Herstellung des Schwarzer Walfisch Gin:
Schwarzer Walfisch – international auch als Black Whale Gin vertrieben – wird von der DSM Deutsche Spirituosen Manufaktur (Hutmachers Maritime Spirituosen e.K.) im brandenburgischen Hohen Neuendorf vor den Toren Berlins produziert. Anders als es der Firmensitz vermuten lässt, ist die gesamte Markenwelt maritim ausgerichtet: Name, Etikett und Aromenbild drehen sich um die Weite des Meeres, Meeresrauschen und Küstenlandschaften – ein bewusster Kontrast zur brandenburgischen Binnenlage der Manufaktur. Destilliert wird in kleinen Chargen von rund 800 Flaschen zu je 0,5 Litern, wobei jede Flasche von Hand abgefüllt, verkorkt und mit einem handschriftlich nummerierten Chargen- und Flaschenetikett am Flaschenhals versehen wird.
Basis ist ein neutraler Kornalkohol, der zusammen mit mehr als zwanzig verschiedenen, überwiegend natürlich bezogenen Botanicals in einer Kupferbrennblase redestilliert wird. Als die beiden markantesten Zutaten neben klassischem Wacholder nennt der Hersteller selbst Zuckertang – eine an der Nordseeküste gewonnene Braunalge – sowie Sanddornbeeren von der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Ergänzt wird das Profil um Orangen- und Zitronenschalen sowie weitere mediterrane Kräuter, was dem Gin trotz seiner maritimen Kernidee auch eine warme, fruchtige Seite verleiht. Abgefüllt wird Schwarzer Walfisch mit 45 % vol.; daneben gibt es eine Navy-Strength-Variante mit 57 % vol. für Liebhaber intensiverer Spirituosen. 2020 wurde der Gin mit dem Titel "Germany Gin of the Year" ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus Anerkennungen bei mehreren internationalen Spirituosenwettbewerben.
Verkostung des Schwarzer Walfisch Gin:
In der Nase eröffnet sich Schwarzer Walfisch mit einer ungewöhnlichen Kombination aus salzig-maritimen und fruchtig-warmen Noten: Der Zuckertang bringt eine dezente, an Meeresluft erinnernde Frische mit, die von den herb-süßen Sanddornbeeren und reifer Orangenschale getragen wird. Wacholder ist deutlich wahrnehmbar, tritt aber als eines von vielen gleichberechtigten Elementen auf, statt das Aromenbild allein zu bestimmen. Am Gaumen setzt sich diese vielschichtige Struktur fort: Zitrusfrische und die leicht säuerliche Sanddornfrucht treffen auf eine feine, mineralisch-salzige Note, während die übrige Kräuterbasis für Tiefe sorgt, ohne einzelne Aromen zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Im Abgang bleibt ein subtiler, salziger Unterton bestehen, der zusammen mit der Sanddornfrucht dem Gin seinen charakteristischen, an einen Tauchgang im klaren Wasser erinnernden Charakter verleiht – erfrischend, leicht aufregend und angenehm beruhigend zugleich, wie der Hersteller es selbst beschreibt.
Steckbrief Schwarzer Walfisch Gin:
Alkoholgehalt: 45 % vol.
Verwendete Botanicals: Wacholder, Zuckertang (Nordseealge), Sanddornbeeren, Orangenschale, Zitronenschale sowie über zwanzig weitere Botanicals
Hersteller: DSM Deutsche Spirituosen Manufaktur / Hutmachers Maritime Spirituosen e.K., Hohen Neuendorf, Brandenburg
Zuckertang und Sanddorn: Zwei Botanicals aus deutschen Küstengewässern
Während viele deutsche Craft-Gins auf regionale Kräuter aus Wald und Wiese setzen, geht Schwarzer Walfisch bewusst einen anderen Weg und holt sich seine Signatur-Zutaten direkt aus dem Meer beziehungsweise von der deutschen Ostseeküste. Zuckertang zählt zu den Braunalgen und wird traditionell eher in der Küche oder als Nahrungsergänzung verwendet – in der Gin-Destillation ist er weiterhin die Ausnahme, nicht die Regel. Er verleiht dem Destillat eine unaufdringliche, salzig-jodige Nuance, die klassische Zitrus- und Wacholdernoten um eine maritime Dimension erweitert. Sanddorn wiederum ist an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns seit Langem als robuste, vitaminreiche Strauchfrucht bekannt und liefert die herb-säuerliche Fruchtnote, die den Gin von rein zitrusbetonten Interpretationen abhebt. Ergänzend unterstützt die Manufaktur mit einem Teil der Erlöse die Seehundstation Friedrichskoog sowie die Naturschutzarbeit von NABU Schleswig-Holstein – eine konsequente Verknüpfung von Markenidee und tatsächlichem Engagement für den Lebensraum, aus dem die namensgebenden Botanicals stammen.
Verwendung des Schwarzer Walfisch Gin
- Gin & Tonic: Die maritim-fruchtige Aromatik verträgt sich besonders gut mit Fever-Tree Mediterranean Tonic Water, dessen milde Kräuternote die Sanddorn- und Zitrusaromen unterstützt, ohne die feine salzige Nuance zu überdecken. Auch East Imperial Grapefruit Tonic Water passt gut, wenn die fruchtige Seite des Gins zusätzlich betont werden soll.
- Pur oder auf Eis: Der Hersteller empfiehlt den Gin ausdrücklich auch pur oder auf Eis, um die feine Balance zwischen Meeresnote und Fruchtsüße ohne Verdünnung erleben zu können.
Schwarzer Walfisch richtet sich an Gin-Trinker, die mit maritimen New-Western-Gins bereits vertraut sind oder gezielt nach einem Botanical-Profil suchen, das sich von den üblichen Wald- und Wiesenkräutern deutscher Craft-Destillerien unterscheidet. Verglichen mit ebenfalls hochprozentigen deutschen Kleinserien wie dem Berliner Brandstifter Gin setzt Schwarzer Walfisch weniger auf Zitrus- und Kräuterfülle als auf ein klar erkennbares, konsequent durchgehaltenes Meeresthema – eine Nischenposition, die ihm die Auszeichnung zum deutschen Gin des Jahres 2020 eingebracht hat. Der Premium-Preis erklärt sich dabei vor allem aus den kleinen 0,5-Liter-Chargen und der aufwendigen Beschaffung von Zuckertang und Sanddorn.
Einordnung & Alternativen
- Isle of Harris Gin – verwendet ebenfalls Zuckertang, stammt aber von der schottischen statt der deutschen Küste und wirkt insgesamt floraler.
- Hamburg-Zanzibar Gin – ein weiterer deutscher Gin mit maritimem Handelsthema, setzt aber auf exotische Gewürzrouten-Botanicals statt auf heimischen Sanddorn.
- Calluna Lüneburger Heide Gin – tauscht das Meeresthema gegen Heidekraut und Wald, als Gegenentwurf aus einer anderen deutschen Terroir-Region.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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