Die Kombination im Überblick
Hendrick's Gin und East Imperial Royal Botanic Tonic werden von East Imperial selbst als Paarung empfohlen – ausdrücklich als Option für alle, die einen möglichst wenig bitteren Gin & Tonic bevorzugen. Der 1999 von William Grant & Sons eingeführte Hendrick's gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter des floralen New-Western-Stils: Statt auf Wacholder als Leitaroma setzt er auf natürliche Rosen- und Gurkenessenz, die dem Gin sein bis heute einzigartiges, mildes Profil verleihen. Das Royal Botanic Tonic wurde von East Imperial gezielt als Gegenstück zu genau dieser neuen Gin-Generation entwickelt: Holunderblüten- und rubinrote-Grapefruit-Extrakt ersetzen die kräftige Chinin-Bitterkeit klassischer Tonics durch blumige Eleganz. Zwei Produkte also, die beide bewusst gegen den bitter-wacholderbetonten Mainstream positioniert wurden, treffen hier fast folgerichtig aufeinander. Verantwortlich für die Hendrick's-Rezeptur zeichnet seit der Markteinführung 1999 Master Distillerin Lesley Gracie, die bis heute in der Girvan Distillery an der schottischen Westküste arbeitet und mit ihren fortlaufenden Experimenten für Sonderabfüllungen der Marke zeigt, wie viel Spielraum sich innerhalb des eigentlich fest etablierten Hendrick's-Grundprofils noch finden lässt.
Warum diese Kombination funktioniert
Der Hendrick's bezieht seinen Charakter aus dem Zusammenspiel zweier gegensätzlicher Brennverfahren – einer kräftigen Pot-Still- und einer schonenden Carter-Head-Destillation –, die am Ende zu einem milden, samtigen Gin verschmelzen, in dem Wacholder bewusst zurücktritt. Ein kräftig-bitteres Tonic würde die zarte Rosennote und das nur angedeutete Gurkenaroma leicht überdecken. Das Royal Botanic Tonic vermeidet dieses Risiko, indem es selbst auf eine florale statt bittere Aromatik setzt: Die Holunderblüte verstärkt die Blütenseite des Hendrick's, ohne mit ihr zu konkurrieren, während die Grapefruitzeste einen frischen Kontrapunkt setzt, der dem sonst sehr weichen Gin zusätzliche Struktur verleiht. Angelikawurzel und die dezenten Zitrusschalen aus dem Hendrick's-Rezept finden in der Grapefruitnote des Tonics zudem ein passendes Echo, sodass beide Zutaten entlang derselben floral-zitrischen Linie arbeiten, statt unterschiedliche Aromenwelten zu vermischen.
Verkostung der Kombination
In der Nase dominiert ein dichtes Blütenbouquet aus Rose und Holunderblüte, ergänzt um eine feine Grapefruitzeste und einen kaum wahrnehmbaren Hauch Gurke. Am Gaumen zeigt sich der Drink samtig und blumig, mit einer veilchenartigen Süße, die von der Grapefruit-Säure angenehm ausbalanciert wird; Bitterkeit tritt hier deutlich stärker zurück als bei den meisten anderen Gin-&-Tonic-Kombinationen im Katalog. Wacholder bleibt, wie im puren Hendrick's, nur ein leises Fundament. Der Abgang ist mittellang, floral und schließt mit einem letzten, zarten Rosenhauch, der die durch und durch blumige Ausrichtung dieser Kombination noch einmal bestätigt.
Serviervorschlag
Der Hersteller empfiehlt für den Hendrick's traditionell eine Gurkenscheibe statt der klassischen Zitrone, und diese Garnitur passt auch hier gut, da sie die florale Seite des Drinks zusätzlich unterstreicht, ohne eine neue Aromenebene einzuführen. Serviert im großen Weinglas statt im engen Highballglas entfalten sich die Blütennoten von Rose und Holunderblüte besser; ein Verhältnis von etwa 1:3 (Gin zu Tonic) mit reichlich Eis hält den Drink dabei angenehm leicht. Alternativ passt auch eine dünne Grapefruitzeste, die die fruchtige Seite des Tonics stärker in den Vordergrund rückt.
Einordnung & Vergleich
Innerhalb der bereits umfangreichen Hendrick's-Kombinationen im Katalog – etwa mit 1724 Tonic Water, Aqua Monaco Tonic, Fever-Tree Premium Indian Tonic und Thomas Henry Tonic Water – ist dies die konsequent blumigste Variante, da das Royal Botanic Tonic als einziges der genannten Partner selbst florale Botanicals mitbringt statt nur neutral zu bleiben. Im Vergleich zur bestehenden Kombination von Brockmans Premium Gin mit demselben Tonic zeigt sich zudem, dass das Royal Botanic Tonic bei einem konsequent floralen Gin wie Hendrick's deutlich überzeugender funktioniert als bei einem eher fruchtig-beerigen Profil.
Auch die Herstellungstechnik erklärt, warum diese Kombination so gut funktioniert: Weil ein Teil des Hendrick's über die schonende Carter-Head-Still von 1948 destilliert wird, bei der nur Alkoholdämpfe durch die Botanicals strömen, bleibt die florale Seite des Gins besonders fein und zart – eine Eigenschaft, die ein kräftiges, chininbetontes Tonic leicht zunichtemachen würde, die das zurückhaltende Royal Botanic Tonic aber unangetastet lässt.
Fazit
5/5 Punkte. Eine der stimmigsten und zugänglichsten Kombinationen für alle, die einen möglichst milden, blumigen Gin & Tonic ohne kräftige Bitterkeit suchen. Zwei Produkte, die beide bewusst gegen den klassischen Chinin-Wacholder-Kanon positioniert sind, treffen hier auf eine Weise zusammen, die keinerlei Kompromisse erfordert. Wer dagegen einen kräftig-bitteren, klassischen Gin & Tonic bevorzugt, sollte eher zu einer der anderen Hendrick's-Kombinationen greifen – für Liebhaber floraler Eleganz ist dies jedoch kaum zu übertreffen.
Geschmacks-Matrix der Kombination
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
Weitere Gin & Tonic Kombinationen

Hernö Swedish Excellence Gin & Goldberg & Sons Mediterranean Tonic (2/5)
Nordische Preiselbeere und Vanille treffen auf mediterranen Thymian und Rosmarin – zwei geografisch weit auseinanderliegende Kräuter- und Beerenwelten, die sich eher stören als ergänzen.

Hernö Swedish Excellence Gin & Fentimans Tonic Water (4/5)
Die säuerlichen Preiselbeeren des nordschwedischen Gins setzen der erdig-fermentierten Fentimans-Tiefe eine eigenständige, nordische Gegenspur entgegen.

Isle of Harris Gin & 1724 Tonic Water (4/5)
Die maritim-mineralische Zuckertang-Note des Hebriden-Gins bleibt im leisen 1724 klar erkennbar, während die Orangenmarmelade des Gins auf die Mandarine des Tonics trifft.

