The Matsui The Peated – Rauch aus der Sake-Region Tottori
Wer bei getorftem Whisky zuerst an Islay denkt, muss bei diesem Namen umdenken: The Matsui The Peated kommt von der Sake- und Shochu-Brauerei Matsui Shuzo aus der Präfektur Tottori an der Küste des Japanischen Meeres. Der Single Malt wird mit 48 % vol. abgefüllt, trägt keine Altersangabe und reift laut Handelsangaben in Weißeichenfässern, die zuvor Bourbon beherbergten. Auf dem Etikett prangt Hokusais berühmte „Große Welle“. Im Glas steht ein Whisky, der Rauch und Vanille ungewöhnlich ordentlich zusammenführt.
Geschichte: Ein Sake-Haus entdeckt den Single Malt
Matsui Shuzo wurde nach Angaben des US-Importeurs Skurnik im Jahr 1910 gegründet. Das Haus stellte lange Sake und Shochu her und baute sich zuerst als Blender und Reifer von Spirituosen einen Namen. Die Lizenz zur Whiskydestillation erhielt die Brauerei 2015; eigene Brennblasen auf dem Firmengelände in Kurayoshi laufen nach Händlerangaben seit 2017. Die Brennerei liegt am Fuß des Berges Daisen und arbeitet mit Quellwasser aus der Umgebung. Zur Ausstattung gehören zwei japanische Kupfer-Pot-Stills für Whisky, drei kleinere portugiesische Brennblasen dienen vor allem für Gin und Brandy.
Den Ruf des Hauses bei deutschen Whiskyfreunden hat bisher vor allem die Marke Kurayoshi geprägt, zu der unser Artikel zum Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt gehört. Die Serie „The Matsui“ ist der Versuch, daraus eine eigene, sichtbar japanische Single-Malt-Linie zu machen: mit Varianten aus Kirschholz-(Sakura-) und Mizunara-Eichenfässern und eben einer getorften Version.
Der Matsui The Peated im Speziellen
Entscheidend ist der Zusatz „Single Malt“: Nach Angaben des Importeurs wird die Matsui-Serie in der eigenen Brennerei destilliert. Da diese erst seit wenigen Jahren in Betrieb ist, dürfte der Inhalt vergleichsweise jung sein. Eine Altersangabe macht der Hersteller nicht, ebenso wenig Angaben zum Phenolwert oder zur Herkunft des getorften Malzes. Eine Einordnung solcher Werte liefert unser Beitrag Getorfter Whisky erklärt: Phenol-ppm.
Auffällig ist der Stil: Der Rauch bleibt eher mild und holzig, nicht medizinisch-maritim. Nach Darstellung des Importeurs will das Haus Whisky machen, der von vielen Menschen genossen werden kann; die Peated-Variante ist dafür eine Art Einstieg in rauchige Stilistik, ohne gleich die Islay-Wucht aufzufahren.
Herstellung: Junge Brennerei, viele Fassexperimente
Weil der Whisky noch jung ist, experimentiert das Haus nach Händlerangaben viel mit der Reifung. Neben Weißeichenfässern kommen Mizunara- und Sakura-Fässer zum Einsatz, außerdem testet die Brennerei Fässer, die zuvor Wein und Sherry enthielten, und plant Mehrfach-Finishes. Die Peated-Variante reift dagegen im klassischen Bourbonfass. Das lässt dem Torf Raum und hält die Eiche eher im Hintergrund; bei jungem Destillat ist das ein sinnvoller Ansatz, weil kräftige Fassnoten den Rauch schnell überdecken könnten. Die Abfüllstärke von 48 % vol. sorgt zusätzlich dafür, dass die Aromen deutlich tragen.
Verkostungsnotiz
Die folgende Beschreibung stützt sich auf Herstellerangaben und veröffentlichte Verkostungsnotizen, z. B. von Master of Malt und dem Blog Whiskysaga.
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Frisches, geröstetes Malz, erdiger Torf und Rauch, dazu etwas Vanille und leichte Eiche. Mit etwas Zeit wird die Torfnote erdiger.
- Gaumen: Cremig und rund: geröstetes Eichenholz, brauner Zucker, Vanille und ein wenig Obstgarten-Frucht, umhüllt von aschigem Rauch. Dazu kommen trockene Töne wie kalte Asche und dunkle Schokolade.
- Abgang: Mittellang, leicht trocken. Holzrauch und Apfel, später Vanille, Mandelmasse und eine Spur Muskat.
Genuss-Empfehlung
Die 48 % vol. tragen den Whisky gut, trotzdem lohnt sich ein Schuss stilles Wasser: Er öffnet die Vanille und lässt die Torfnote ruhiger wirken. Serviert wird bei Zimmertemperatur in einem Glas mit enger Öffnung, das den Rauch bündelt. Wer Experimente liebt, kann ihn anstelle von Islay-Malt als Schwimmer im Penicillin verwenden, wo er mit Zitrone und Ingwer eine leichtere Rauchnote beisteuert.
Kulinarisch passt der Matsui zu Gerichten, die selbst Röstaromen mitbringen: geräucherter Lachs, gegrillter Aal, Yakitori mit Salz oder ein Stück Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil.
Einordnung & Alternativen
- Nikka Yoichi Single Malt – der etablierte rauchige Japaner, kantiger und maritimer als der sanftere Matsui.
- Akashi White Oak Single Malt – ein Single Malt aus Japans ältester lizenzierter Destillerie, mit kaum Rauch und deutlich mehr Vanille und Frucht.
- Penderyn Peated – der internationale Vergleich: zarterer Rauch bei 46 % vol., dafür etwas mehr Frucht.
Fazit
The Matsui The Peated ist ein ordentlicher, runder Rauch-Malt, der eher durch Zurückhaltung als durch Kraft überzeugt. Veröffentlichte Tests sehen ihn solide, aber ohne große Überraschung: Ein Verkoster nannte ihn „neat and tidy“ und vergab 81 von 100 Punkten. Das passt zum Charakter: Wer einen sauber gemachten, milden Torf-Whisky aus Japan sucht, wird gut bedient. Für Liebhaber kantiger Rauchbomben gibt es Kräftigeres; für Einsteiger ins Thema „Japan und Torf“ ist der Matsui dagegen ein zugänglicher Weg. Als Werkschau einer Sake-Brauerei, die gerade lernt, wie Whisky geht, ist er außerdem eine spannende Momentaufnahme.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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