Scapa Glansa – Orkney-Honig mit einem Hauch Lagerfeuer
Der Scapa Glansa ist der Beweis, dass auch eine Brennerei, die für Weichheit und Fruchtsüße bekannt ist, ein Raucharoma beherrscht. Der Malt aus Kirkwall auf den Orkney-Inseln reift zunächst in amerikanischer Eiche und bekommt anschließend ein Finish in Fässern, die zuvor stark getorften schottischen Whisky enthielten. Heraus kommt kein Rauchbolzen, sondern ein Whisky, der Pfirsich, Vanille und Toffee mit einem sanften, glimmenden Rauchton verbindet.
Wer die Flasche im Handel sucht, stößt gelegentlich auf Bezeichnungen wie „Skiren Glansa Edition“. Als offizieller Name ist in den Herstellerunterlagen und Presseinformationen schlicht „Scapa Glansa“ belegt, auf späteren Etiketten und in Handelsangaben oft mit dem Zusatz „The Orcadian“ und einem Chargencode wie GL04 oder GL06. Eine eigene „Skiren Glansa“-Abfüllung konnte ich nicht belegen; es handelt sich nach allem, was sich finden lässt, um dieselbe Abfüllung.
Geschichte: Ein Malt für die rauchige Seite
Scapa wurde 1885 gegründet und gehört seit 2005 zu Chivas Brothers, der Scotch-Sparte von Pernod Ricard. Die Brennerei liegt am Scapa Flow und war über Jahrzehnte für einen eher ungetorften Stil bekannt. Zu dieser Linie gehört der Scapa Skiren, der 2015 die neu aufgestellte Standardreihe eröffnete.
Der Glansa kam kurz darauf als zweite Kernabfüllung hinzu. Das Einführungsdatum nennen die Quellen leicht unterschiedlich: Wikipedia und Difford's Guide sprechen von 2016, eine Pressemitteilung für den schwedischen Markt datiert die dortige Listung auf September 2017. Nach dieser Pressemitteilung war er Scapas erste Abfüllung mit spürbarem Rauchcharakter; Master Distiller Brian MacAulay beschreibt ihn dort als milden Einstieg in getorften Whisky. Der Name leitet sich nach Herstellerangaben aus altnordischen Wurzeln ab und verweist auf Orkneys Wikingergeschichte und das wechselhafte Wetter.
Wichtig für die Suche: Im Herbst 2024 stellte Scapa eine neue Kernreihe mit 10, 16 und 21 Jahren vor, die durchweg in First-Fill-Fässern aus amerikanischer Eiche reift. Auf der aktuellen Herstellerseite taucht der Glansa nicht mehr auf. Ob und in welchem Umfang er noch produziert wird, ließ sich nicht belegen; Flaschen im Handel stammen daher je nach Charge aus unterschiedlichen Füllungen.
Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Scapa Distillery – Orkney Islands.
Der Glansa im Speziellen
Der Glansa trägt keine Altersangabe. Abgefüllt wird er mit 40 % vol. Die Reifung läuft in zwei Schritten: zuerst in Fässern aus amerikanischer Eiche, danach in Fässern, in denen zuvor stark getorfter Whisky lag. Welche Brennerei diese Fässer geliefert hat, nennen die gefundenen Herstellerquellen nicht; Behauptungen, es seien Laphroaig-Fässer, konnte ich nicht belegen und lasse sie deshalb außen vor. Angaben zu Kühlfilterung und Farbstoff fehlen in den Quellen, bei 40 % vol. ist beides in dieser Kategorie nicht ungewöhnlich, belegt ist es aber nicht.
Der Rauch stammt damit nicht aus dem Malz, sondern aus dem Holz. Mehr zum Unterschied zwischen beiden Wegen steht in unserem Ratgeber zu getorftem Whisky und ppm.
Herstellung: Weicher Spirit, geliehener Rauch
Grundlage ist der typische Scapa-Spirit. Die Wash Still war ursprünglich eine Lomond Still; die Kondensationsplatten im Hals sind inzwischen entfernt, doch die breite Form blieb erhalten. Das Brauwasser kommt aus dem Lingro Burn. Über das verwendete Malz gehen die Angaben je nach Quelle auseinander: von ungetorft bis leicht getorft.
Die Besonderheit des Glansa liegt im Finish. Das Holz der Vorbelegungsfässer hat Rauchstoffe aus dem zuvor gelagerten Whisky aufgenommen und gibt sie nun an den Scapa-Spirit ab. Wie lange das Finish dauert, geben die Quellen nicht an. Wie sich Fasswahl und Reifedauer auf den Charakter auswirken, erklärt unser Beitrag zur Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Klares, goldenes Bernstein.
- Nase: Milder Lagerfeuerrauch, Pfirsich, Ananas und Vanille, dazu Nussmalz und Karamell.
- Gaumen: Leicht cremig; reifer Pfirsich, Birne, Vanillefudge und Toffee, getragen von weichem, erdigem Rauch.
- Abgang: Lang und cremig, mit deutlich nachklingendem Rauch.
Der Rauch bleibt hier Begleiter. Die Fruchtsüße, die man vom Skiren kennt, trägt auch den Glansa; der Torfton legt sich wie ein Schleier darüber und kommt erst im Abgang richtig zur Geltung. Medizinisch-jodige Noten, wie man sie von Islay kennt, fehlen. Die Stärke von 40 % vol. macht ihn zugänglich, nimmt ihm aber etwas Körper; wer mehr Druck und Tiefe sucht, wird ihn als zurückhaltend empfinden.
Genuss-Empfehlung
Am besten schmeckt der Glansa pur im Nosing-Glas bei Zimmertemperatur, eventuell mit einem Tropfen Wasser, der die Frucht etwas öffnet. Auf Eis verliert er rasch an Kontur und Rauch. Im Highball mit Soda und einer Orangenzeste funktioniert er als leichter, sommerlicher Longdrink, ohne dass der Rauch dominiert.
Zum Essen passen gegrillter Lachs, Räucherkäse oder ein Pfirsich-Dessert mit Vanille; die Fruchtnoten greifen die Süße auf, der Rauch bringt Würze ins Spiel.
Einordnung & Alternativen
- Highland Park 12 Jahre: Der Nachbar aus Kirkwall mit Heidekrautrauch und Sherry-Süße, deutlich rauchiger und körperreicher.
- Talisker 10 Jahre: Ebenfalls ein Inselmalt mit Rauch, aber maritim und pfeffrig, bei 45,8 % vol. mit mehr Nachdruck.
- Jura 10 Jahre: Wer den Rauch ganz weglassen möchte, findet hier einen milden, fruchtigen Insel-Malt.
Fazit
Der Scapa Glansa ist ein sanfter, gut gemachter Einstieg in rauchige Whiskys. Er richtet sich an alle, die den weichen Orkney-Stil mögen und neugierig auf Rauch sind, ohne gleich Islay-Intensität zu wollen. Dagegen sprechen die moderate Abfüllstärke von 40 % vol., der Rauch, der eher zart als prägnant ausfällt, und die unklare Zukunft der Abfüllung nach Scapas Neuaufstellung. Für das stimmige Zusammenspiel von Frucht und Rauch, aber ohne letzte Tiefe, vergeben wir deshalb 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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