Arran Amarone Cask Finish – Insel-Malt in italienischem Rotwein
Von der Isle of Arran stammt einer der experimentierfreudigsten Single Malts Schottlands: der Arran Amarone Cask Finish. Der ungetorfte Brand aus Lochranza reift zunächst in klassischen Eichenfässern und wird anschließend in Fässern ausgebaut, die zuvor Amarone enthielten – einen kräftigen Rotwein aus dem italienischen Valpolicella. Mit 50 % vol., ohne Kühlfiltrierung und ohne Farbstoff abgefüllt, zeigt er eine rötlich-kupferne Farbe, die allein vom Fass stammt, und eine für Scotch ungewöhnliche Mischung aus roten Beeren, Kirsche und Schokolade.
Geschichte: Die Wiedergeburt des Arran-Whiskys
Auf Arran gab es rund 158 Jahre lang keine lizenzierte Brennerei, nachdem die ursprüngliche Anlage in Lagg im 19. Jahrhundert geschlossen worden war. Das änderte Harold Currie: Der frühere Chivas-Brothers-Manager und Veteran der Landung in der Normandie begann 1993 mit den Planungen, warb Geldgeber und Genehmigungen ein und wählte Lochranza im Norden der Insel nicht zuletzt wegen des Wassers aus. Am 16. Dezember 1994 begann der Bau; zeitweise ruhten die Arbeiten, weil ein Paar Steinadler auf den Felsen über dem Gelände brütete und die geschützten Vögel nicht gestört werden durften. Das erste Destillat lief am 29. Juni 1995, die offizielle Eröffnung folgte am 17. August 1995. 2003 verkaufte Currie seine Anteile und schied aus dem Vorstand aus.
Heute gehört die Brennerei der unabhängigen Isle of Arran Distillers Ltd., die seit 2019 mit Lagg an der Südküste einen zweiten Standort betreibt. Auszeichnungen wie „Scottish Distillery of the Year“ im Jahr 2007 zeigen, dass das junge Haus schnell Anerkennung fand. Mehr zur Brennerei bietet das Porträt Arran Distillery – Isle of Arran.
Der Arran Amarone Cask Finish im Speziellen
Der Amarone Cask Finish gehört zur Reihe der Weinfass-Finishes der Brennerei und war nach Angaben einer Whisky-Datenbank nach den Varianten mit Port- und Sauternes-Finish die dritte Abfüllung dieser Art. Ein Alter nennt Arran nicht. Verkoster berichten, dass der Whisky einige Jahre – häufig genannt werden acht bis neun – in Ex-Bourbon-Fässern reift und danach etwa neun bis zwölf Monate in den Amarone-Fässern verbringt; eine offizielle Bestätigung dieser Zahlen fanden wir nicht. Die Brennerei selbst beschreibt lediglich eine Reifung in traditionellen Eichenfässern, gefolgt vom Finish in Amarone-Fässern eines handwerklich arbeitenden Erzeugers aus dem Veneto.
Amarone wird aus Trauben hergestellt, die vor dem Pressen etwa vier Monate getrocknet werden. Dadurch konzentrieren sich Zucker und Aromen, der Wein wird dicht, rosinig und alkoholstark. Diese Wuchtigkeit gibt das Fass an den Whisky weiter. Die Meinungen darüber, ob das gelingt, gehen allerdings auseinander: Manche Tester loben die gelungene Balance zwischen Malt und Wein, andere finden, dass das Fass das Destillat überlagert, und berichten von Unterschieden zwischen einzelnen Chargen.
Herstellung: Ungetorfter Brand aus Lochranza
Das Wasser stammt aus dem Loch na Davie und läuft über den Easan Biorach zur Brennerei. Vergoren wird in Holz-Washbacks, historisch aus Oregon-Kiefer, mit langen Gärzeiten von typischerweise 65 bis 85 Stunden. In Lochranza arbeiten vier Brennblasen von Forsyths aus Rothes – zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills –, wobei die zwei später ergänzten Blasen nach den originalen Plänen gebaut wurden, damit der Charakter des Destillats unverändert blieb. Lochranza brennt ungetorft; die getorfte Linie wurde mit der Eröffnung von Lagg dorthin verlagert. Auch das Malz wird seit dem Jahr 2000 vor Ort gemahlen.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Rostiges bis rötliches Kupfer.
- Nase: Pochierte Birne, Honig und geröstete Mandeln, dazu Erdbeer- und Brombeermarmelade, ein Hauch Cranberry und Weinbeerenschale; mit Wasser kommen Schokolade und Kaffee hinzu.
- Gaumen: Dunkle Schokolade und Kirsche, Rosinen, gedünstetes Obst und Toffee, außerdem Zimt, ein Hauch von Türkischem Honig und polierte Eiche. Er wirkt weniger süß, als die Nase vermuten lässt, und hat eine leicht samtige Textur.
- Abgang: Mittellang, trocknend und zugleich fruchtig, mit zarter Gewürznote, Milchschokolade, Kirsche und einem Hauch Eichentannin.
Genuss-Empfehlung
Der Amarone Cask Finish wirkt am besten pur bei Zimmertemperatur im Glencairn-Glas; bei 50 % vol. darf es gerne ein kleiner Schluck Wasser sein, der die Schokoladen- und Beerennoten aufschließt. Da der Whisky nicht kühlfiltriert ist, kann er mit Eis oder bei kalter Lagerung leicht eintrüben – geschmacklich ist das unproblematisch, Eis dämpft aber die feinen Aromen. Dazu passen dunkle Schokolade mit Kirsche oder Orange, gereifter Parmesan oder Pecorino und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte: Die Süße und Säure der Speisen spiegeln die Rotweinnoten des Fasses, und der Whisky bleibt dennoch der Hauptdarsteller.
Fazit
Der Arran Amarone Cask Finish ist ein Whisky für Neugierige, die einmal erleben wollen, wie stark ein Weinfass einen leichten, fruchtigen Island-Malt prägen kann. Mit Gesamturteilen von meist rund 85 bis 87 Punkten bei Verkostern liegt er im guten bis sehr guten Bereich, ist aber polarisierend: Wer klassische Bourbon- oder Sherry-Noten sucht, kommt mit den Kernabfüllungen besser zurecht. Den Hausstil ohne Weineinfluss zeigt der Arran 10 Jahre mit Zitrus, Honig und Apfel; mehr Reife und Sherrytiefe bietet der Arran 18 Jahre. Preislich bewegt sich der Amarone in der oberen Mittelklasse, wirkt für einen fassstarken Malt mit 50 % vol. aber nicht überzogen.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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