Herstellung des Müritz Gin:
Der Müritz Gin entstand 2016 aus einer Zeitungsmeldung: Thomas Engels, Werbefachmann und Gin-Kenner aus Waren an der Müritz, las im Nordkurier über die Pflegearbeiten in der Wacholderheide am Ostufer des Sees und kam auf die Idee zu einem Gin aus den Beeren der Heide. Gemeinsam mit Jens-Peter Schaffran, der zu den Müritzfischern gehört, betreibt er die Genusswunder GbR, die als Hersteller des Gins auftritt. Wer den Gin tatsächlich brennt, nennen die gesichteten Quellen nicht; ein Fachmagazin spricht von einem Destillateurmeister, der die Botanicals mazeriert, der Hersteller selbst von einem „Ginmeister“, der sie fein destilliert.
Das Herzstück ist der Wacholder aus dem Müritz-Nationalpark. Die Heide gilt als historische Kulturlandschaft und wird jedes Jahr im Februar unter Leitung des Nationalparkamts zurückgeschnitten, damit seltene Pflanzen wie Orchideen nicht verdrängt werden. Laut Hersteller werden die wilden Wacholderbeeren dabei von Hand geerntet. Dazu kommen rund 20 weitere Botanicals. Abgefüllt wird der Gin in limitierter Auflage einzeln von Hand mit 45,5 % vol., unter anderem in 0,5-Liter-Flaschen. 2017 gewann er Gold beim Craft Spirits Festival in Berlin, 2018 folgte laut Hersteller Bronze bei der IWSC; der Falstaff Bar- & Spirit Guide nennt 91 Punkte, eine Falstaff-Verkostung von 2018 ergab 88 Punkte.
Verkostung des Müritz Gin:
Die Redaktion hat den Gin nicht selbst verkostet; die folgende Beschreibung beruht auf Herstellerangaben und veröffentlichten Verkostungsnotizen. Der Hersteller beschreibt das Profil mit den Worten „wild, würzig, elegant, fruchtig und am Ende so komplex“. Die Falstaff-Verkostung von August 2018 hält für den Duft kräftige Würze mit einer cremigen Note fest. Am Gaumen wirkt der Gin demnach sehr schmelzig und angenehm süß, mit einer nussigen Seite, die die Verkoster an Kürbis erinnerte. Im Abgang zeige sich ein Hauch Zitrus.
Diese Beschreibung passt zur Zutatenliste, in der Zimtrinde, Paradieskörner und Angelikawurzel für Würze sorgen, während Sanddorn und Zitronenschale die fruchtige Seite stellen. Lavendel und Kamille dürften den blumigen Hintergrund liefern; das ist eine Ableitung aus den genannten Botanicals, keine Herstellerangabe. Insgesamt ergibt sich ein würzig-weicher Gin, dessen Zitrusseite bewusst im Hintergrund bleibt und bei dem der Wacholder eher als Teil eines dichten Gesamtbilds denn als Solist auftritt.
Steckbrief Müritz Gin:
Alkoholgehalt: 45,5 % vol.
Verwendete Botanicals: Wilder Wacholder aus dem Müritz-Nationalpark sowie rund 20 weitere Botanicals, darunter Sanddornbeeren, Koriandersamen, Zitronenschalen, Zimtrinde, Veilchenwurzel, römische Kamillenblüten, Paradieskörner, Angelikawurzel und Lavendelblüten
Hersteller: Genusswunder GbR (Thomas Engels und Jens-Peter Schaffran), Waren (Müritz), Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Gin als Landschaftspflege: die Wacholderheide am Müritzufer
Dass ein Gin sich auf ein Naturschutzthema beruft, ist keine Selbstverständlichkeit, und im Fall des Müritz Gin lässt sich das konkret nachvollziehen. Wacholderheiden sind offene, von Menschen geprägte Landschaften, die ohne Pflege zuwachsen. Das jährliche Zurückschneiden im Februar, das laut Magazinbericht Mitarbeiter der Landschaftspflege „Müritzhof“ und freiwillige Naturschützer erledigen, hält die Fläche offen. Die Beeren für den Gin stammen aus dieser Heide, womit der Rohstoff fest an einen konkreten, geschützten Ort gebunden ist.
Auch sonst ist die Marke eng an den Ort gebunden. Die Macher betreiben nach Presseberichten in Waren eine Schaudestille im Fischkaufhaus, in der die Barrel-Aged-Edition des Gins reift und abgefüllt wird; diese erhielt bei den Craft Spirits Berlin Awards 2026 Bronze. Laut Nordkurier wurde sie 18 Monate im Eichenfass gelagert, die Auflage liegt bei rund 200 Flaschen pro Charge. Daneben gibt es laut Hersteller eine saisonale Sorte mit Wasserminze und Orangenzesten, und selbst ein Weihnachtsstollen mit Müritz Gin wurde von einer Bäckerei aus der Region aufgelegt.
Verwendung des Müritz Gin
- Gin & Tonic: Die Würze und die leichte Süße vertragen ein mildes, blumiges Tonic wie Fever-Tree Mediterranean Tonic Water, das die Kräuter- und Lavendelseite stützt. Wer die Würze betonen will, kann Thomas Henry Botanical Tonic probieren (redaktionelle Empfehlungen).
- Serviervorschlag: Eine Zitronenzeste greift die Zitrusnote im Abgang auf; ein Zweig Lavendel spiegelt die Botanicals (redaktionelle Empfehlung).
- Pur: Mit 45,5 % vol. und der weichen Textur, die Falstaff beschreibt, bietet sich der Gin auch pur auf Eis an (redaktionelle Einschätzung).
Der Müritz Gin spricht Käufer an, die eine Geschichte hinter dem Produkt schätzen und einen würzigen, weichen Gin suchen, der sich nicht auf Zitrus und Wacholder allein verlässt. Als Souvenir von der Mecklenburgischen Seenplatte ist er ebenso denkbar wie als regionaler Beitrag zu einem Probierset deutscher Gins.
Einschränkend gilt: Bei einer kleinen Marke ist nicht jede Information öffentlich. Die Brennerei, die Basis des Destillats und die genaue Zahl der Botanicals bleiben in den gesichteten Quellen offen, sodass der Gin eher als Produkt mit Geschichte denn als technisch vollständig dokumentiertes Handwerk zu lesen ist.
Einordnung & Alternativen
- Calluna Lüneburger Heide Gin – ebenfalls ein Gin mit Heide-Bezug, aber mit nur fünf Kern-Botanicals und einem klar floralen Profil.
- Schwarzer Walfisch Gin – nutzt ebenfalls Sanddorn von der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, geht aber konsequent in die maritime Richtung.
- Woodland Sauerland Dry Gin – ein regionaler Gin, der Wald und Wiese in den Mittelpunkt stellt, mit Fichtenspitzen und Löwenzahnwurzel statt Gewürzen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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Dazu passendes Tonic Water

Fever-Tree Mediterranean Tonic Water
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