Reisetbauer 7 Jahre – Edelbrenner-Handschrift im Whisky
Der Reisetbauer 7 Jahre ist ein Single Malt von einem der bekanntesten Obstbrenner Österreichs. Hans Reisetbauer hat sich mit Edelbränden einen Namen gemacht und nutzt diese Erfahrung für einen Whisky, der anders klingt als die schottische Norm: kräutrig, apfelig, trocken-würzig und ohne Rauch. Er wird mit 43 % Vol. abgefüllt und reift nach Herstellerangaben mindestens sieben Jahre.
Das macht ihn zu einem Kandidaten für Whiskyfreunde, die abseits der ausgetretenen Pfade suchen. Wer süß-vanillige Bourbonfass-Aromen erwartet, wird überrascht sein.
Geschichte: Vom Obstgarten zum Malt
Die Geschichte beginnt mit dem Obstbrand. Hans Reisetbauer pflanzte 1990 seinen ersten Obstgarten auf dem Familienhof in Axberg, einem Ortsteil von Kirchberg-Thening in Oberösterreich, und ließ 1994 seine erste Brennblase bauen, entworfen nach eigenen Plänen und gefertigt vom Brennblasenbauer Christian Carl. Aus dem Hof wurde in den folgenden Jahren ein Aushängeschild der heimischen Brennkunst, bekannt vor allem für Obstbrände wie Williams-Birne.
Mit dem Whisky begann Reisetbauer in den Jahren 1995 bis 1996; die Quellen nennen etwas unterschiedliche Daten. Der Betrieb wird heute von Hans Reisetbauer gemeinsam mit seinem Sohn geführt, was sich im Namen „Reisetbauer & Son“ niederschlägt. 2019 wurde die Brennerei nach Herstellerangaben energieautark umgebaut und mit neuen Brennblasen ausgestattet. Der Hof bewirtschaftet nach eigener Angabe rund 140 Hektar zertifizierte Bio-Flächen.
Der Reisetbauer 7 Jahre im Speziellen
Die Siebenjährige ist die jüngste der drei Altersstufen im Whisky-Sortiment, neben den Zwölf- und Fünfzehnjährigen. Sie wird mit 43 % Vol. abgefüllt und ist laut einem Importeur nicht kühlgefiltert. Eine Färbung wird nicht erwähnt. Preislich gehört er klar zur Premiumklasse.
Anders als viele Malts ist der Reisetbauer kein klassisches Bourbonfass-Produkt. Die Fässer sind gebrauchte Behälter aus der Weinwirtschaft, genauer aus der Süßweinproduktion, und das prägt das Profil von Grund auf.
Herstellung: Hofgerste und Süßwein-Holz
Die Gerste wächst nach Herstellerangaben auf dem eigenen Hof, der biologisch bewirtschaftet wird. Sie wird vermälzt und vergoren; ein Händler nennt eine Gärzeit von 70 Stunden in Edelstahltanks. Gebrannt wird in kupfernen Pot Stills von Christian Carl, laut Hersteller mit sehr feiner Temperaturführung, um nur den besten Mittellauf zu nehmen. Die Brennerei beschreibt ein hochprozentiges Malzdestillat; für ihre Spirituosen insgesamt nennt sie Verdünnung mit weichem Quellwasser aus dem Mühlviertel.
Für die Reifung kommen gebrauchte Fässer zum Einsatz, die zuvor Chardonnay und Trockenbeerenauslese enthielten. Als Lieferanten nennt der Hersteller die Winzer Velich, Gesellmann und Kracher. Trockenbeerenauslese ist ein sehr süßer Dessertwein aus edelfaulen Beeren, Chardonnay-Fässer sind dagegen trockener und frischer. Wie solche Weinfässer wirken, ist im Beitrag Whisky-Fassreifung erklärt beschrieben.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Rote Apfelschale, Fenchel, Honig, trockenes Heu und Dill, dazu mineralische Nuancen. Einzelne Verkoster nehmen auch Erdiges wahr.
- Gaumen: Würzig und etwas rau, mit Apfel, Zimt, Nelke, weißem Pfeffer und einem Hauch Minze.
- Abgang: Trocken, mit schwarzem Tee und Nuss.
Das Urteil der Tester fällt gespalten aus. Während Kritiker den Whisky als zu rau und kantig empfinden, mit eigenwilligen Noten, die an feuchten Keller erinnern, loben andere die Kräuterwürze und die ungewohnte Frische. Süße Vanille und Karamell spielen kaum eine Rolle. Wer die Handschrift eines Obstbrenners im Malt mag, findet hier viel Eigenes; wer glatten Genuss wünscht, könnte enttäuscht werden. Die Siebenjährige gilt als die würzigere und jüngere Variante im Haus. Die ältere Zwölfjährige mit 48 % Vol. beschreiben Tester als kräuterig, trocken und komplexer; wer nach dem Einstieg mehr Tiefe sucht, kann dort weitermachen.
Genuss-Empfehlung
Am besten gelingt der Reisetbauer pur, im Tulpenglas, mit etwas Zeit zum Atmen. Ein paar Tropfen Wasser runden die Schärfe ab. Eis oder Mixer sind weniger sinnvoll, weil die feine Kräuterstruktur sonst verloren geht. Zum Essen passt er zu Ziegenkäse, reifem Bergkäse, gebratenem Geflügel mit Kräutern oder einem Apfelstrudel mit wenig Zucker.
Einordnung & Alternativen
- Slyrs Bavarian Single Malt: Ein weiterer deutschsprachiger Malt, süßer und zugänglicher als der Österreicher.
- St. Kilian Classic: Fruchtig und mild aus Franken, ein guter Vergleich für den Stil unter den europäischen Malts.
- Mackmyra Svensk Ek: Schwedischer Malt mit eigenem Holzkonzept und ebenfalls nordisch-herber Linie.
Fazit
Der Reisetbauer 7 Jahre ist ein eigenständiger Malt mit Hofgerste, Süßwein-Fässern und deutlich erkennbarer Brennerhandschrift, der Entdecker mehr anspricht als Freunde klassischer Profile. Die Kräuterwürze und die Frische sind echte Pluspunkte, die raue Seite und das Preisniveau bremsen. Deshalb vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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