Penderyn Legend – Der Alltags-Malt mit Madeira-Finish
Der Penderyn Legend ist der zugänglichste Einstieg in den walisischen Single Malt aus dem Süden von Wales. Er gehört nicht zur teureren Kernlinie der Brennerei, sondern zur Dragon-Reihe, die der Hersteller ausdrücklich als einfachen Weg in den walisischen Whisky beschreibt. Der Spirit reift zunächst in Bourbonfässern und bekommt dann ein Finish in Madeirafässern.
Im Glas ist er entsprechend leicht: Obst, Vanille und eine milde Süße stehen vorn, Rauch spielt keine Rolle. Wer Whisky nicht mit Wucht verbindet, sondern mit Trinkfluss, findet hier eine Abfüllung, die nicht anstrengt. Wer Tiefe sucht, sollte die Erwartungen dagegen niedrig ansetzen.
Geschichte: Die Dragon-Reihe
Die Geschichte der Brennerei selbst, von der Wiederbelebung der walisischen Whisky-Tradition bis zu den heutigen Standorten, haben wir bereits im Porträt beschrieben. Hier geht es um die Linie, zu der der Legend gehört. Nach Angaben der Brennerei führte Penderyn 2015 die Dragon-Reihe mit drei Abfüllungen zu je 41 % Vol. ein: Legend mit Madeira-Finish, Myth (laut Brennerei der erste Penderyn, der ausschließlich in Bourbonfässern reift) und Celt mit einem Finish in getorften Fässern. Das Drachenmotiv auf dem Etikett bezieht sich auf das walisische Wappentier.
Im Jahr 2023 überarbeitete Penderyn die Reihe: neue Etiketten, eine leichtere Flasche und ein leichterer Karton, begründet mit geringerem Materialeinsatz und besserer Umweltbilanz. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Penderyn Distillery.
Der Legend im Speziellen
Der Legend trägt keine Altersangabe. Die ältere Dragon-Abfüllung lief mit 41 % Vol., für den US-Markt mit 43 %. Der aktuelle Legend in der neuen Aufmachung wird nach der Produktseite des Herstellers mit 40 % Vol. abgefüllt, auch einige Händler und Tester nennen diesen Wert. Wer eine ältere Flasche im Regal findet, kann deshalb 41 % auf dem Etikett lesen; für die hier beschriebene aktuelle Abfüllung gilt 40 %.
Zur Kühlfiltrierung und zur Färbung macht der Hersteller auf den von uns geprüften Seiten keine Angabe. Ein US-Importeur bezeichnet die dortige 43-%-Version als nicht kühlgefiltert, wir führen das als Händlerhinweis, nicht als gesicherte Herstellerangabe. Mehr dazu, warum diese Frage für Aroma und Optik relevant ist, steht in unserem Beitrag zu Kühlfiltrierung und Naturfarbe.
Im Sortiment liegt der Legend damit klar unter dem Penderyn Madeira mit 46 % Vol. Beide nutzen Madeira-Fässer, doch der Legend ist die leichtere, mit weniger Alkohol abgefüllte Variante desselben Gedankens.
Herstellung: Ein Durchgang, zwei Fasstypen
Der Spirit stammt aus der Faraday-Brennblase: einer Kupferanlage, in der Pot Still und Kolonne kombiniert sind und die Destillation in einem Durchgang ein sehr starkes, sauberes Destillat von rund 92 % Vol. liefert. Das Ergebnis ist leicht und fruchtig und nimmt den Charakter des Fasses entsprechend deutlich an.
Die erste Reifung findet in ehemaligen Bourbonfässern statt. Danach folgt das Finish in Fässern, die zuvor Madeira enthielten. Die Brennerei nennt für ihre Bourbonfässer als Herkunft vor allem Buffalo Trace, teils auch Evan Williams, und für das Finish portugiesische Barriques. Ob genau diese Fässer in den Legend gehen, geben die Produktseiten nicht an. Auch die Dauer des Finish ist nicht belegt, wir spekulieren darüber nicht. Allgemeines zu Brenn- und Reifeprozessen erklären wir unter Wie wird Whisky hergestellt und Fassreifung.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold mit warmen Bernsteinreflexen.
- Nase: Frischer Apfel und Zitrus, Sahnefudge, Sultaninen und Vanille; mit etwas Zeit kommen Birne, Honig und ein Hauch Gebäck dazu.
- Gaumen: Weich und leicht, mit zurückhaltender Süße, Kernobst und Trockenfrucht. Eine kleine Bitternote hält die Süße im Zaum.
- Abgang: Beim Hersteller als lang beschrieben, mit Madeirakuchen und Sultaninen. Einzelne Tester empfinden ihn kürzer und würziger, mit Backgewürz, Pfeffer und Ingwer.
Die Meinungen gehen auseinander. Ein Teil der Tester lobt den fruchtigen, sauberen Stil mit weinigem Einschlag, ein anderer findet den Legend dünn, weil das Madeira-Finish die Frische des Destillats eher bremst als hebt. Beide Eindrücke sind plausibel: Bei 40 % Vol. und ohne kräftige Fasswirkung fehlt dem Whisky Körper, dafür ist er ausgesprochen unkompliziert.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas bei Zimmertemperatur zeigt der Legend seine Frucht am besten. Wasser braucht er bei dieser Stärke kaum, ein Eiswürfel ist denkbar, nimmt aber schnell Aroma weg. Wegen der Leichtigkeit passt auch ein Highball mit Ginger Ale oder Soda und einer Apfelscheibe. Zu Speisen passen Apfelkuchen, Rosinengebäck, milder Käse oder Nüsse.
Einordnung & Alternativen
- Penderyn Madeira: Dieselbe Brennerei und dasselbe Finish, mit 46 % Vol. aber deutlich fülliger und dichter.
- Penderyn Peated: Wer sanften Rauch statt Weinfrucht sucht, findet hier die getorfte Seite des Hauses.
- Cotswolds Single Malt: Ein englischer Malt aus Bourbon- und Rotweinfässern, kräftiger und weniger zurückhaltend.
Fazit
Der Penderyn Legend ist ein leichter, fruchtiger Single Malt mit Madeira-Finish, der als Einstieg in walisischen Whisky taugt und sich auch als Highball-Basis anbietet. Wer mehr Konzentration will, greift besser zum Madeira in der Kernlinie. Für den sauberen Stil und die gute Zugänglichkeit, bei begrenzter Tiefe und dünnem Körper, vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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