Englischer Whisky

The English Whisky Original Single Malt

3,8/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.MittelklasseAusgewählte Ex-Bourbon-Fässer, ohne AltersangabeRoudham, Norfolk, England
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The English Whisky Original Single Malt – ungetorft aus Norfolk

Der The English Original Single Malt ist die Standardabfüllung der Brennerei in Roudham, Norfolk, und zugleich ihre unkomplizierteste. Er ist ungetorft, reift in Bourbonfässern und kommt mit 43 % Vol. in die Flasche, laut Hersteller nicht kühlgefiltert und nur mit natürlicher Farbe. Die Brennerei ist unter wechselnden Namen bekannt, zuletzt als The English Distillery, die Eigentümerfirma heißt The English Whisky Co.

Das Profil ist weich, cremig und von Vanille, Nuss und Zitrus geprägt. Wer englischen Whisky kennenlernen möchte, ohne gleich Torf oder Weinfässer im Glas zu haben, findet hier einen guten Ausgangspunkt.

Geschichte: Englands Whiskyrenaissance im Osten

Die Brennerei wurde 2006 von James und Andrew Nelstrop gegründet und trug lange den Namen St George's Distillery. Nach eigener Darstellung war sie die erste englische Brennerei für Single Malt seit rund hundert Jahren. Das erste Destillat lief nach Berichten im Herbst 2006, die erste Brennung leitete Iain Henderson, der zuvor bei Laphroaig tätig war. Im März 2007 eröffnete Prinz Charles die Anlage offiziell. Die erste gereifte Charge erschien 2009.

Die ersten Abfüllungen liefen als nummerierte „Chapters“. 2016 wurde das Sortiment unter dem Namen „The English“ neu aufgestellt, und der Original erschien zusammen mit dem getorften Smokey. Laut Wikipedia führt der Betrieb seit 2024 offiziell den Namen The English Distillery. Eigentümer ist weiterhin die Familie Nelstrop.

Der Original im Speziellen

Die Standardabfüllung hat 43 % Vol. und keine Altersangabe. Wikipedia nennt 46 % Vol. als Regelstärke; wir folgen den Angaben der Brennerei und des Fachhandels, die für die Flasche 43 % ausweisen. Die Brennerei beschreibt den Whisky als nicht kühlgefiltert und mit rein natürlicher Farbe, abgefüllt wird nach ihren Angaben vor Ort.

Die Reifung erfolgt in sorgfältig ausgewählten Ex-Bourbon-Fässern. Ein Fachautor berichtet, die Brennerei beziehe ganze Fässer aus Kentucky statt Fassdauben, wodurch Farbe und Aroma schneller auf das Destillat übergingen. Das erklärt, warum der Whisky trotz seiner Jugend eine gewisse Fassprägung zeigt, ohne ins Holzige zu kippen.

Herstellung: Gerste, Quellwasser, zwei Brennblasen

Die Gerste stammt laut Wikipedia aus der Region, das Wasser aus einem Grundwasserleiter unter dem Brennereigelände. Zwei Brennblasen sind im Einsatz, die Kapazität liegt bei über 80.000 Litern reinem Alkohol im Jahr. Mehr technische Details wie Gärzeit, Hefe oder Schnitte konnten wir nicht belegen und lassen sie deshalb offen. Belegt ist, dass der Whisky nach Brennereiangaben vor Ort abgefüllt wird und die Marke damit überschaubar bleibt.

Wesentlich ist die Abgrenzung zum „Smokey“: Der Original wird aus ungetorftem Malz hergestellt, deshalb spielt Rauch hier keine Rolle. Der Charakter entsteht aus dem Destillat und dem Fass, nicht aus Torf oder Weinholz.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Helles bis mittleres Gold, natürliche Farbe.
  • Nase: Honig, Malz und Getreide, dazu Vanille, Birne und roter Apfel; die Herstellerbeschreibung spricht von Vanille und tropischer Frucht.
  • Gaumen: Cremig mit Vanilleeis, Nüssen, Schokolade und Zitrusnoten, bei einigen Testern auch Banane, Ananas und Kekse.
  • Abgang: Mittellang bis lang, trocken und sauber, mit Gerste, Vanille, leichtem Eichenholz und einer Spur Salz.

Der Original ist ein leichter, süffiger Malt mit guter Balance. Die Fassnote bleibt freundlich, die Süße wirkt nicht aufgesetzt, und das Mundgefühl ist angenehm weich. Für 43 % Vol. hat er gerade genug Körper, um nicht dünn zu wirken, ohne dass er die Tiefe älterer Malts erreicht.

Genuss-Empfehlung

Pur im Tulpenglas oder kleinen Tumbler, bei Zimmertemperatur und gern mit einem kleinen Schuss Wasser, wenn man die Fruchtseite betonen möchte. Als Highball mit Sodawasser und Zitronenzeste gelingt er ebenfalls, ein Old Fashioned mit Orangenbitter funktioniert dank der Vanillenote. Zum Essen passen Cheddar, Apfelkuchen mit Vanillesauce, Shortbread, Nüsse und geräucherter Lachs. Wer englischen Whisky verschenken möchte, ist mit diesem Malt gut beraten, weil er unspektakulär, aber gefällig ist.

Einordnung & Alternativen

  • Cotswolds Single Malt: Der englische Vergleich mit Floor-Malting-Gerste und Rotweinfässern, etwas fruchtiger und kräftiger.
  • Penderyn Legend: Ein walisischer Single Malt, der ähnlich leicht, aber anders gebrannt ist.
  • St. Kilian Classic: Ein deutscher Malt für den Blick auf die junge kontinentale Szene.

Fazit

The English Original ist ein ehrlicher, zugänglicher Single Malt aus einer der Pionierbrennereien der neuen englischen Whiskyszene. Er richtet sich an Einsteiger und alle, die englischen Whisky ohne Experimente probieren wollen. Weil er sauber gemacht, nicht kühlgefiltert und angenehm ausgewogen ist, ihm aber das letzte Maß an Tiefe fehlt, vergeben wir 3,8 Punkte.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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