Die Glengyle Distillery in Campbeltown ist die jüngste der drei aktiven Brennereien der Stadt und zugleich eine der ältesten Anlagen: Gegründet wurde sie 1872, 1925 schloss sie, und erst 2004 lief hier wieder Destillat. Hinter der Wiederbelebung steht die Familie, die auch Springbank betreibt. Ihre Single Malts erscheinen nicht unter dem Brennereinamen, sondern als Kilkerran. Das Ergebnis ist ein handwerklich gemachter Campbeltown-Malt mit Meeresnote, der über Jahre hinweg in öffentlichen „Work in Progress“-Abfüllungen reifte, bevor 2016 der erste reguläre Zwölfjährige erschien.
Überblick
- Name: Glengyle Distillery (Marke: Kilkerran)
- Ort: Campbeltown, Kintyre, Argyll, Schottland
- Gegründet: 1872 (Wiedereröffnung 2004)
- Region: Campbeltown
- Besitzer: Mitchell's Glengyle Ltd, verbunden mit J. & A. Mitchell & Co (Springbank)
- Typ: Single Malt Scotch Whisky, leicht bis stark getorft, nicht kühlgefiltert
Historische Entwicklung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1872 | William Mitchell gründet die Brennerei in Campbeltown (die Bauzeit reicht nach manchen Quellen bis 1873) |
| 1919 | Die West Highland Malt Distilleries übernehmen den Betrieb |
| 1925 | Die Brennerei schließt dauerhaft, die Bestände werden verkauft |
| nach 1925 | Das Gelände dient anderen Zwecken, etwa als Schießstand; Wiederbelebungsversuche scheitern |
| 2000 | Die Familie Mitchell aus dem Umfeld von Springbank kauft die Gebäude und gründet Mitchell's Glengyle Ltd |
| 2004 | Die Produktion startet im März, das erste Destillat entsteht am 25. März |
| 2009 | Mit Kilkerran Work in Progress 1 erscheint die erste Abfüllung der Reihe, die Jahr für Jahr ein Jahr älter wird |
| 2016 | Der Kilkerran 12 Jahre kommt als reguläre Standardabfüllung auf den Markt |
Besonderheiten bei der Herstellung
Warum Kilkerran?
Den Namen Glengyle dürfen die Betreiber für ihren Whisky nicht verwenden, denn die Namensrechte liegen bei Loch Lomond Distillers, die ihn für einen Blended Malt genutzt haben. Als Ausweg wählte man Kilkerran. Der Name geht auf eine alte Bezeichnung für die Siedlung zurück, an deren Stelle heute Campbeltown steht, und verweist auf den heiligen Kieran (auch Kerran geschrieben).
Malz, Anlage und Wasser
Das Malz stammt nach Fachquellen aus der Mälzerei der Schwesterbrennerei Springbank, da Glengyles eigene Mälzböden nicht wieder in Betrieb genommen wurden. Gemaischt wird in einem Semi-Lauter-Bottich. Die beiden Kupferbrennblasen, eine Wash Still und eine Spirit Still, stammen aus der stillgelegten Brennerei Ben Wyvis und wurden für Glengyle angepasst. Das Wasser kommt aus dem Crosshill Loch. Zur Kapazität widersprechen sich die Angaben stark (von rund 170.000 bis 750.000 Litern), sie ist in jedem Fall klein.

Foto: sebastian.b., Glengyle Distillery (9860470604).jpg, via Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Für Gin-Time in der Größe angepasst und als WebP optimiert.
Torf und Fassreifung
Der Standard-Kilkerran ist nur leicht getorft; für die Heavily-Peated-Linie wird kräftiger getorftes Malz verwendet. Der Zwölfjährige reift nach Herstellerangaben zu etwa 70 % in Ex-Bourbon- und zu 30 % in Ex-Sherryfässern. Die Abfüllungen sind in der Regel nicht kühlgefiltert und ungefärbt.
Produkte & Charakter
| Produkt | Alkoholvolumen | Charakteristik |
|---|---|---|
| Kilkerran 12 Jahre | 46 % | Heidehonig, Butterscotch und Shortbread mit Meeresbrise, cremig mit Pfeffer und Zitrusschale |
| Kilkerran 16 Jahre | 46 % (nach Händlerangaben) | Ältere Stufe der Reihe, gleiche Handschrift mit mehr Tiefe |
| Kilkerran 8 Jahre Cask Strength | ca. 55-58 % (je Edition) | Fassstark, jährlich wechselnd als Bourbon- oder Sherryversion |
| Kilkerran Heavily Peated | ca. 57-58 % (je Charge) | Kräftiger Torfrauch mit Zitrus und süßen Marshmallow-Noten |
Aus dieser Brennerei haben wir bereits verkostet: Kilkerran 12 Jahre, Kilkerran 8 Jahre Cask Strength und Kilkerran Heavily Peated.
Stil & Wiedererkennungswert
Kilkerran steht für Campbeltown in seiner handgemachten, ungeschönten Form: ein cremiger, leicht öliger Körper, Honig und Getreide, dazu Salz und eine feine mineralische Note, die Rauch oft nur andeutet. Wer Springbank kennt, erkennt die Verwandtschaft, denn beide Brennereien teilen Eigentümerfamilie, Malzquelle und Philosophie. Glengyle bleibt aber leichter und fruchtiger. Mehr zum Hintergrund der Region steht im Beitrag über Campbeltown, Geschichte und Stil.
Eigen ist auch der Weg an die Öffentlichkeit: Statt einen Whisky nach drei Jahren auf den Markt zu werfen, ließ man die Fans ab 2009 jedes Jahr einen etwas älteren Malt probieren. Das erklärt, warum die Marke zwar jung ist, aber von Anfang an eine treue Anhängerschaft hatte.
Fazit
Glengyle ist die richtige Adresse für alle, die einen mittelschweren Campbeltown-Malt mit Salznote und ohne Marketinglärm suchen. Der Kilkerran 12 ist die naheliegende Einstiegsabfüllung: rund, cremig und mit 46 % gut abgestimmt. Wer mehr Wucht möchte, nimmt den Cask Strength oder den Heavily Peated, die allerdings in wechselnden Chargen erscheinen und nicht immer gleich ausfallen. Als Alternative zum oft knappen Springbank lohnt sich Kilkerran in jedem Fall.

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