Green Spot – Dublins historischer Pot-Still-Klassiker
Der Green Spot wird wie der Redbreast in der Midleton Distillery gebrannt, hat seine Wurzeln aber im Dubliner Weinhandel: Ursprünglich wurde er exklusiv für den traditionsreichen Weinhändler Mitchell & Son in Dublin abgefüllt, der junge Fässer bei Midleton einlagerte und mit einem farbigen Punkt ("Spot") auf dem Fassboden markierte — je nach Reifedauer grün, gelb, rot oder blau. Der Green Spot ist der bekannteste und meistverfügbare dieser historischen "Spot"-Whiskeys.
Wie beim Redbreast handelt es sich um einen Single Pot Still Whiskey, gebrannt aus einer Mischung von gemälzter und ungemälzter Gerste und dreifach destilliert, was für die charakteristische ölig-würzige Textur sorgt. Gereift wird der Green Spot in einer Kombination aus Bourbon- und Sherryfässern.
Geschichte: Vom Bäckerladen zum legendären Weinhändler
Die Wurzeln von Mitchell & Son reichen zurück bis 1805, als William Mitchell auf der Dubliner Grafton Street zunächst eine Bäckerei eröffnete. 1887 erweiterte die Familie das Geschäft am Kildare Street um den Handel mit Wein und Spirituosen und begann, Fassware direkt von der Bow-Street-Destillerie des Hauses Jameson zu beziehen, die dann in eigenen, meist zuvor mit Sherry befüllten Fässern bei Mitchell & Son selbst reifte. Zur Kennzeichnung der unterschiedlichen Reifegrade markierte man die Fassböden mit einem farbigen Punkt: Blue Spot (7 Jahre), Green Spot (10 Jahre), Yellow Spot (12 Jahre) und Red Spot (15 Jahre). Von diesen vier historischen Abfüllungen blieb einzig der Green Spot durchgehend in Produktion und wurde zum bekanntesten Vertreter der Reihe. Nachdem Irish Distillers 1971 die letzten Dubliner Destillerien schloss, verlagerte sich die Produktion vollständig nach Midleton in der Grafschaft Cork, wo der Whiskey bis heute gebrannt wird. Erst 2014 kam Green Spot erstmals offiziell in den USA in den Verkauf; zuvor war die Abfüllung über Jahrzehnte praktisch nur in Irland selbst erhältlich. In den vergangenen Jahren hat Irish Distillers zudem die historischen Geschwister wiederbelebt: Yellow Spot kehrte 2012 zurück, Red Spot 2018, Blue Spot 2020 und Gold Spot 2022 — allesamt auf Basis überlieferter Familienrezepte.
Gründung, Besitzer und Hausstil der Brennerei beschreibt das Porträt Midleton Distillery – Irland.
Der Green Spot im Speziellen
Green Spot ist eine Abfüllung ohne feste Altersangabe, komponiert überwiegend aus sieben bis zehn Jahre alten Single-Pot-Still-Whiskeys, die in Bourbon- und historisch auch in Oloroso-, Fino- und Malaga-Sherryfässern gereift sind. Mit lediglich rund 12.000 Flaschen Jahresproduktion zählte Green Spot lange zu den am schwersten außerhalb Irlands zu findenden Whiskeys überhaupt, was seinen Kultstatus unter Kennern irischen Whiskeys zusätzlich befeuerte und ihm über Jahrzehnte hinweg einen fast schon legendären Ruf als Geheimtipp einbrachte. Mit 40 % vol. bewegt sich die Abfüllung in klassischer Standardstärke.
Herstellung: Die Pot-Still-Tradition Irlands
Charakteristisch für Single Pot Still Whiskey ist die Verwendung einer Maische aus gemälzter und ungemälzter Gerste im selben Sudkessel — ein Verfahren, das historisch aus einer im 19. Jahrhundert in Irland erhobenen Steuer auf gemälzte Gerste entstand und den Whiskeys ihre unverwechselbare, leicht ölige und würzige Textur verleiht. Die dreifache Destillation, wie sie in Midleton praktiziert wird, sorgt zusätzlich für einen vergleichsweise weichen, aber dennoch strukturierten Charakter. Anders als bei vielen schottischen Whiskys wird das Malz für Green Spot in gasbefeuerten statt torfbefeuerten Öfen getrocknet, wodurch der markante Rauchcharakter vieler Scotch Whiskys hier komplett fehlt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold.
- Nase: Frisches grünes Apfelaroma, Minze und eine feine Getreidewürze, ergänzt durch einen Hauch Vanille aus den Bourbonfässern.
- Gaumen: Frisch und würzig – grüner Apfel, Gewürze und eine dezente, cremige Süße, typisch für den Pot-Still-Stil, mit einer leichten nussigen Sherry-Note im Hintergrund.
- Abgang: Mittellang, frisch und würzig ausklingend, mit einem letzten Hauch Getreide.
Genuss-Empfehlung
Green Spot zeigt sich am besten pur oder mit einem Tropfen stillen Wassers, das die frische Apfelnote zusätzlich hervortreten lässt. Ein schmales Nosing-Glas konzentriert die Aromen besser als ein breiter Tumbler. Kulinarisch passt der Whiskey hervorragend zu leichten Gerichten wie geräuchertem Lachs, mildem Ziegenkäse oder einem klassischen Irish Stew — Aromen, die seine würzig-frische Grundstruktur unterstreichen, ohne sie zu überdecken. Auch als Basis für einen einfachen Whiskey Sour macht sich seine frische, leicht cremige Textur gut, ohne dass die feinen Pot-Still-Nuancen völlig verloren gehen.
Einordnung & Alternativen
- Teeling Small Batch Irish Whiskey – kein Pot Still, dafür rumfassgereift und süßer, ein etwas anderer Einstieg ins irische Segment.
- Powers John's Lane Release – ebenfalls Single Pot Still, aber kräftiger und sherrybetonter mit höherem Alkoholgehalt.
- Redbreast 12 Jahre Single Pot Still – wie im Fazit erwähnt die gewichtigere, sherryreichere Schwester desselben Stils.
Fazit
Der Green Spot zeigt die frischere, weniger sherrylastige Seite des irischen Single Pot Still Whiskeys — eine hervorragende Ergänzung zum kräftigeren Redbreast 12 Jahre für alle, die die Bandbreite dieser einzigartigen irischen Kategorie erkunden möchten. Preislich bewegt er sich in der Mittelklasse irischer Whiskeys und bietet dafür einen ungewöhnlich eigenständigen, frischen Pot-Still-Charakter. Am besten pur oder mit einem Tropfen Wasser genossen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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