Roe & Co Blended Irish Whiskey – ein Blend, gebaut für den Barkeeper
Der Roe & Co Blended Irish Whiskey ist die Rückkehr des Getränkekonzerns Diageo in den irischen Whiskey. Der Blend aus Malt- und Grain-Whiskey wurde ausdrücklich so komponiert, dass er in Cocktails nicht untergeht, und trägt dafür für irische Verhältnisse viel Alkohol: 45 % vol. statt der üblichen 40 %.
Im Glas ergibt das einen würzigen, birnig-vanilligen Whiskey ohne Rauch und ohne Sherry-Schwere. Wer einen weichen Allrounder für Highball, Irish Coffee und gelegentlich auch für den Schluck pur sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Wer Tiefe und Reife erwartet, bekommt dagegen eher einen soliden Alltagsblend.
Geschichte: Ein Name aus der Dubliner Liberties
Die Marke erinnert an George Roe, einen Dubliner Brenner des 19. Jahrhunderts. Seine Firma gehörte zu den großen Namen der Stadt; nach Angaben von Diageo erstreckte sich die Anlage an der Thomas Street über rund 17 Acres. Den Grundstein legte Peter Roe, der 1757 eine kleine Brennerei an dieser Straße übernahm. Wann die Thomas Street Distillery endgültig schloss, ist je nach Quelle unterschiedlich überliefert, genannt werden die Jahre 1923 und 1926. Teile des Geländes gingen später in die benachbarte Guinness-Brauerei von St. James's Gate auf.
Diageo, zu dem Guinness gehört, hatte Bushmills 2014 verkauft und war danach zunächst ohne eigenen irischen Whiskey. Im Januar 2017 kündigte der Konzern Roe & Co an, im März 2017 kam die Flasche zunächst in ausgewählten europäischen Städten in den Handel. Zugleich wurde ein Investitionsprogramm für eine neue Brennerei im ehemaligen Kraftwerksgebäude von Guinness an der Thomas Street bekannt gegeben. Dort begann die Produktion nach den gängigen Berichten 2019. Neu im Viertel ist die Idee nicht: Teeling eröffnete in denselben Liberties bereits 2015 eine Brennerei.
Der Roe & Co im Speziellen
Der Standardblend trägt keine Altersangabe. Er besteht aus irischem Malt- und Grain-Whiskey und reift in Bourbonfässern, laut Diageo zu einem hohen Anteil in solchen, die erst einmal befüllt wurden. Er wird mit 45 % vol. abgefüllt und nicht kühlgefiltert. Zur Farbe gehen die Angaben auseinander: Ein Nachschlagewerk nennt Zuckerkulör, Diageo betont vor allem die fehlende Kühlfiltration. Maßgeblich ist das Etikett der Flasche. Wer das Thema vertiefen will, findet es in unserem Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Eine Klarstellung zur Zahl 106: Sie taucht in manchen Produktbezeichnungen auf und wird gelegentlich für einen Proof-Wert gehalten. Das stimmt nicht. 45 % vol. entsprechen 90 US-Proof, wie unser Beitrag Cask Strength und Proof erklärt zeigt. Die 106 ist nach Berichten die Nummer des Prototyps, der sich bei der Entwicklung gegen die übrigen Mischungen durchsetzte. Der offizielle Produktname lautet schlicht Roe & Co Blended Irish Whiskey.
Im Sortiment der Marke ist er die Basisflasche. Darüber stehen zeitlich begrenzte Fassstärke-Editionen mit anderen Fassfinishs, die hier nicht gemeint sind.
Herstellung: Prototyp 106 und die Bartender-Probe
Verantwortlich für die Komposition ist die Diageo-Blenderin Caroline Martin. Nach Berichten dauerten die Versuche etwa zwei Jahre, und Dubliner Barkeeper probierten Muster mit. Nach Berichten wurde der Alkoholgehalt im Lauf der Entwicklung auf 45 % vol. angehoben. Das Ziel war ein Whiskey, der sich in Cocktails behauptet.
Die Herkunft der einzelnen Destillate nennt die Marke nicht. Weil die neue Brennerei erst 2019 anlief und ein Whiskey mehrere Jahre reifen muss, kann der Inhalt der frühen Flaschen nicht von dort stammen. Ob das heute noch gilt, ist öffentlich nicht belegt. Wir behandeln den Roe & Co deshalb als Blend der Marke Diageo mit nicht näher benannter irischer Herkunft.
Dreifache Destillation oder Pot-Still-Anteile gehören nicht zu den belegten Angaben dieser Abfüllung. Hintergrund zu den irischen Stilen bietet der Beitrag Irish Whiskey erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Tiefes Gold mit leichtem Bernsteinstich.
- Nase: Birne, Orangenschale und Vanille, dazu Eichenwürze, weißer Pfeffer und ein Hauch Minze. Mit etwas Wasser kommen Zuckersirup und Kokos nach vorn.
- Gaumen: Süße Orange und Birne, Vanillecreme, Zimt und Ingwer. Die Würze baut sich zügig auf und wird gegen Ende etwas körnig.
- Abgang: Mittellang bis lang, trocken, pfeffrig, mit Zimt und Holzvanille.
Insgesamt wirkt der Whiskey eher kantig als samtig. Er hat Substanz und Gewürz, verliert aber im Vergleich zu teureren Blends an Feinheit, und manche Verkoster empfinden die Nase am Anfang als etwas spritig. Rauch spielt keine Rolle, Süße und Frucht bleiben im Mittelfeld, die Holzwürze führt.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tumbler funktioniert der Roe & Co gut, ein Spritzer Wasser nimmt der Nase die Schärfe und öffnet die Vanille. Seine eigentliche Stärke zeigt er aber gemischt: im Highball mit Ginger Ale und Limette, im Whiskey Sour, im Irish Coffee oder im Old Fashioned, wo die 45 % vol. Struktur geben. Zum Essen passen Hähnchen vom Grill, gereifter Cheddar oder Apfelkuchen mit Zimt.
Einordnung & Alternativen
- Jameson Black Barrel: Weicher und süßer bei nur 40 %, mit Pot-Still-Anteil und Sherryfässern, die Gegenposition zum würzigen Roe.
- Teeling Small Batch: Ebenfalls ein Dubliner Blend mit 46 %, aber deutlich fruchtiger durch das Rumfass-Finish.
- Powers Gold Label: Klassischer Pub-Blend mit Pot-Still-Würze, der als Vergleich für den Alltagsgebrauch dient.
Fazit
Der Roe & Co Blended Irish Whiskey ist ein ehrlicher, nicht kühlgefilterter Gebrauchswhiskey mit erhöhter Stärke. Er überzeugt als Cocktailbasis und als würziger Gegenentwurf zu den weichen Standardblends, bleibt pur aber hinter den Reifegrad-Erwartungen anspruchsvoller Trinker zurück, und die unklare Herkunft des Destillats trübt das Bild etwas. Für die sauber gebaute, bartaugliche Machart vergeben wir deshalb 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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