Herstellung des Vecchia Romagna Etichetta Nera:
Die Geschichte der Marke beginnt 1820 mit einem Zuwanderer: Jean Buton, ein aus Frankreich stammender Brennmeister – das Oxford Companion to Spirits and Cocktails verortet seine Herkunft in der Charente, also im Cognac-Land –, gründete in der Emilia-Romagna eine Brennerei, die später unter dem italianisierten Namen Giovanni (Gio) Buton firmierte. Je nach Quelle wird der Standort mit Bologna oder mit dem nahen Ozzano angegeben; Bologna ist bis heute der Bezugspunkt des Hauses. Der Name „Vecchia Romagna“ kam erst später durch eine Neupositionierung des Hauses unter Marchese Filippo Sassoli hinzu, zuvor hieß das Produkt schlicht Cognac Buton. Heute gehört die Marke zur Gruppo Montenegro aus Bologna, die sie nach Angaben des Oxford Companion seit 1999 besitzt; der Firmensitz wird mit Zola Predosa bei Bologna angegeben. Nach Angaben der Gruppe zählt Vecchia Romagna zu den meistverkauften Brandys, die in Italien entstanden sind.
Als Rohstoff dient Trebbiano, die in Italien weit verbreitete Weißweinrebe, die in Frankreich als Ugni Blanc bekannt ist – dieselbe Sorte also, die auch im Cognac die Grundlage bildet. Der Etichetta Nera entsteht aus einem Verschnitt von Destillaten, die sowohl in der kupfernen Brennblase als auch in der kontinuierlichen Kolonne gebrannt werden. Ein Händler beschreibt die Altersspanne der verschnittenen Brände mit 22 Monaten bis fünf Jahren; andere Quellen sprechen vereinfacht von einem Brandy aus rund dreijährigen Destillaten. Gereift wird in zwei Schritten: zunächst in kleinen Barriques aus französischer Eiche, anschließend in großen Fässern aus slawonischer Eiche.
Verkostung des Vecchia Romagna Etichetta Nera:
Im Glas leuchtet der Brandy in einem warmen Goldkupfer. Die Nase wirkt fruchtig und würzig zugleich: Beschrieben werden reife Birne, Aprikose und exotische Anklänge von Papaya oder Ananas, begleitet von Vanille, Zimt und Nelke, in manchen Notizen auch Kakao und Muskat. Am Gaumen zeigt sich der Etichetta Nera rund und milde – gekochter Apfel, Quitte und Birne treffen auf Marzipan und eine leichte Röstnote. Die Süße bleibt moderat, die Eiche deutlich zurückhaltend und eher gewürzig als holzig; Kräuteriges spielt praktisch keine Rolle. Der Abgang ist mittellang, weich und läuft in einer warmen, leicht herbwürzigen Nelkennote aus. Bei 38 % vol. fehlt ihm die Wucht eines Armagnacs oder älteren Cognacs, dafür ist er unkompliziert und sehr gut trinkbar. Falstaff vergab 2017 immerhin 88 Punkte.
Steckbrief Vecchia Romagna Etichetta Nera:
Alkoholgehalt: 38 % vol. (in einzelnen Märkten und Großflaschen auch 40 % vol. gelistet)
Typ: Italienischer Brandy aus Trebbiano-Wein
Fassreifung: Barriques aus französischer Eiche, danach große Fässer aus slawonischer Eiche
Hersteller: Montenegro S.r.l. (Gruppo Montenegro), Zola Predosa bei Bologna, Italien
Herstellung im Detail: Zwei Brennverfahren, zwei Fassgrößen
Das Besondere am Etichetta Nera ist weniger ein einzelner Kunstgriff als die Kombination zweier gegensätzlicher Techniken. Die Kolonnendestillation liefert ein sauberes, leichtes und fruchtiges Destillat, das sich schnell entwickelt. Die Brennblase aus Kupfer, laut Oxford Companion nach Charentais-Vorbild gebaut, bringt dagegen Schwere, Textur und die Fähigkeit mit, sich über Jahre im Holz zu entfalten. Beide Brände reifen getrennt und werden erst danach zusammengeführt; der Hersteller spricht deshalb von doppelter Destillation und doppelter Reifung. Im Massenmarkt für Brandy ist das eine bewusste Entscheidung für mehr Tiefe, denn viele Marken kommen mit einem einzigen Verfahren aus.
Die zweite Weichenstellung betrifft das Holz. In kleinen Barriques mit rund 400 Litern ist der Kontakt zwischen Spirituose und Eiche intensiv: Vanille, Gewürze und Röstaromen gehen rasch über. In den großen Fässern der slawonischen Eiche mit vier- bis fünftausend Litern bleibt der Holzeinfluss dagegen sanft, das Destillat kann runder werden, ohne zu viele Gerbstoffe aufzunehmen. Nach dem Verschnitt ruht der Brandy laut einem Händler mindestens drei Monate vor der Abfüllung. Ein Cognac mit Herkunftsschutz ist der Brandy dennoch nicht: Es gibt keine Cru-Vorgabe, keine Altersklassen wie VS oder VSOP, und die Rohstoffe stammen aus Italien statt aus der Charente. Wer den Unterschied nachlesen möchte, findet ihn im Beitrag zu Cognac und Armagnac und im Überblick Wie wird Cognac hergestellt?.
Genuss-Empfehlung
- Pur im Tulpenglas: Bei Zimmertemperatur kommen Birne, Zimt und Nelke am besten zur Geltung. Der moderate Alkoholgehalt macht ihn auch für Einsteiger angenehm.
- Auf Eis: Ein großer Eiswürfel dämpft die Süße und bringt die Gewürze nach vorn – hier ist die Abfüllung unempfindlicher als manch feiner Cognac.
- Mit Tonic oder Ginger Ale: Der fruchtige Kern verträgt Longdrink-Verdünnung gut; eine Zitronenzeste sorgt für Frische.
- Zum Dessert: Zu Tiramisu, Mandelgebäck oder gebackenen Birnen spiegelt der Brandy die Röst- und Fruchtnoten.
- Im Kaffee: Ein Schuss im Espresso entspricht dem italienischen „caffè corretto“, bei dem üblicherweise ein Digestif im Kaffee landet.
In Italien ist Vecchia Romagna traditionell ein alltäglicher Digestif und Küchenbrandy, kein Sammlerobjekt. Genau so sollte man ihn einordnen: ein verlässlicher, weicher Brandy mit würzigem Charakter, dessen Stärke in der Zugänglichkeit liegt, nicht in der Komplexität. Wer mehr Struktur sucht, findet sie in den älteren Reserven des Hauses oder bei Armagnacs.
Einordnung & Alternativen
- Asbach Uralt – ebenfalls ein 38-prozentiger Einstiegs-Brandy; der deutsche Weinbrand wirkt süßer und honigartiger, der italienische dagegen würziger mit mehr Nelke und Zimt.
- Torres 10 Gran Reserva – spanischer Brandy mit Solera-Reifung, deutlich dunkler und süßer, dafür in einer höheren Preisklasse angesiedelt.
- E&J VS Brandy – kalifornischer Einstiegs-Brandy, vor allem als Mixbasis gedacht; Vecchia Romagna bietet dagegen mehr Gewürztiefe und eine deutlichere Fassprägung.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Ähnliche Cognac & Brandy-Verkostungen

Asbach Uralt
Honigblüten und reife Erdbeere in der Nase, am Gaumen Vanille, Karamell und dunkle Fruchtnoten — fruchtiger und zugänglicher als klassischer Cognac.

Baron de Sigognac VSOP Bas-Armagnac
Pflaume, Veilchen und Feige aus dem Bas-Armagnac: ein literarischer Markenname und eine der erkennbarsten Flaschen der Region.

Camus VS Elegance
Floral-fruchtig statt neutral-jung: Camus bringt die typische Borderies-Blumigkeit schon in die VS-Einstiegsklasse.

Camus VSOP Elegance
Ausgeprägt blumig durch hohen Terpenol-Gehalt der Borderies-Lagen — tropische Frucht trifft weiße Blüten, zugänglicher als reine Terroir-Abfüllungen.