Bruichladdich The Laddie Eight – ein junger Islay ohne Torf, dafür mit Alterszahl
Auf einer Insel, die für Teer, Medizin und Lagerfeuer steht, bringt The Laddie Eight ein anderes Bild mit: Der Single Malt von der Westküste Islays wird vollständig ohne Torfrauch hergestellt, reift acht Jahre in amerikanischer und europäischer Eiche und kommt mit 50 % vol. ins Glas. Er wird nach Herstellerangaben weder kühlgefiltert noch gefärbt. Statt einer vagen Marketingformulierung steht die Zahl 8 groß auf dem Etikett – eine bewusste Aussage darüber, wie viel Charakter ein junger Brand mitbringen kann.
Geschichte: Vom Duty-Free-Regal ins reguläre Sortiment
Die Flasche hat eine bemerkenswerte Herkunft. Eingeführt wurde der Laddie Eight im April 2016 als reine Reisehandels-Abfüllung, also zunächst nur für Flughäfen und Duty-Free-Läden; die erste Charge wurde laut Hersteller im März 2008 destilliert und im März 2016 abgefüllt. Entwickelt hat die Mischung nach Herstellerangaben Adam Hannett, seinerzeit Head Distiller des Hauses. Hinter ihm steht eine Destillerie, die 1881 gegründet, 1994 von ihrem Eigentümer stillgelegt und im Dezember 2000 von privaten Investoren gekauft wurde. Seit 2012 gehört sie zur französischen Gruppe Rémy Cointreau. Der Laddie Eight ist im Lauf der Jahre auch jenseits des Reisehandels aufgetaucht; in Deutschland wird er von einzelnen Fachhändlern geführt, die Verfügbarkeit schwankt jedoch spürbar, und mancherorts wird er als knapp gelistet.
Wer sich für Gründung, Eigentümer und das gesamte Sortiment interessiert, findet im Porträt Bruichladdich Distillery – Islay den größeren Zusammenhang.
Der Laddie Eight im Speziellen
Der Eight ist ein Vatting aus Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche; eine genaue Aufteilung nennt der Hersteller nicht. Händler sprechen von Ex-Bourbon- und Ex-Sherryfässern; im Geschmack zeigt sich das als zusätzliche Würze neben der hellen Fruchtseite. Die Abfüllstärke von 50 % vol. ist für eine Kernabfüllung ungewöhnlich hoch und sorgt für Dichte, verlangt aber auch Aufmerksamkeit beim Einschenken. Positioniert ist der Eight als jüngerer Bruder der älteren, teureren Abfüllungen: Er soll zeigen, dass „älter“ nicht automatisch „besser“ heißt, sondern dass frisch-florale Eigenschaften des jungen Destillats gerade in den ersten Jahren am deutlichsten hervortreten.
Herstellung: Warum das Destillat so leicht und trotzdem so präsent wirkt
Der Charakter des Eight entsteht lange vor dem Fass. Gemälzte Gerste wird laut Branchenberichten in einer riemengetriebenen Mühle der Firma Robert Boby geschrotet, die als letzte ihrer Art in Schottland gilt. Anschließend läuft die Maische in einen offenen Maischbottich mit Rührarmen, und die Würze vergärt in großen Holz-Washbacks aus Oregon Pine. Nach einer Beschreibung eines Besuchers dauert die Gärung etwa doppelt so lange wie üblich und kommt mit weniger Hefe aus, was die fruchtigen Ester begünstigt.
Entscheidend ist außerdem die Form der Brennblasen. Die Stills des Hauses gelten als ungewöhnlich hoch mit engem Hals, wodurch nur die leichtesten Dämpfe bis zum Kondensator gelangen; schwere, ölige Bestandteile fallen im Kupfer zurück. Das erklärt, weshalb ein Brand aus dieser Brennerei trotz fehlendem Torfrauch nicht dünn wirkt, sondern klar, zitrisch und leicht cremig. Verdünnt wird die Fassstärke übrigens mit Quellwasser von der Insel, abgefüllt wird auf dem Gelände. Genau darin liegt die Idee des Eight: Er will das Destillat nicht durch langes Holz überdecken, sondern ein Stück weit unverstellt zeigen. Wie weit das gelingt, ist auch Geschmackssache – manchen Testern erschien die Abfüllung etwas „bullig“ und profitierte von Wasser.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles Gold, vom Hersteller mit Zitronenmarmelade verglichen; naturfarben.
- Nase: Frisches Kernobst – Apfel und Birne – dazu Birnendrops, Aprikose, Ananas, Zitrusblüten und gemähtes Gras, im Hintergrund Brioche und gesalzenes Karamell.
- Gaumen: Würzig-süß mit Vanille, Honig, Toffee und etwas Pfeffer; dazu Mango, Pfirsich und Zitrone, eine Prise Salz und mürbe Kekse.
- Abgang: Mittellang, frische Meeresbrise, Heidehonig, Zitrus und Vanille mit einem leicht kräuterigen Ausklang.
Genuss-Empfehlung
Bei 50 % vol. gehört ein kleiner Schluck stilles Wasser dazu: Schon wenige Tropfen lassen die zitrischen und floralen Seiten aufblühen und glätten den Alkohol. Am besten zeigt sich der Eight bei Zimmertemperatur im Tulpenglas, ein Eiswürfel nimmt ihm eher Aroma als er ihm Frische gibt. Als Aperitif an einem Sommerabend passt er zu Meeresfrüchten, Ceviche und gegrilltem weißem Fisch; mit gereiftem Ziegenkäse oder einem Zitronenkuchen greift er die Säure und Cremigkeit auf. Wer erstmals einen ungetorften Islay probieren möchte, kann ihn gut in einer kleinen Vergleichsrunde neben einem Rauchmalt einschenken.
Einordnung & Alternativen
- Bruichladdich The Classic Laddie – die bisherige Kernabfüllung der Marke ohne Altersangabe, nach Herstellerangabe nur aus Bourbonfässern; mit gleicher Stärke von 50 % vol., aber ohne die Zahl auf dem Etikett.
- Arran 10 Jahre – ebenfalls ungetorft und zitrisch-fruchtig, aber von einer anderen Insel, mit 46 % vol. etwas milder abgefüllt und mit Oloroso-Finish.
- Port Charlotte 10 Jahre – dieselbe Destillerie, aber kräftig getorft; zeigt, wie stark der Torf bei gleicher Brennerei den Charakter verschiebt.
Fazit
Der Laddie Eight ist ein gelungener Zugang zu einem Islay-Whisky ohne Rauch: aromatisch, klar, mit viel Frucht und einer Spur Meeresluft, dazu ehrlich mit Altersangabe und in angenehmer Stärke abgefüllt. Wer mit der Torfseite der Insel wenig anfangen kann oder erst einmal vergleichen will, bekommt hier eine nachvollziehbare Alternative. Dass junge Brände bisweilen etwas ungestüm wirken, gehört dazu; mit Wasser und etwas Zeit im Glas rundet sich das Profil. Weil die Verfügbarkeit in Deutschland uneinheitlich ist und der Reiz vor allem im Konzept liegt, bewerten wir ihn mit 4,1 – klar gut, aber keine Offenbarung. Für Einsteiger in die Marke bleibt außerdem der Classic Laddie die naheliegende Alternative, für Rauchfreunde die ältere Schwester Octomore 17.1.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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