High West Campfire – Bourbon, Rye und Scotch am Lagerfeuer
Der High West Campfire gehört zu den ungewöhnlichsten Flaschen im Regal der amerikanischen Whiskeys: Er mischt einen Straight Bourbon, einen Straight Rye und einen getorften schottischen Blended Malt. Wo sonst Grenzen zwischen den Whisky-Welten verlaufen, setzt die Marke aus Park City in Utah auf ein Dreiergespann. Heraus kommt ein Whiskey mit der Süße des Bourbons, der Würze des Roggens und einem Rauch, der eher an ein Holzfeuer als an Islay-Medizin erinnert.
Abgefüllt wird mit 46 % vol. (92 Proof). Eine Altersangabe trägt die Flasche nicht, und auch die Mischungsverhältnisse bleiben nach Angaben der Marke geheim.
Geschichte: Eine Marke, die das Mischen zum Programm macht
High West entstand als Unternehmen von David und Jane Perkins in Utah. Für die Gründung nennen die Quellen je nach Lesart die Jahre 2004 bis 2006, der Betrieb in Park City begann um 2007. Das Haus hat nie behauptet, alles selbst zu brennen: Von Beginn an kaufte es gereifte Whiskeys zu und stellte daraus eigene Verschnitte zusammen. Erst später kamen eigene Destillate hinzu, gebrannt auf der Blue Sky Ranch in Wanship.
Im Oktober 2016 kündigte Constellation Brands die Übernahme an; auch nach den Quellen, die wir für 2025 und 2026 gefunden haben, gehört High West zu diesem Konzern. Der Campfire passt gut zu dieser Geschichte. Er ist ein Produkt des Komponierens, nicht der Einzelrezeptur. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der High West Distillery.
Der Campfire im Speziellen
Die drei Bestandteile haben nach Angaben der Marke klare Rollen. Der Bourbon liefert die honigartige Süße, der Rye eine blumig-fruchtige Würze, der Scotch den Rauch. Bourbon und Rye stammen demnach von MGP in Lawrenceburg, Indiana; der Bourbon beruht auf einer Maische mit etwa 75 % Mais, der Rye auf 95 % Roggen (die Prozentzahlen unterscheiden sich in einzelnen Quellen um ein bis zwei Punkte). Woher der Malt kommt, verrät High West aus vertraglichen Gründen nicht, bestätigt aber die Torfnote. Wie stark der Torf ist, geben weder Marke noch Quellen an.
Zum Alter finden sich unterschiedliche Aussagen. Die Marke selbst nennt keine Zahl, eine Fachquelle spricht von mindestens fünf Jahren für alle Bestandteile. Wir halten es deshalb bei „ohne Altersangabe“. Ob es eine Kühlfilterung gibt, haben wir nicht belegt gefunden. Im Sortiment steht der Campfire neben dem würzigen Double Rye als die rauchige Variante der Marke.
Herstellung: Drei Whiskeys, ein Verschnitt
Das Prinzip ist schnell erklärt: Die Komponenten reifen einzeln, werden von den Blendern probiert und dann im Verhältnis des Hausrezepts vermählen. Dass Bourbon und Rye nach US-Recht als Straight Whiskeys gelten, heißt, dass sie mindestens zwei Jahre in neuer, ausgekohlter Eiche reiften; dazu mehr in unserem Beitrag zu Bourbon-Regeln und Mythen. Für den Scotch-Anteil gelten die schottischen Regeln; Details zu dessen Fässern nennt die Marke nicht.
Ein Hinweis zur Kategorie: Weil der Campfire Whiskeys aus zwei Ländern mischt, ist er weder Bourbon noch Rye noch Scotch, sondern einfach ein Blend. Die Rye-Seite des Hauses beleuchtet der Beitrag Rye Whiskey: Geschichte und Comeback, wie Torf im Whisky überhaupt gemessen wird, erklärt der Artikel zu Phenol-ppm. Weil Chargen und Anteile sich ändern können, sind Abweichungen von der folgenden Notiz möglich.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Dunkles Gold.
- Nase: Butterscotch und Vanille, dazu Leder, eine Spur Kiefernharz, Honig und ein leiser Hauch von Räucherholz.
- Gaumen: Mittlerer bis voller Körper. Zuerst Karamell, Vanille und rote Beeren, dann Roggenwürze mit Zimt und Muskat. Der Rauch kommt in der Mitte dazu, trocken und leicht rußig, wie ein erloschenes Feuer.
- Abgang: Mittellang bis lang, süß und rauchig, mit Gewürz und einem Rest Eiche.
Die Stärke des Campfire liegt in der Verteilung: Der Rauch bleibt ein Begleiter und übernimmt nicht das Glas. Er stützt die Süße von hinten und gibt ihr Kontur, statt sie zu überdecken. Wer einen Islay-Torfkopf erwartet, wird enttäuscht sein; wer Bourbon mit Charakter sucht, bekommt genau das.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas lassen sich die drei Ebenen am besten auseinanderhalten. Ein paar Tropfen Wasser öffnen die Nase und rücken Honig und Gewürz nach vorn. Auf einem großen Eiswürfel wird der Rauch dezenter. In Cocktails ist er ein dankbarer Partner: Im Old Fashioned bringt er Rauch ohne zusätzliche Zutat, im Manhattan gibt er dem Wermut Gegenhalt, und ein Whiskey Sour bekommt mit ihm eine herbe Tiefe. Zum Essen passen Gegrilltes, Rippchen mit Raucharomen, Hartkäse und dunkle Schokolade. Bitte stets bewusst und in Maßen genießen.
Einordnung & Alternativen
- High West Double Rye Whiskey: Die rauchfreie Schwester aus demselben Haus, kräuterig und leichter zugänglich.
- Westland Flagship American Single Malt Whiskey: Ein amerikanischer Malt mit leichter Rauchnote, aber ganz ohne Verschnitt mit Scotch.
- Michter's US*1 Kentucky Straight Sour Mash Whiskey: Weich und süß, ein ruhiger Gegenpol ohne Rauch.
Fazit
Der High West Campfire ist ein gelungenes Experiment, das nicht als Gag, sondern als stimmiger Whiskey funktioniert. Er richtet sich an Bourbon-Trinker, die dem Rauch eine Chance geben wollen, und an Torf-Freunde, die eine mildere, süßere Ausprägung suchen. Abzüge gibt es für die fehlende Altersangabe, die geheime Zusammensetzung und die Tatsache, dass der größere Teil des Inhalts nicht aus Utah stammt. Ein Whiskey, der seine Idee ehrlich zeigt, aber nicht die letzte Tiefe erreicht, deshalb 4,0 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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