Kilkerran Heavily Peated – Der Rauchmalt aus Glengyle
Neben dem sanften Kilkerran 12 gibt es bei der Brennerei Glengyle eine zweite, deutlich lautere Linie: Kilkerran Heavily Peated. Der Whisky trägt keine Altersangabe, kommt bei rund 58 % vol. aus dem Fass in die Flasche und erscheint in nummerierten Chargen, nach Handelsangaben zweimal im Jahr. Torfrauch steht im Vordergrund, begleitet von einer Süße aus Bourbonfässern und einer überraschend zitrischen Frische. Die Stärke schwankt je nach Batch, zuletzt lag sie bei etwa 58 bis 59 % vol.
Geschichte: Ein lange erloschenes Haus lernt Rauch
Glengyle wurde 1872 von William Mitchell gegründet, 1925 stillgelegt und blieb fast achtzig Jahre ohne Destillation. Wiederbelebungsversuche in den 1940er- und 1950er-Jahren scheiterten nach einer Datenbank-Quelle, später dienten die Gebäude als Lager und Büros. Erst als Hedley Wright, Nachfahre der Mitchells und Chef von Springbank, das Gelände im Jahr 2000 erwarb, wurde aus der Ruine wieder eine Brennerei; 2004 begann die Produktion. Warum die Flaschen nicht „Glengyle“ heißen, erklärt der Beitrag zum Kilkerran 8 Jahre Cask Strength.
Bemerkenswert ist, wie schrittweise die Brennerei ihr Programm aufbaute: Die ersten Abfüllungen erschienen ab 2007, es folgten die jährlichen „Work in Progress“-Editionen, jeweils ein Jahr älter, bis 2016 der Zwölfjährige zur Standardabfüllung wurde. Dieselbe Idee wiederholte sich beim Torf: Die Serie „Peat in Progress“ startete 2019 mit zwei Chargen, 2020 kam eine weitere hinzu, und inzwischen liegt das Haus bei der vierzehnten Charge. Zum Hintergrund der Familie siehe das Porträt der Springbank Distillery.
Der Kilkerran Heavily Peated im Speziellen
Es handelt sich um einen Cask-Strength-Malt ohne Altersangabe, ungefärbt und nach Händlerangabe nicht kühlgefiltert. Die Fassrezeptur hat sich über die Chargen verändert: Charge 1 bestand nach Angabe eines Rezensenten aus 55 % Bourbon- und 45 % Sherryfässern, Charge 4 aus 80 zu 20, und seit Charge 7 (September 2022) liegt das Verhältnis laut einem Händler bei 90 % Ex-Bourbon zu 10 % Ex-Sherry. Die aktuelle Charge 14 kommt mit 58,3 % vol. Wer vergleicht, sollte die Chargennummer notieren, denn der Torfeindruck wandert je nach Fassmix zwischen erdig-brennend und süß-rauchig.
Im Haus ist er die Alternative zum leicht getorften Kilkerran 12 Jahre und zum Cask-Strength-Achtjährigen; von der Schwestermarke Longrow Peated unterscheidet ihn vor allem, dass er jünger, ungezähmter und mit Fassstärke abgefüllt wird.
Herstellung: Torf aus der Nachbarmälzerei
Der Torf kommt nicht aus Glengyle selbst, sondern aus der Bodenmälzerei von Springbank, die auch das Malz für die Nachbarbrennerei liefert. Die Angaben zum Phenolgehalt des Malzes gehen auseinander: Zwei Quellen nennen rund 45 ppm, eine ältere Rezension sogar 84 ppm; eine offizielle Zahl haben wir nicht gefunden. Zum Vergleich: Für den normalen Kilkerran werden Werte zwischen etwa 8 und 15 ppm genannt. Destilliert wird zweifach in den beiden Brennblasen der Brennerei, die zu einer Wash Still von 18.000 und einer Spirit Still von 15.000 Litern gehören. Wie solche Zahlen einzuordnen sind, erklärt Getorfter Whisky und ppm erklärt.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold, ungefärbt.
- Nase: Torfrauch wie von einem Lagerfeuer, dazu Zitrone, Limettenkuchen, Toastbrot und Vanille; bei manchen Chargen auch geräucherter Schinken, Kräuter und Honigwabe.
- Gaumen: Rauchig und süß zugleich: geröstete Marshmallows, Glut, Vanillecreme und Bramley-Apfelkuchen mit Salzkaramell, darunter Zitrusfrische. Mit Wasser treten brauner Zucker und Crème brûlée hervor.
- Abgang: Lang, mineralisch und rauchig, mit Eiche, Bleistiftspänen und süßem Torf.
Genuss-Empfehlung
Bei knapp 60 % vol. empfiehlt sich ein Tulpenglas und ein Schuss stilles Wasser, denn ein Rezensent fand den Whisky mit Wasser deutlich besser, weil der Torf sonst viele Nuancen überdeckt. Auf Eis wird er flach und bitter, ein Eiswürfel ist nur im Sommer sinnvoll. Zum Essen passen Räucherlachs, gegrillte Jakobsmuscheln, Rauchkäse oder Schweinebauch vom Grill; die Süße des Whiskys federt die Salzigkeit der Speisen ab. Als Digestif nach einem Barbecue ist er eine gute Wahl.
Fazit
Der Kilkerran Heavily Peated ist kein Whisky für Einsteiger, sondern für alle, die Torf mögen und trotzdem etwas anderes als die Islay-Klassiker suchen: süßer, öliger, weniger medizinisch. Die Wertungen unabhängiger Verkoster bewegen sich zwischen 83 und 88 von 100 Punkten, also ordentlich bis sehr gut, aber nicht jenseits aller Kritik, weil einzelne Chargen sehr „grün“ und rau wirken. Wer zuerst die mildere Seite des Hauses kennenlernen möchte, beginnt mit dem Kilkerran 12 Jahre oder dem Kilkerran 8 Jahre Cask Strength; wer Rauch aus der Nachbarbrennerei will, probiert Longrow Peated. Preislich liegt er in der gehobenen Mittelklasse.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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