Penderyn Peated – Walisischer Single Malt mit Rauch aus dem Fass
Der Penderyn Peated ist ein walisischer Single Malt, der seinen Rauch nicht aus getorfter Gerste bezieht, sondern aus dem Holz. Das Destillat ist das gewohnt leichte, fruchtige Penderyn-Distillat, der Torfcharakter kommt erst bei der Reifung hinzu. Das Ergebnis ist ein Whisky, der eher "mit Rauch gewürzt" als wirklich rauchig ist.
Wer von Islay-Wuchtbrummern kommt, sollte die Erwartungen deshalb justieren. Wer dagegen einen leichten Einstieg in torfige Aromen sucht, findet hier eine ungewöhnliche, gut trinkbare Variante aus einem Land, das als Whiskynation erst seit wenigen Jahrzehnten wieder eine Rolle spielt.
Geschichte: Wales als Whiskyland
Wales hatte über ein Jahrhundert lang keine nennenswerte Whiskybrennerei, bis in der Ortschaft Penderyn am Rand der Brecon Beacons ein neuer Anlauf gewagt wurde. Nach Angaben der Brennerei lief der erste Destillatstrom am 14. September 2000. Die ersten Flaschen kamen am 1. März 2004, dem St.-Davids-Tag, auf den Markt, dem walisischen Nationalfeiertag. Die Gründungsgeschichte wird in den Quellen unterschiedlich datiert, sicher ist: Aus einer Idee unter Freunden wurde eine Brennerei, die den walisischen Single Malt wieder etabliert hat.
Das Besondere an Penderyn ist die Technik. Statt einer klassischen schottischen Brennblase kommt eine Faraday-Still zum Einsatz, die der Wissenschaftler Dr. David Faraday entwickelt hat: eine Pot Still mit aufgesetzter Kolonne, die in einem Durchgang ein sehr hochprozentiges, sauberes Destillat liefert. Später kamen zusätzliche Brennblasen hinzu, doch die Faraday-Still bleibt das Markenzeichen. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Penderyn Distillery.
Der Peated im Speziellen
Der Peated gehört zur Gold-Reihe von Penderyn und wird mit 46 % Vol. abgefüllt. Er trägt keine Altersangabe. Nach Händlerangaben ist er nicht kühlfiltriert und ohne Farbstoff abgefüllt, was bei 46 % zum Stil der Marke passt.
Das Rauchige entsteht über die Fassreifung: Der Whisky reift zunächst in ehemaligen Bourbonfässern, die ihm Vanille und Fruchtigkeit mitgeben, und kommt danach in Fässer, in denen zuvor getorfter Whisky lag. Welche Fässer das genau waren, wird unterschiedlich beschrieben. Händler sprechen von Islay-Fässern, einzelne Tester nennen kleine Viertelfässer eines bekannten Islay-Hauses. Belegt ist nur die Grundlinie: Der Torf stammt aus der Fassvorbelegung, nicht aus der Gerste.
Herstellung: Faraday-Still und zweite Reifung
Die Würze wird aus Gerstenmalz hergestellt und in der Faraday-Still gebrannt. Das Destillat fällt dabei mit sehr hoher Stärke an, was einen leichten, klaren Spirit ergibt. Dieser Charakter ist die Bühne für alles, was danach kommt, und erklärt, warum auch ein Fassfinish bei Penderyn so deutlich durchscheint.
Die Reifung in zwei Schritten ist bei Penderyn Programm: Bei den Madeira-Abfüllungen folgt auf Bourbonfässer die Zeit im Madeirafass, beim Peated übernimmt diese Rolle das Fass mit Rauchvergangenheit. Zur Dauer der einzelnen Reifephasen liegen keine verlässlichen Angaben vor.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Strohgelb bis Heu, natürliche Farbe.
- Nase: Süßlicher, aromatischer Rauch über grünem Apfel, Zitrone und Vanille. Je nach Tester kommen Obstgarten, Holzrauch und eine leicht mineralische Note dazu. Mit etwas Zeit im Glas tritt der Torf stärker hervor.
- Gaumen: Leichter Körper, zitronig und fruchtig mit Vanille und einer Bananen-Süße vom Destillat. Der Rauch bleibt zurückhaltend und trocken.
- Abgang: Mittellang, mit ausklingendem Rauch, Vanille und leichter Würze.
Die Tester sind sich nicht einig. Manche loben die ungewöhnliche Kombination aus fruchtigem Spirit und sanftem Rauch, andere empfinden den Whisky als jung und dünn oder finden den Torf kaum wahrnehmbar. Beides ist nachvollziehbar: Der Peated ist ein Whisky für Neugierige, kein Rauchmonster.
Genuss-Empfehlung
Ein Tulpenglas bringt die feinen Aromen am besten zur Geltung. Pur genießen, dann einen oder zwei Tropfen Wasser dazugeben, damit sich Zitrone und Vanille öffnen. Eis würde die zarten Rauchnoten eher verdecken.
Zu Speisen passt der Peated gut zu mildem Räucherfisch, Ziegenkäse oder einem Apfelkuchen mit Zimt. Für einen Highball mit Ginger Ale ist er dank seiner Leichtigkeit ebenfalls geeignet.
Einordnung & Alternativen
- Penderyn Madeira: Dieselbe Brennerei ohne Rauch, dafür mit süßer Weinfruchtigkeit, ein direkter Vergleich der beiden Fassphilosophien.
- Teeling Blackpitts Peated: Ein irischer Single Malt mit getorftem Malz, deutlich rauchiger und kräftiger.
- Mackmyra Svensk Rök: Die schwedische Rauchvariante, ein spannender Kontrast innerhalb des europäischen Whiskys abseits von Schottland.
Fazit
Der Penderyn Peated ist kein Whisky für Torffans mit Islay-Gaumen, sondern ein leichter, fruchtiger Single Malt mit Rauch als Gewürz. Er überzeugt als ungewöhnlicher Einstieg in rauchige Aromen und als interessanter Baustein für alle, die walisischen Whisky kennenlernen wollen. Wegen der teils dünnen Struktur und des zurückhaltenden Torfs, aber auch wegen des eigenständigen Profils vergeben wir 3,5 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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