Bruichladdich fällt auf Islay aus dem Rahmen. Die Brennerei liegt am Westufer des Loch Indaal auf der Halbinsel Rhinns und wurde 1881 von den Brüdern Harvey gebaut. Nach der Stilllegung 1994 wurde sie 2001 unter neuer Führung wiederbelebt, mit der erhaltenen viktorianischen Ausstattung als Herzstück. Auf derselben Anlage entstehen heute drei Malt-Linien: der ungetorfte Bruichladdich, der kräftig getorfte Port Charlotte und der extrem getorfte Octomore. Dazu kommen ein starker Fokus auf die Herkunft der Gerste, Abfüllungen ohne Kühlfiltration und Farbstoff sowie eine eigene Bio-Linie. Seit 2012 gehört die Brennerei zu Rémy Cointreau.
Überblick
- Name: Bruichladdich Distillery
- Ort: Bruichladdich, Isle of Islay, Argyll, Schottland (am Loch Indaal)
- Gegründet: 1881
- Region: Islay (Rhinns, Westküste)
- Besitzer: Rémy Cointreau (seit 2012)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky in drei Stilen (ungetorft, stark getorft, extrem getorft)
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1881 | Die Brüder William, John Gourlay und Robert Harvey gründen die Brennerei |
| 1900er–1940er | Je nach Quelle mehrere zeitweilige Stilllegungen, später wechselnde Eigentümer |
| 1994 | Die Brennerei wird stillgelegt |
| 2000 | Ein Investorenkreis um Mark Reynier erwirbt die Anlage |
| 2001 | Nach der Wiederinbetriebnahme läuft wieder Destillat; Jim McEwan wird Master Distiller |
| 2010/2011 | Eine Lomond Still aus der abgerissenen Brennerei Inverleven wird installiert; auf ihr entsteht ab 2011 der Gin The Botanist |
| 2012 | Rémy Cointreau übernimmt die Brennerei |
| 2020 | Bruichladdich erhält als erste Single-Malt-Brennerei das B-Corp-Zertifikat |
| Heute | Einer der größten privaten Arbeitgeber der Insel, mit eigener Abfüllanlage auf Islay |
Besonderheiten bei der Herstellung
Viktorianische Technik
Bei der Wiederinbetriebnahme 2001 wurde die Anlage zerlegt und wieder aufgebaut, die ursprüngliche viktorianische Ausstattung blieb erhalten. Dazu zählen nach Herstellerangaben eine offene Maische-Pfanne mit rund sieben Tonnen sowie hölzerne Washbacks aus Douglasie. Die Destillation läuft über zwei Wash Stills und zwei Spirit Stills; Angaben zu Größen und Kapazitäten variieren je nach Quelle.
Lomond Still
Die zusätzlich installierte Lomond Still stammt aus der abgerissenen Brennerei Inverleven in Dumbarton. Das Destillat aus dieser verstellbaren Brennblase wird für den Gin The Botanist verwendet.
Gerste und Herkunft
Seit der Wiedereröffnung verwendet Bruichladdich nach eigenen Angaben ausschließlich schottische Gerste. Ab 2004 kam Gerste von Islay hinzu, ab 2005 die Urgetreidesorte Bere Barley, und ab 2003 wurde erstmals Bio-Gerste verarbeitet. Die Farmen werden auf den Verpackungen vieler Abfüllungen genannt.
Drei Stile, ein Haus
Port Charlotte liegt laut Fachquellen bei rund 40 ppm. Octomore reicht bis in extreme Bereiche: Die Edition 17.4 weist nach Herstellerangabe rund 108 ppm aus. Abgefüllt wird nach Herstellerangaben ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| The Classic Laddie | 50 % | Ungetorft, floral, Gerste, Zitrus und mineralische Meeresnote |
| Bruichladdich 18 Jahre | 50 % | Gereifter ungetorfter Malt mit Honig, Frucht und Eichenwürze |
| Port Charlotte 10 Jahre | 50 % | Getorft mit Zitrus, Rauch und süßer Fassnote |
| Port Charlotte 18 Jahre | 51,5 % (Edition 2025) | Gereifte, getorfte Variante mit Rauch und Süße |
| Bruichladdich Organic | je nach Abfüllung | Aus Bio-Gerste, ungetorft, getreidig-fruchtig |
| Octomore | rund 57–61 % (je nach Edition) | Extrem getorft, ölig, süß und kraftvoll |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Bruichladdich The Classic Laddie und Port Charlotte 10 Jahre.
Stil & Wiedererkennungswert
Bruichladdich ist das Gegenmodell zum klassischen Islay-Bild. Der Hausstil des Kernmalts ist ungetorft, floral und fruchtig, mit maritimer Frische statt Rauch. Port Charlotte und Octomore zeigen dagegen, dass dieselbe Anlage extrem getorfte Destillate liefern kann.
Unverwechselbar macht die Brennerei außerdem ihre Haltung: Herkunft der Gerste, offene Angaben zu Fass und Farm und Abfüllung ohne Kühlfiltration und Farbstoff.
Fazit
Bruichladdich ist eine Brennerei für alle, die Islay jenseits des Klischees entdecken wollen, und zugleich für Torf-Fans, die mit Port Charlotte oder Octomore genug Rauch bekommen. Die Geschichte von Stilllegung und Neustart prägt das Selbstverständnis bis heute. Für die Zukunft spricht, dass der Eigentümerwechsel zu Rémy Cointreau den eigenständigen Kurs bislang nicht verändert hat.