; nach Angaben von Whiskypedia war die Anlage zu diesem Zeitpunkt stark renovierungsbedürftig. Seit 2006 steht Inver House unter dem Dach von International Beverage Holdings, der internationalen Tochter von Thai Beverage. Heute produziert die Brennerei nach Eigenangaben bis zu 1,8 Millionen Liter reinen Alkohol im Jahr. Wer sich ausführlicher für die Destillerie interessiert, liest das Porträt Old Pulteney Distillery – Highlands.
Der Old Pulteney 18 Jahre im Speziellen
Der 18-Jährige gehört zur Neuordnung des Sortiments von 2018 und ist dort die oberste reguläre Altersstufe. Die Fassreifung unterscheidet sich vom 12-Jährigen: Nach Herstellerangabe reift er in einer Mischung aus Bourbonfässern und Sherryfässern aus spanischer Eiche, wobei ein Tester von überwiegend Second-Fill-Bourbon mit anschließendem Finish in First-Fill-Oloroso-Butts berichtet. Das erklärt die kräftigeren Schokoladen- und Holznoten.
Die Stärke von 46 % vol. und der Verzicht auf Kühlfiltrierung stehen auf der Habenseite. Beim San Francisco World Spirits Competition erhielt die Abfüllung 2020 eine Goldmedaille. Unabhängige Tester sind sich nicht ganz einig: Je nach Quelle liegen die Wertungen zwischen 84 und 88 Punkten, und einige ziehen den 15-Jährigen als typischeren Pulteney vor. Preislich gehört der Malt ins Premium-Segment.
Herstellung: Wurmkühler, Lade und Küstenlager
Einige Details machen die Herstellung in Wick ungewöhnlich. Das Wasser kommt aus dem Loch Hempriggs und gelangt über einen langen Mühlkanal, die „Lade“, zur Brennerei. Gegoren wird rund 52 Stunden. Das Besondere ist die Kondensation: Statt moderner Röhrenkühler arbeiten hier Worm Tubs, also Kupferschlangen in Wasserbecken. Nach Herstellerangaben sind die Schlangen für die Wash Still rund 108 Meter und für die Spirit Still rund 106 Meter lang. Da der Dampf in der Kupferschlange weniger Kontakt mit Kupfer hat als in einem Röhrenkühler, gilt der Spirit als schwerer und gehaltvoller; die genaue Wirkung ist unter Fachleuten jedoch umstritten.
Der Neuspirit wird mit etwa 68 bis 69 % vol. in Fässer gefüllt. Gereift wird in Lagerhäusern aus Naturstein direkt an der Caithness-Küste, rund 60 Prozent der Kapazität entfallen auf traditionelle Dunnage-Lager, der Rest auf Regallager. Die Destillerie selbst führt die salzige Note des Whiskys auf diese Seeluft zurück; abschließend geklärt ist das nicht.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Goldton bis helles Bernstein; eine verbindliche Herstellerangabe zur Farbe liegt uns nicht vor.
- Nase: Schokolade, cremige Vanille und Honig, begleitet von Gewürzen, einem Hauch Blumigkeit sowie Zitrus und Apfel; Tester ergänzen gebackenen Apfel, kandierte Orangenschale, Leder und Küstenluft.
- Gaumen: Schokolade mit honigsüßen Gewürzen und Weihnachtskuchen, cremige Textur, süße Zitrusnoten und grüner Apfel, später trockenes Eichenholz mit Nelke und Salz.
- Abgang: Mittellang bis lang, würzig, mit Toffee, grünem Apfel und feinen Röstnoten.
Genuss-Empfehlung
Der 18-Jährige verlangt etwas Ruhe. Am besten pur in einem Tulpenglas bei Zimmertemperatur, eventuell mit einem Tropfen Wasser, falls die Holzwürze dominiert. Eis passt nicht, es überdeckt die Zitrus- und Honignoten. Als Begleiter eignen sich dunkle Schokolade mit Meersalz, karamellisierte Nüsse oder ein kräftiger, gereifter Hartkäse. Auch zu Räucherlachs oder gebratenen Jakobsmuscheln passt die Mischung aus Süße und Salz. Als Digestif nach einem Fisch- oder Wildgericht ist er eine gute Wahl.
Fazit
Der Old Pulteney 18 Jahre ist ein reifer, würziger Küstenmalt, der mehr Holz und Schokolade mitbringt als seine jüngeren Geschwister. Ob sich der Aufpreis gegenüber dem Old Pulteney 15 Jahre lohnt, ist Geschmackssache: Manche Tester sehen den 15er als den typischeren und ausgewogeneren Vertreter. Wer den klassischen Old Pulteney 12 Jahre schätzt und eine reifere, schokoladigere Variante sucht, wird hier fündig. Für Gelegenheiten, bei denen man sich Zeit nehmen will, ist er eine überzeugende Wahl.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Scotch Whiskys
Port Askaig 8 Jahre Whisky
Seetangsalz, Kiefernholz und warmer Rauch: Der Port Askaig 8 ist ein ungefärbter, nicht kühlgefilterter Islay Malt mit Sherry-Anteil im Fassrezept.

Port Charlotte 10 Jahre Whisky
Zitrus, Salzkaramell und maritimer Torfrauch bei 50 % vol.: der getorfte Islay-Malt von Bruichladdich mit Bourbon- und französischen Weinfässern.

Royal Brackla 12 Jahre Whisky
Pfirsich, Kirsche und Schokomandeln im Oloroso-Finish: der Highland-Malt mit königlicher Vergangenheit, unfiltriert bei 46 % vol. abgefüllt.

Royal Lochnagar 12 Jahre Whisky
Sherry-Würze, Toffee und eine sanfte Säure prägen den kleinsten Diageo-Malt, der seinen königlichen Warrant seit dem Besuch von Queen Victoria 1848 trägt.

Die Scotch-Whisky-Regionen im Überblick: Speyside, Highlands, Lowlands, Islay & Campbeltown
Fünf Namen sind per Verordnung geschützt, eine sechste Region nicht: ein Überblick über Rechtsstatus, Charakter und Grenzen der Regionseinteilung.

Wie wird Whisky hergestellt? Vom Malz zum Fass
Aus Gerste, Wasser und Hefe wird über Malz, Maische und zwei Brenndurchgänge ein klares Destillat – erst das Fass macht daraus Whisky.

Single Malt vs. Blended Whisky: Der Unterschied
Individueller Destillerie-Charakter gegen verlässliche Zugänglichkeit — beide Whisky-Kategorien haben ihre Berechtigung, keine ist grundsätzlich besser.