Stauning Rye – Roggen aus Westjütland, handwerklich gebrannt
Der Stauning Rye kommt aus der Stauning Whisky Distillery im Westen Dänemarks und verbindet zwei Besonderheiten: Das Getreide wird in der Brennerei selbst auf dem Boden gemälzt, und gebrannt wird in direkt befeuerten Pot Stills. Das Ergebnis ist ein Roggenwhisky mit kräftigem Kornprofil, der bei 48 % Vol. abgefüllt wird und nach frisch gebackenem Roggenbrot, Pfeffer und Trockenfrucht duftet.
Er richtet sich an alle, die einen europäischen Whisky mit eigener Handschrift suchen und mit Rye-Würze etwas anfangen können.
Geschichte: Neun Freunde und eine Metzgerei
Stauning Whisky wurde im Mai 2005 von neun dänischen Whiskyliebhabern gegründet, die jeweils 15.000 Kronen in das Projekt steckten. Gebrannt wurde zunächst in einem ehemaligen Schlachthaus beziehungsweise einer Metzgerei im Ort; 2007 kaufte man einen Hof und zog dorthin um. Die Brennerei liegt südlich des Dorfes Stauning bei Skjern in Westjütland und gilt nach Wikipedia als die älteste Whiskybrennerei Dänemarks.
Ein wichtiger Einschnitt war der Einstieg des Spirituosenkonzerns Diageo über sein Förderprogramm Distill Ventures im Jahr 2015, womit eine neue, größere Anlage finanziert wurde. Nach Berichten der Fachpresse stellte Diageo 2025 die Förderung neuer Beteiligungen ein; Stauning reduzierte daraufhin die Produktion, verkauft aber weiterhin Whisky aus den vorhandenen Beständen. Wie sich das auf die Zukunft der Marke auswirkt, lässt sich derzeit nicht abschließend sagen. Zur Größenordnung: Zwischen 2009 und 2012 entstanden nach Wikipedia rund 6.000 Liter neuer Spirit pro Jahr, 2012 verdoppelte man auf etwa 15.000 Liter, und 2015 wurde eine deutliche Erweiterung angekündigt. Gemälzter Roggen ist in der Whiskywelt nach Wikipedia eher selten und prägt den Ruf der Brennerei.
Der Stauning Rye im Speziellen
Der Rye ist die Kernabfüllung der Marke aus Roggen- und Gerstenmalz. Die Herstellerseite nennt lokal angebautes Getreide, Bodenmälzung im eigenen Haus und zweifache Destillation in direkt befeuerten Pot Stills; eine Prozentangabe für das Verhältnis von Roggen und Gerste macht sie nicht. Die Abfüllung hat 48 % Vol. und ist laut Hersteller weder kühlgefiltert noch gefiltert, weshalb sich bei Kälte Trübungen zeigen können.
Eine feste Altersangabe trägt die Flasche nicht. Auf der Herstellerseite ist von drei bis vier Jahren die Rede. Im Sortiment steht er neben dem Single Malt und einer getorften Linie, ist aber das deutlichste Aushängeschild der Brennerei.
Herstellung: Boden, Feuer, neue Eiche
Bei der Bodenmälzung wird das Korn auf dem Boden zum Keimen ausgebreitet und von Hand gewendet, ein Verfahren, das heute nur noch wenige Brennereien betreiben. Nach der Maische und Gärung wird zweifach in kleinen Kupferkesseln gebrannt, die direkt befeuert werden. Das Feuer unter dem Kessel erzeugt höhere Temperaturen als moderne Dampfschlangen, soll laut Brennerei tiefere, komplexere Aromen erzeugen. Mehr dazu im Beitrag So wird Whisky hergestellt.
Gereift wird in neuen amerikanischen Eichenfässern, nach einer Beschreibung stark ausgekohlt; eine zweite Beschreibung spricht schlicht von neuer amerikanischer Weißeiche. Zum Roggen passt das gut, denn die Gerbstoffe stützen die Würze. Wie neues Holz arbeitet, erklärt Whisky-Fassreifung erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Bernstein bis Kupfer.
- Nase: Frisches Roggenbrot, Weingummi und Pfeffer. Händler nennen auch reife Birne, Apfel, Mandel und eine dunkel-röstige Brotnote.
- Gaumen: Trockenfrucht, reife Kirsche, pfeffrige Eiche, Vanille und Zitrusschale, dazu Kümmel- und Dillnoten aus dem Roggenkorn. Das Mundgefühl wird als cremig beschrieben.
- Abgang: Lang, glatt und fruchtig-süß mit pfeffrigem Rand.
Der Stauning Rye steht zwischen Kornwürze und Obst. Er ist kräftiger und würziger als viele Gerstenmalts gleichen Alters, aber weniger spitz als ein harter amerikanischer Straight Rye. Rauch spielt keine Rolle. Die Süße ist gedämpft, die Würze deutlich spürbar; wer Kümmel, Dill und Brotnoten nicht mag, braucht etwas Eingewöhnung.
Genuss-Empfehlung
Pur im Nosing-Glas zeigt der Rye seine Brotigkeit und Kirschfrucht am deutlichsten; bei 48 % Vol. verträgt er einen Tropfen Wasser, der die Pfefferschärfe zähmt. Auf Eis wird er milder, bleibt aber würzig. Im Cocktail bietet sich ein Manhattan, ein Old Fashioned oder ein Sazerac an. Zum Essen passt er zu Räucherlachs, dunklem Brot mit Frischkäse und Dill, Wildterrine oder Kirschkuchen.
Einordnung & Alternativen
- Kyrö Malt Rye: Finnischer Roggenwhisky aus gemälztem Roggen, brotig und etwas milder.
- Lot No. 40 Canadian Rye: Der kanadische Pot-Still-Rye, trockener und pfeffriger.
- Mackmyra Svensk Ek: Nordischer Malt mit Birne und Ingwer als Gegenstück aus Gerste.
Fazit
Der Stauning Rye ist ein handwerklicher dänischer Roggenwhisky mit Bodenmälzung und Feuerbrennblasen, der Kornwürze und Obst zusammenbringt. Er spricht Rye-Fans und Liebhaber europäischer Kleinbrennereien an. Punkte kosten die offenen Fragen zu Fässern und Mash sowie die ungewisse Lage der Brennerei, deshalb 4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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