Scotch Whisky

Kilkerran 8 Jahre Cask Strength Whisky

4,5/5 Redaktionsbewertung
57.7 % vol.MittelklasseEx-Bourbon- bzw. Ex-Oloroso-Sherryfässer, je nach EditionCampbeltown, Schottland
Scotch WhiskySingle MaltWhisky
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Kilkerran 8 Jahre Cask Strength – Glengyle ohne Verdünnung

Der Kilkerran 8 Jahre Cask Strength ist die unverdünnte, jährlich wechselnde Abfüllung der Brennerei Glengyle in Campbeltown. Er ist acht Jahre alt, wird mit rund 57 % vol. abgefüllt und ist nach Angaben der Händler und Rezensenten weder kühlgefiltert noch gefärbt. Das Besondere: Es gibt ihn nicht als eine feste Rezeptur. In den vergangenen Jahren erschienen getrennte Editionen, entweder aus reinen Bourbonfässern oder aus Oloroso-Sherryfässern. Wer ihn kauft, sollte deshalb aufs Etikett schauen, denn die beiden Varianten schmecken spürbar verschieden.

Geschichte: Von der Ruine zur ersten neuen Brennerei des Jahrtausends

Glengyle wurde 1872 von William Mitchell gegründet, einem Mitglied der Campbeltowner Brennerfamilie, die auch hinter Springbank steht. Die Anlage entstand neben der Brennerei Riechlachan; schon 1873, kurz nach der Fertigstellung, soll ein Sturm das Dach abgedeckt haben. 1919 wurde der Betrieb verkauft, 1923 und 1924 erneut versteigert, und 1925 ging die Produktion zu Ende. Spätere Anläufe, die Brennerei wiederzubeleben, scheiterten; ein Teil der Gebäude diente in den Jahrzehnten danach als Lager und Büro.

Im November 2000 erwarb Hedley Wright, ein Nachfahre der Mitchells und Chef der Familienfirma J&A Mitchell, die Reste des Geländes und gründete die Gesellschaft Mitchell's Glengyle Ltd. Der Wiederaufbau dauerte rund vier Jahre. Nach Angaben einer Brennerei-Datenbank lief das erste Destillat am 25. März 2004 aus den Brennblasen. Damit wurde in Glengyle nach rund achtzig Jahren Stillstand wieder gebrannt. Der Whisky heißt Kilkerran, weil die Rechte am Namen Glengyle bei anderen lagen. Das Haus gehört zur Familie hinter Springbank; deren Geschichte steht im Porträt der Springbank Distillery.

Der Kilkerran 8 Cask Strength im Speziellen

Händlerlisten führen den Cask-Strength-Achtjährigen mindestens seit 2017, wobei er stets als begrenzte Jahresabfüllung erscheint. Die Stärke schwankt mit jeder Edition, in den jüngsten Jahren zwischen etwa 55 und 58 % vol.. Die Fassherkunft wechselt ebenfalls: Eine Edition aus dem Jahr 2018 reifte nach Händlerangabe vollständig in Bourbonfässern, 2019 erschien eine reine Sherryausgabe, und seit einigen Jahren gibt es Bourbon und Sherry nebeneinander. Das ist bunter, als der Name vermuten lässt – ein Grund, warum Liebhaber die Editionen gern nebeneinander verkosten.

Im Hausprogramm steht er zwischen dem milden Kilkerran 12 Jahre bei 46 % vol. und dem deutlich rauchigeren Kilkerran Heavily Peated. Der Achtjährige ist die jüngste Stufe der Kernlinie, zeigt aber gerade dadurch das Destillat ohne viel Holzpolitur.

Herstellung: Gebrauchte Brennblasen, lange Gärung

Glengyle arbeitet mit nur zwei Brennblasen, einer Wash Still mit 18.000 und einer Spirit Still mit 15.000 Litern. Beide stammen nach mehreren Quellen aus der stillgelegten Brennerei Ben Wyvis und wurden für Glengyle umgebaut. Die Maische läuft über einen Semi-Lauter-Maischebottich in vier Gärbottiche aus Lärchenholz mit je 30.000 Litern. Die Gärung dauert zwischen 70 und 110 Stunden, vergleichsweise lang, was nach gängiger Brennereilehre fruchtige Noten begünstigt. Das Gerstenmalz kommt aus der Bodenmälzerei des Nachbarn Springbank und ist nach Quellenlage nur leicht getorft, wobei die genannten Phenolwerte (etwa 8 bis 15 ppm) auseinandergehen. Das Brennwasser stammt aus dem Crosshill Loch, das Fassfüllen erfolgt mit rund 63,5 % vol.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Je nach Edition helles Gold (Bourbon) bis tiefes Bernstein (Sherry), beides ungefärbt.
  • Nase: Bourbonversion: Butterscotch, Custard Cream, Apfelmus und pochierte Birne, dazu Sandelholz und etwas Zigarrenkiste. Sherryversion: Feigen, Rosinen, geröstete Nüsse, Toffee und Lederbuch, dazu verhaltener Rauch und feuchte Erde.
  • Gaumen: Cremig und dicht, bei Bourbon mit Shortbread, Karamellschokolade und Stachelbeere, bei Sherry mit Dattelsirup, schwarzer Johannisbeere und Kirsche; in beiden Fällen schwingt eine salzige Küstennote mit.
  • Abgang: Lang, mit aschigem Rauch, grünem Pfeffer und Honigmelone (Bourbon) beziehungsweise Ingwer, Schokolade, Backgewürz und medizinischem Rauch (Sherry).

Genuss-Empfehlung

Bei über 57 % vol. gehört ein Tropfen stilles Wasser dazu, am besten tropfenweise im Tulpenglas, damit die Aromen aufspringen und die Schärfe weicht. Zimmertemperatur und ein paar Minuten Luft lohnen sich, denn der Rauch kommt erst spät. Mit Eis verliert der Whisky seine Textur. Die Bourbonversion passt zu gereiftem Cheddar, Shortbread oder Crème brûlée; die Sherryversion zu dunkler Schokolade, Walnüssen oder einem würzigen Blauschimmelkäse. Wer einen Abend mit mehreren Drams plant, stellt ihn vor die rauchigeren Abfüllungen.

Fazit

Der Kilkerran 8 Cask Strength ist eine der besten Einstiegsflaschen für alle, die Campbeltown unverdünnt probieren wollen: dicht, öl- und salzig, mit sauberem Fassanteil und nie überladen. Eine Rezension bewertet die Sherryausgabe mit 9 von 10, und auch andere Verkoster loben die Balance. Schwächen sind die schwankende Verfügbarkeit und die von Jahr zu Jahr unterschiedliche Rezeptur, die eine feste Empfehlung erschwert. Mehr Rauch bietet der Kilkerran Heavily Peated, mehr Sanftheit der Kilkerran 12 Jahre. Der Preis liegt in der gehobenen Mittelklasse, was für Qualität und Fassstärke gerechtfertigt ist.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf2/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche3/5

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