Bruichladdich Octomore 17.1 – Der Bezugspunkt der extrem getorften Islay-Reihe
Octomore ist die Marke, mit der Bruichladdich jedes Jahr ausprobiert, wie weit man Torf, Gerste und Fass gegeneinander verschieben kann. Die 17.1 ist der erste Teil der Serie 17, die seit dem 1. September 2026 erhältlich ist. Sie reift fünf Jahre in First-Fill-Bourbonfässern, wird mit 59,7 % vol. abgefüllt und stammt aus Gerste mit 81 ppm. Der Hersteller nennt sie selbst den Referenzpunkt der Serie. Alle anderen Editionen des Jahrgangs lassen sich an ihr messen.
Geschichte: Ein Bauernhof, drei Marken, ein Experiment
Der Name geht auf Octomore Farm zurück, einen Hof oberhalb von Port Charlotte im Rhinns-Gebiet. Dort betrieb die Familie Montgomery nach Angaben der Whiskypedia zwischen 1816 und 1852 eine Brennerei. Die moderne Marke entstand im September 2002, als Mark Reynier und Jim McEwan bei Bruichladdich die erste Charge brannten. Neben den ungetorften Abfüllungen des Hauses, wie dem Bruichladdich Classic Laddie, und dem Port Charlotte 10 Jahre wurde Octomore die dritte Linie. Die erste Abfüllung erschien erst 2008, mit rund 6.000 Flaschen aus Bourbonfässern. Seit 2012 gehört die Brennerei zu Rémy Cointreau, den Rest der Hausgeschichte erzählt das Porträt der Bruichladdich Distillery.
Der Octomore 17.1 im Speziellen
Die Serie 17 trägt den Beinamen „Chromatic Signatures“ und umfasst nach Herstellerangaben vier Abfüllungen. Die 17.1 ist die schlichteste davon, denn sie verwendet ausschließlich First-Fill-Bourbonfässer und schottische Festland-Gerste der Sorte Concerto. Ein Fachbericht nennt als Herkunft die Ernte 2019 und die Destillation im Jahr 2020. Beim Alter sind die Quellen nicht einheitlich: Mehrere Berichte sprechen von fünf Jahren, einzelne Pressetexte nennen keine Zahl. Bemerkenswert ist der Torfgrad. Mit 81 ppm liegt die 17.1 klar unter früheren Referenzeditionen wie der 15.1 mit 108,2 ppm oder der 16.1 mit 101,4 ppm. Wer Octomore bisher für ein reines Rekordprojekt hielt, bekommt hier das Gegenargument: Die Serie lotet nicht nur nach oben aus. Zum Vergleich innerhalb der Serie: Die 17.3 erreicht nach Herstellerangabe 132,1 ppm und nutzt Gerste von Octomore Farm selbst, eine vierte Edition folgte am 1. Oktober zunächst in limitierter Menge auf dem US-Markt.
Herstellung: Was 81 ppm wirklich bedeuten
Die ppm-Zahl beschreibt das Phenol im gemälzten Getreide, nicht den Rauch im Glas. Bei der Destillation geht ein Teil davon verloren, und welche Eindrücke bleiben, hängt von Brennblasen, Schnitten und Fässern ab. Bruichladdich arbeitet mit hohen, schlanken Brennblasen, die nach Whiskypedia schon bei der ersten Octomore-Charge zum Einsatz kamen. Die Grundlagen der Messung erklärt der Ratgeber zu getorftem Whisky und ppm. Für die 17.1 heißt das: 81 ppm sind immer noch deutlich mehr als bei Port Charlotte mit rund 40 ppm, aber weniger als bei allen Rekordeditionen. Die Gerste bleibt dabei ein zentraler Hebel. Die Idee der Serie besteht darin, dass Herkunft der Gerste, Torfgrad und Fasstyp einzeln variiert werden, und die 17.1 ist die Version, in der nur Torf und Bourbonfass wirken. Abgefüllt wird ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff, die Reduktion auf Trinkstärke erfolgt nach Herstellerangaben mit Wasser von Octomore.
Verkostungsnotiz
Hinweis: Die Edition ist erst seit wenigen Wochen erhältlich, unabhängige Langzeitverkostungen liegen kaum vor. Die Beschreibung folgt daher den Angaben des Herstellers und erster Berichte.
- Farbe: Naturfarben ohne Zusatzfarbstoff; ein Bericht zur genauen Tönung liegt nicht vor, bei fünf Jahren Bourbonfass ist eher ein helles Gold zu erwarten.
- Nase: Vanillemilchshake, schottisches Tablet, warme Puddingtörtchen, Birnendrops und Malzsirup, darunter eine rauchige Grundierung.
- Gaumen: Zunächst süße Bourbonfasseiche, die in trockenen, erdigen Rauch, glimmendes Holz und Asche übergeht. Salz schneidet durch die Süße.
- Abgang: Lang, sauber und wärmend, mit Rauch und Salz, die über dem Zucker stehen bleiben.
Genuss-Empfehlung
Bei knapp 60 % vol. lohnt sich Wasser fast immer, zuerst nur ein paar Tropfen aus der Pipette. Dann verlieren die Süße und der erdige Rauch ihre Härte, und die Birnen- und Vanillenoten treten klarer hervor. Ein Tulpenglas bündelt das besser als ein breiter Tumbler, wie der Beitrag zum passenden Whiskyglas zeigt. Eis ist hier nicht sinnvoll, ein Highball ebenso wenig. Zum Essen passen gegrillte Jakobsmuscheln, Rauchkäse oder ein Stück dunkle Schokolade mit Meersalz, also Dinge, die Salz und Rauch aufgreifen, statt mit ihnen zu konkurrieren. Wegen der hohen Abfüllstärke gilt: kleine Mengen, gern zu zweit und mit Zeit.
Einordnung & Alternativen
- Port Charlotte 10 Jahre – die zugänglichere getorfte Linie desselben Hauses, mit rund 40 ppm, 50 % vol. und französischen Weinfässern. Weniger Rauch, mehr Frucht.
- Ardbeg Corryvreckan – ebenfalls kraftvoll mit 57,1 % vol., aber würziger, mit Chili, Pfeffer und Teer im Profil. Die Fassreifung nutzt neue französische Eiche, der Octomore bleibt süßer und klarer.
- Longrow Peated – der getorfte Campbeltown-Malt mit 46 % vol. und Sherryanteil. Er wirkt ölig und cremig, mit Zitrone und Rauch in Wellen, bei deutlich geringerer Stärke.
Fazit
Die Octomore 17.1 ist eine Abfüllung für alle, die verstehen wollen, wie sich Torf und Bourbonfass in reinster Form verbinden, ohne dass ein Finish oder Rekordwert ablenkt. Wer sonst bei Port Charlotte oder Ardbeg zu Hause ist, bekommt hier mehr Süße, mehr Wucht und einen glatten Verlauf, der nach der Zugabe von Wasser deutlich zugänglicher wird. Für Einsteiger ist sie wegen der Stärke weniger geeignet. Die 4.4 spiegelt die saubere Machart und den klaren Charakter wider, abgezogen wird für das Preisniveau, die junge Reife und die dünne unabhängige Verkostungsbasis, die eine endgültige Einordnung noch nicht erlaubt.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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