Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt – fruchtiger Malt-Blend aus Tottori
Der Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt ist ein reiner Malt-Blend des Hauses Matsui Shuzo aus der Präfektur Tottori, abgefüllt mit 43 % vol. Er gehört zu den leichteren, fruchtigen Vertretern unter den japanischen Malts und fällt vor allem durch seine Zugänglichkeit auf: viel Apfel, Honig und Vanille, wenig Rauch, kaum Kanten.
Zugleich ist er ein Beispiel dafür, dass „japanisch“ auf dem Etikett nicht automatisch heißt, dass jeder Tropfen in Japan gebrannt wurde. Wie der Kurayoshi 8 genau zusammengesetzt ist, wird in den Quellen unterschiedlich dargestellt, und dazu kommen wir weiter unten.
Geschichte: Ein Shochu-Haus entdeckt den Whisky
Matsui Shuzo wurde nach Firmenangaben 1910 in Tottori gegründet, an der Küste des Japanischen Meeres. Das Unternehmen stellt traditionell Sake und Shochu her. Whisky ist ein junger Zweig: Eine Brennlizenz erhielt Matsui nach den vorliegenden Berichten 2015, und die eigene Destillation in der Kurayoshi Distillery begann nach Darstellung eines Fachblogs 2017, zunächst mit drei kleinen Pot Stills mit je 1.000 Litern, später kamen größere Brennblasen hinzu.
Die Brennerei liegt am Fuß des Berges Daisen. Das dortige Grundwasser nutzt das Haus zur Verdünnung auf Trinkstärke; es gilt als weich und mineralarm. Wegen der kleinen Produktion ist die Menge der Marke Kurayoshi begrenzt.
Der Kurayoshi 8 Jahre im Speziellen
Die Abfüllung trägt eine Altersangabe von acht Jahren und wird als „Pure Malt“ geführt. Das bedeutet hier eine Mischung ausschließlich aus Malt-Whiskys, ohne Grain-Anteil. Als Fassart wird in den Produktbeschreibungen Ex-Bourbon-Eiche genannt; die Reifung dauert mindestens acht Jahre. Ein Importeur gibt außerdem an, dass der Whisky nicht kühlgefiltert wird. Wir führen das als Händler- beziehungsweise Importeurangabe, weil wir keine entsprechende Aussage auf einer Herstellerseite gefunden haben.
Achtung bei der Stärke: Von der Marke gibt es mehrere Kurayoshi-Abfüllungen mit acht Jahren, darunter eine Sherry-Cask-Variante, die mit 46 % vol. geführt wird. Die hier besprochene Flasche ist die Pure-Malt-Ausführung mit 43 % vol.
Herstellung: Woher stammt der Malt?
Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Mehrere Händler und Fachbeschreibungen sprechen von einer Mischung aus zugekauftem schottischem Malt und japanischem Whisky. Ein Importeur beschreibt den 8-Jährigen dagegen als Zusammenstellung aus ausschließlich in Japan destillierten Malts. Ein Fachblog berichtet, das Unternehmen räume selbst ein, dass Malt für seine frühen Abfüllungen importiert wurde.
Rechnerisch spricht einiges für die Skepsis: Da die eigene Destillation nach den vorliegenden Angaben 2017 begann, kann ein Whisky mit der Altersangabe „8 Jahre“ in den ersten Jahren nach seiner Einführung nicht vollständig aus Kurayoshi-Destillat bestanden haben. Gesichert ist, dass die Reifung und Vermählung in Tottori stattfinden. Ob sich die Zusammensetzung inzwischen geändert hat, lässt sich aus den Quellen nicht ablesen. Der Hintergrund, warum solche Fragen bei japanischem Whisky eine Rolle spielen, steht im Artikel über die Etikettenregeln für japanischen Whisky.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Süß und fruchtig, mit weißer Birne, Apfel, Vanille und Honig, dazu Müsli, Malz und ein Hauch Nuss.
- Gaumen: Weich, mit Honig, Aprikose und gekochtem Apfel, begleitet von Zimt und Muskat. Der Körper ist eher leicht.
- Abgang: Mittellang, leicht würzig und mit trockener Malznote.
Die Beschreibungen verschiedener Verkoster ähneln sich weitgehend: ein sauberer, gefälliger Malt ohne große Brüche, der manchen etwas mehr Körper schuldig bleibt. Gerade wegen der fehlenden Kanten ist er ein ruhiger Alltagswhisky.
Genuss-Empfehlung
Im Nosing-Glas oder kleinen Tumbler wirkt der Kurayoshi am besten, ein paar Tropfen Wasser öffnen die Fruchtseite. Als Highball mit Soda und einer Scheibe Apfel oder Zitrone bleibt der Charakter erhalten, ohne zu verschwinden. Zum Essen passen Geflügel, helle Fischgerichte, Camembert und Aprikosen- oder Apfelkuchen.
Einordnung & Alternativen
- Hatozaki Pure Malt Whisky: Ebenfalls ein Malt-Blend eines Sake-Hauses mit unklarer Malt-Herkunft, aber mit 46 % vol. und leichtem Rauch.
- Nikka Taketsuru Pure Malt: Der bekanntere japanische Pure Malt, bei dem die Herkunft der Malts klarer dem Haus Nikka zugeordnet ist.
- Akashi White Oak Single Malt: Ein Single Malt einer kleinen Brennerei, geeignet als Vergleich bei Preisklasse und Stil.
Fazit
Der Kurayoshi 8 Jahre Pure Malt ist ein weicher, fruchtiger Malt-Blend für alle, die einen leichten, unkomplizierten Whisky mit Honig und Apfel suchen. Im Glas überzeugt er durch Sauberkeit und Harmonie, wenn auch ohne große Tiefe. Wer Wert auf eine klare Herkunft der Malts legt, sollte die uneinheitlichen Angaben im Hinterkopf behalten. Für die gefällige Machart und die ordentliche Reifung vergeben wir 3,6 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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