Mackmyra Svensk Ek – Schwedens Eiche im Glas
Der Mackmyra Svensk Ek ist der ungerauchte Standardmalt der schwedischen Brennerei Mackmyra und trägt sein Herkunftsholz im Namen: „Svensk Ek“ heißt schlicht „Schwedische Eiche“. Mit 46,1 % Vol. ist er ein Single Malt ohne Altersangabe, der Birne, Honig und eine trockene Ingwerwürze zeigt und dabei bewusst anders klingen soll als ein schottischer Einsteigermalt.
Spannend ist weniger das Aromenprofil als die Frage, was hinter dem Namen steckt. Wie viel schwedisches Holz tatsächlich im Whisky steckt, ist ein Punkt, über den in der Fachpresse gestritten wird, und genau darauf geht dieser Artikel genauer ein.
Geschichte: Vom Erstling zur Namensfrage
Dieser Whisky hat eine Vorgeschichte. Er geht auf The First Edition zurück, die nach dem Brennerei-Porträt 2008 als erste reguläre Abfüllung des Hauses erschien (auf Schwedisch „Första Utgåvan“). Später wurde die Flasche umbenannt und mit leicht angepasster Zusammensetzung neu aufgelegt. Händler beschreiben den Anteil schwedischer Eiche in der neuen Version als höher als zuvor; einen genauen Zeitpunkt für die Umstellung nennen wir nicht, Besprechungen unter dem Namen Svensk Ek finden sich jedoch spätestens ab 2015.
Mackmyra stellt die Marke bis heute als nordisches Gegenstück zur schottischen Tradition auf: lokales Getreide, regionales Wasser und möglichst heimisches Holz. Seit der Insolvenz im August 2024 gehört das Unternehmen nach Medienberichten neuen Eigentümern.
Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Mackmyra Distillery.
Der Svensk Ek im Speziellen
Der Svensk Ek ist die Abfüllung für alle, die das Haus ohne Rauch kennenlernen wollen. Im Katalog der Brennerei steht er neben dem milderen Brukswhisky und dem gerauchten Svensk Rök. Der Alkoholgehalt liegt bei 46,1 % Vol.; eine ältere Besprechung nennt 44,7 %, vermutlich ein früherer Stand, aktuell geben fast alle Quellen 46,1 an.
Ein Altersstatement gibt es nicht. Verkoster berichten von Destillaten zwischen etwa vier und sieben Jahren. Zur Kühlfiltrierung macht die Brennerei auf den uns vorliegenden Seiten keine klare Aussage; ein Fachhändler bezeichnet ihn als nicht kühlgefiltert, eine zweite Quelle dazu fanden wir nicht. Ein Händler nennt ihn zudem ohne Farbstoff.
Herstellung: Wie viel Schweden steckt im Fass?
Die Hauptmasse reift in Ex-Bourbon-Fässern, teils in kleineren Formaten als dem üblichen Barrel, was die Reifung beschleunigt. Dazu kommt Eiche aus Schweden, die dem Whisky den Namen gibt. Bei den Details gehen die Quellen auseinander: Eine Besprechung nennt etwa zehn Prozent schwedisches Eichenholz, die Brennerei selbst soll von gut fünf Prozent im Blend sprechen, ein Händler schreibt dagegen, der Whisky reife zuerst in Bourbonfässern und werde anschließend in schwedischen Eichenfässern nachgereift. Auch ob Sherryfässer beteiligt sind, wird unterschiedlich dargestellt. Wir halten deshalb fest: laut Hersteller ein überwiegend von Bourbonfässern getragener Blend mit einem Anteil Fässern aus schwedischer Eiche, der genaue Anteil je nach Quelle verschieden.
Ein Teil der schwedischen Eiche stammt nach Händler- und Fachangaben von der Insel Visingsö im Vättersee, wo einst Bäume für den Schiffbau der Marine gepflanzt wurden. Das Holz ist dichter und herber als amerikanische Weißeiche, es gibt dem Destillat mehr Gerbstoff und Würze. Kritiker merken an, dass der Name mehr verspreche, als die Rezeptur hergibt. Wer das Wort „Ek“ wörtlich nimmt, wird weniger Holz erwarten dürfen, als es klingt. Wie Fassholz allgemein wirkt, erklärt unser Artikel zur Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold mit leichtem Bernsteinton.
- Nase: Frisch und fruchtig, mit Apfel, Birne und Zitrusschale, dazu Honig, geröstetes Brot, Vanille und ein Hauch Butterkaramell. Manche Tester finden grasige und mentholartige Noten, mit etwas Wasser kommen Kräuter hinzu.
- Gaumen: Würzig und weich zugleich: Ingwer, schwarzer Pfeffer, Sandelholz und Eichenwürze, getragen von Honig und Karamell. Die Frucht bleibt im Hintergrund, der Körper ist eher leicht bis mittel.
- Abgang: Mittellang, trocken-würzig mit Pfeffer, Ingwer und einer Spur Schokolade, die Eichenwürze klingt noch eine Weile nach.
Insgesamt wirkt der Svensk Ek ein wenig kantig: Die Holzwürze steht deutlich vor der Süße, und die Aromen sind klar, aber nicht üppig. Rauch gibt es nicht, auch wenn ein schwedischer Händlertext von einer leicht rauchigen Seite spricht. Die meisten Tester beschreiben ihn getreidig, würzig und ohne Qualm. Für einen Whisky ohne Altersangabe ist er sauber gemacht, verlangt aber etwas Gewöhnung an die trockene Würze.
Genuss-Empfehlung
Am besten gelingt der Svensk Ek pur bei Zimmertemperatur im Tulpenglas. Zwei, drei Tropfen stilles Wasser öffnen die Kräuter- und Zitrusseite und nehmen der Holzwürze die Schärfe. Auf Eis wird er leichter, verliert aber Tiefe; für einen Highball mit Ginger Ale ist der Ingwerton des Whiskys ein guter Anker.
Zum Essen passen Gerichte mit Dill, Senf und Räucherfisch, etwa gebeizter Lachs auf Roggenbrot, aber auch Hartkäse und Lebkuchen. Als Digestif ist er eher leicht als wuchtig.
Einordnung & Alternativen
- Mackmyra Brukswhisky: Der leichtere Basismalt desselben Hauses, mit mehr Frucht und weniger Würze.
- Mackmyra Svensk Rök: Gleiche Stärke, aber mit Torf- und Wacholderrauch, für alle, die den Rauch suchen.
- Cotswolds Single Malt: Ein englischer Malt mit ähnlicher Stärke, deutlich süßer und fruchtiger im Profil.
Fazit
Der Mackmyra Svensk Ek ist ein ehrlicher, würziger Single Malt für Neugierige, die schwedischen Whisky ohne Rauch probieren wollen. Er überzeugt durch klare Frucht, Ingwerschärfe und gelungene Trinkstärke, bleibt aber in der Tiefe überschaubar, und das Versprechen des Namens löst sich nur teilweise ein. Wer eher Süße und Fruchtigkeit sucht, ist etwa beim St. Kilian Classic besser aufgehoben. Für die saubere Machart und das eigenständige Profil vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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