US Whiskey

Michter's US*1 Kentucky Straight Sour Mash Whiskey

4,1/5 Redaktionsbewertung
43 % vol.MittelklasseNeue, ausgekohlte amerikanische Weißeiche nach Herstellerangabe; ohne AltersangabeKentucky, USA
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Michter's US*1 Sour Mash – der Whiskey, der der Marke den Namen gab

Der Michter's US*1 Kentucky Straight Sour Mash Whiskey ist ein Außenseiter im Regal der amerikanischen Whiskeys. Er trägt weder die Bezeichnung Bourbon noch Rye, sondern steht als Straight Whiskey mit 43 % vol. (86 Proof) für sich. Im Glas wirkt er weich, süß und fruchtbetont, mit Karamell, Apfel und einer feinen Röstnote, die an gebrannten Zucker erinnert.

Geschichte: Das Urprodukt der Marke

Der Sour Mash ist das Produkt, auf dem der Markenname einst aufgebaut wurde. Nach Wikipedia entwickelte der Eigentümer Louis Forman gemeinsam mit dem Brennmeister Charles Everett Beam einen Pot-Still-Whiskey, den er Michter's Original Sour Mash nannte, nach seinen Söhnen Michael und Peter. Die erste Charge soll 1951 gebrannt worden sein. Wirtschaftlich zahlte sich das zunächst nicht aus. Die Brennerei in Pennsylvania, auf die sich die Marke beruft, meldete 1989 Insolvenz an und schloss um 1990.

Die heutige Marke entstand, als Joseph Magliocco und Richard Newman von Chatham Imports den Namen übernahmen und die Produktion nach Kentucky verlegten; der genaue Zeitpunkt wird je nach Quelle in den 1990er-Jahren verortet. Wie bei jeder Michter's-Abfüllung gilt: Die Verbindung zum alten Pennsylvania-Betrieb ist eher eine Markenübernahme als eine ununterbrochene Tradition, wie Fachautoren betonen. Der Sour Mash kehrte laut Hersteller 2012 ins Sortiment zurück, nachdem er seit 1989 nicht mehr verkauft worden war. Mehr zur Brennerei steht in unserem Porträt der Michter's Distillery.

Der Michter's US*1 Sour Mash im Speziellen

Das Etikett nennt keine Altersangabe. Bei einem Straight Whiskey bedeutet das, dass er mindestens vier Jahre in neuen Fässern gereift ist, denn jüngere Ware müsste ihr Alter angeben. Die Mashbill veröffentlicht Michter's nicht; die Marke spricht von einer eigenen Getreideauswahl, mit der sich der Whiskey weder als Bourbon noch als Rye einordnen lässt. Das ist der entscheidende Kategorie-Hinweis: Bourbon verlangt mindestens 51 % Mais, Rye mindestens 51 % Roggen. Erreicht kein Getreide die 51 %, darf sich der Whiskey nicht so nennen und trägt stattdessen die allgemeine Bezeichnung Straight Whiskey. Mehr zu diesen Regeln finden Sie in Bourbon: Regeln und Mythen.

Mit 43 % vol. ist er nur wenig stärker als Standard-Bourbons mit 40 %. Die 0,7-Liter-Flasche ist in Deutschland erhältlich. Im Sortiment sitzt er neben dem Michter's US*1 Small Batch Bourbon und dem Michter's US*1 Kentucky Straight Rye und bildet eine eigenständige dritte Linie. Den Brenner führen Fachseiten als nicht benannt; das Etikett spricht von „Distilled and bottled in Kentucky“.

Herstellung: Was Sauermaisch bedeutet

Sour Mash ist keine Whiskeysorte, sondern ein Verfahren. Dabei kommt ein Teil des bereits vergorenen und abgebrannten Rückstands in die neue Maische und dient als Starter, ähnlich dem Sauerteig beim Brot. Der Zusatz senkt den pH-Wert, hält unerwünschte Bakterien in Schach und sorgt für gleichmäßige Gärungen. Die meisten Bourbons und auch Tennessee Whiskey entstehen so; auf dem Etikett wird die Methode aber nur selten hervorgehoben. Bei Michter's gehört sie zur Identität der Marke und der historischen Rezeptur. Die Reifung läuft nach Herstellerangabe in neuen, innen ausgekohlten Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Wie die Marke bei der Filtration arbeitet, gibt sie für diese Abfüllung nicht an.

Verkostungsnotiz

  • Farbe: Mittleres Bernstein mit Kupferschimmer.
  • Nase: Apfel und Karamell, dazu Butterscotch, Honig und Vanille, im Hintergrund Zimt und Muskat.
  • Gaumen: Weich und rund, gebrannter Zucker, kandierte Kirsche und Honigvanille, dazu Orangenschale und milde Würze. Eine leichte Röstnote erinnert an angeröstete Frucht, die Eiche bleibt zurückhaltend.
  • Abgang: Mittellang, warm und süß, mit Vanille, Gewürz und etwas Kirsche.

Genuss-Empfehlung

Pur im Tumbler schmeckt der Sour Mash am besten, weil seine Fruchtigkeit ohne Eis klarer hervortritt; ein Tropfen Wasser genügt. Auf einem großen Eiswürfel bleibt er rund. Im Old Fashioned liefert er eine süße, weiche Basis, im Whiskey Sour trägt die Apfelfrucht den Zitrussaft. Zum Essen passen gebratenes Hähnchen, Pulled Pork, Apfelkuchen oder Crème brûlée, die Karamell und Frucht aufgreifen.

Einordnung & Alternativen

Fazit

Der Michter's US*1 Sour Mash ist ein weicher, fruchtiger Whiskey mit eigener Handschrift, der sich bewusst keiner Schublade zuordnen lässt. Das ist zugleich seine Schwäche: Wer wissen will, was im Glas steckt, erfährt von der Marke kaum etwas über Mashbill und Herkunft. Geschmacklich ist er ein sehr zugänglicher, gut gemachter Whiskey, der Fruchtfreunde und Einsteiger anspricht. Mit 4,1 bewerten wir ihn als überzeugende Alternative zum Small-Batch-Bourbon, nicht als Ersatz.

Aromenprofil

Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.

Süße3/5
Rauch/Torf1/5
Fruchtigkeit3/5
Würze/Eiche2/5

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