Bushmills Black Bush – Der Blend, der fast wie ein Malt trinkt
Der Bushmills Black Bush ist die sherrybetonte Schwester des Standard-Blends aus der nordirischen Brennerei in County Antrim. Formal ist er ein Blended Irish Whiskey, also eine Mischung aus Malt- und Grain-Whiskey. Der Malt-Anteil ist aber ungewöhnlich hoch, und ein Teil der Fässer hat zuvor Oloroso-Sherry beherbergt. Das Ergebnis ist ein weicher, dunkelsüßer Whiskey mit 40 % vol., der bei vielen Trinkern näher am Single Malt liegt, als es die Bezeichnung „Blend" vermuten lässt.
Er richtet sich an alle, die den leichten Original der Marke kennen und mehr Tiefe suchen. Rauch spielt keine Rolle, im Vordergrund stehen Trockenfrucht, Nuss und Gebäck.
Geschichte: Vom „Liqueur Whiskey" zum schwarzen Etikett
Die Old Bushmills Distillery beruft sich auf eine Lizenz von 1608, die König James I. dem Landbesitzer Sir Thomas Phillips erteilte. Das heutige Unternehmen wurde nach gängiger Darstellung erst 1784 durch Hugh Anderson eingetragen; der Titel „älteste lizenzierte Brennerei der Welt" ist daher ein Eigenanspruch der Marke. Im 20. Jahrhundert wechselte der Besitz mehrfach: Nach Isaac Wolfson kam Bushmills 1972 zu Irish Distillers, die 1988 an Pernod Ricard gingen. 2005 kaufte Diageo die Brennerei, und 2014/15 wechselte sie im Tausch gegen Anteile an der Tequila-Marke Don Julio zu Proximo Spirits, dem Haus hinter Jose Cuervo.
Black Bush selbst gilt als Nachfahre eines „Special Old Liqueur Whiskey", der in den 1930er-Jahren auf den Markt kam. Der Überlieferung nach bestellten Gäste die Flasche mit dem dunklen Etikett einfach nach ihrem Aussehen, daraus wurde der Spitzname. Diese Erklärung stammt aus Fachbeiträgen, nicht vom Hersteller. Im Juni 2026 meldete die Fachpresse eine neu gestaltete, schlankere Flasche; laut Master Distiller Colum Egan blieb der Inhalt unverändert. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Bushmills Distillery – Nordirland.
Der Black Bush im Speziellen
Der Black Bush trägt keine Altersangabe. Der Hersteller beschreibt ihn als Blend mit „außergewöhnlich hohem" Anteil an Malt-Whiskey und nennt keine Zahl. Drittquellen sind sich uneins: Viele sprechen von rund 80 % Malt und 20 % Grain, ein Fachhändler nennt 75 % zu 25 %. Wir bleiben beim Herstellerwortlaut: ein Blend, in dem der Malt dominiert. Auch Angaben zu einem Malt-Alter von bis zu acht oder zehn Jahren sind nicht offiziell bestätigt.
Abgefüllt wird mit 40 % vol., der in Irland vorgeschriebenen Mindeststärke. Zu Kühlfiltrierung macht der Hersteller keine Angabe; ein Händlereintrag nennt Zuckerkulör. Das wäre erlaubt, denn das irische Technical File gestattet neben Wasser einfaches Karamell E150a. Was das für Farbe und Mundgefühl bedeutet, erklärt der Beitrag über Kühlfiltrierung und Naturfarbe. Im Sortiment steht der Black Bush zwischen dem Bushmills Original und den Single Malts der Marke.
Herstellung: Dreifach gebrannt, im Sherry gereift
Der Malt-Anteil wird nach Herstellerangaben aus gemälzter, ungetorfter Gerste gemacht und dreifach in Kupferbrennblasen destilliert, mit Wasser aus St Columb's Rill, einem Zufluss des River Bush. Dazu kommt Grain-Whiskey. Mehrere Berichte nennen Midleton als Herkunft, der Hersteller bestätigt das nicht, daher bleibt es offen.
Gereift wird in ehemaligen Oloroso-Sherry- und Bourbonfässern. Das Mengenverhältnis der Fasstypen nennt die Marke nicht. Eine einzelne Drittquelle beziffert es auf vier Fünftel Sherry- und ein Fünftel Bourbonfässer, das bleibt unbestätigt. Oloroso reift im Fass mit viel Luftkontakt und liefert eher Rosine, Nuss und Gewürz als frische Frucht; mehr dazu im Beitrag Sherryfässer im Whisky. Bourbonfässer steuern Vanille und Karamell bei. Gesetzlich nötig sind mindestens drei Jahre im Holz, die Grundlagen dazu liefert der Artikel Irish Whiskey erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bernsteingold bis Rotgold, laut Hersteller „russet gold".
- Nase: Sherrysüße, Malz und Backapfel, dazu Pflaume, Rosine, Vanille und eine Spur Cidre. Insgesamt eher leise als wuchtig.
- Gaumen: Weich und leicht ölig, nussig und süß. Karamell, Vanille und Trockenfrucht, dazu etwas Gebäckwürze wie in einem Früchtekuchen.
- Abgang: Mittellang, süß und rund, am Ende mit Malz und einem Hauch Lakritz.
Rezensenten sehen den Black Bush überwiegend als gefälliger und gehaltvoller als den Original, ohne Ecken. Kritisch angemerkt wird vor allem, dass er mit 40 % vol. etwas dünn auf der Zunge wirkt und im Abgang nicht allzu lang trägt. Ein Rezensent meint, mehr Alkoholstärke täte ihm gut.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur zeigt er Sherry und Malz am besten. Ein Eiswürfel oder ein paar Tropfen Wasser sind erlaubt, doch bei seiner schlanken Bauweise sollte es nicht mehr werden. Der Hersteller empfiehlt ihn pur, auf Eis und in klassischen Cocktails. Als Zutat für einen Whiskey Sour oder einen Irish Coffee eignet er sich, weil die Nussnote zum Kaffee passt. Als Highball mit Ginger Ale und Zitrone behält er erstaunlich viel Charakter. Zum Essen passen dunkle Schokolade, Walnusskuchen, gereifter Cheddar oder ein Stück Früchtebrot.
Einordnung & Alternativen
- Bushmills Original Irish Whiskey: Der leichtere, helle Standard-Blend der Brennerei, ein direkter Vergleich für den Sherry-Effekt.
- Bushmills 10 Jahre Whiskey: Der Single Malt mit Altersangabe, deutlich heller und honigbetonter als der Black Bush.
- Jameson Black Barrel Irish Whiskey: Ein irischer Blend aus Midleton mit anderer Machart, ein reizvoller Vergleich für Süße und Fassnote.
Fazit
Der Bushmills Black Bush ist ein gut gemachter, sherrygeprägter Blend, der durch den hohen Malt-Anteil mehr Körper zeigt als die meisten Alltagswhiskeys. Er ist unkompliziert, süß, nussig und frei von Rauch und damit ein guter Mittler zwischen dem leichten Original und den Single Malts. Abzüge gibt es für die moderate Trinkstärke von 40 % vol., die etwas Länge und Substanz kostet, und für die knappe Auskunft des Herstellers zur Zusammensetzung. Für ein Sherry-Profil, das in dieser Klasse trotzdem überzeugt, vergeben wir deshalb 4,2 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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