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Independent Bottler: Wie Abfüller und Eigenmarken Whisky zugänglich machen

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Neben der Flasche, die eine Brennerei selbst abfüllt, gibt es eine zweite Welt: Fässer, die andere Firmen kaufen, reifen lassen und unter eigenem Namen anbieten. Das sind die Independent Bottler, auf Deutsch unabhängige Abfüller. Dazu kommen Marken ohne eigene Brennerei, die Whisky einkaufen und nach einem festen Rezept füllen. Beides erklärt, warum auf manchen Etiketten kein Brennereiname steht und was sich trotzdem herauslesen lässt.

Was unterscheidet Originalabfüllung und unabhängige Abfüllung?

Bei einer Originalabfüllung füllt die Brennerei oder ihr Eigentümer den eigenen Whisky ab, meist als Verschnitt vieler Fässer, damit das Profil von Jahr zu Jahr gleich bleibt. Ein unabhängiger Abfüller kauft dagegen Whisky von Brennereien und bringt ihn unter eigenem Label heraus; nach Wikipedia ist das seit über hundert Jahren üblich, und manche Brennereien existieren vor allem, um solche Abnehmer zu beliefern. Die Wege sind verschieden: Fässer oder ganze Partien werden bei Brennereien und Lagerhaltern gekauft, teilgereifte Fässer übernommen, oder frisches Destillat wird in eigene Fässer gefüllt und bei der Brennerei oder im eigenen Lager gereift. Viele Häuser haben als Händler und Broker begonnen. Manche Brennereien halten ihre Fässer dagegen vom freien Markt fern; ein US-Fachartikel nennt dafür Glenfarclas, Glenfiddich und Glenmorangie.

Die bekannten Häuser

Abfüller Gegründet Hinweis
Gordon & MacPhail 1895, Elgin Familie Urquhart, Eigentümer von Benromach
Cadenhead 1842, Aberdeen seit 1969 (je nach Quelle 1972) bei den Springbank-Eignern Mitchell
Signatory Vintage 1988, Edinburgh Gründer Andrew Symington, Eigentümer von Edradour
Douglas Laing 1948, Glasgow seit der Teilung 2013 unter Fred Laing
Hunter Laing 2013, Glasgow Stewart Laing und Söhne, Eigentümer von Ardnahoe

Gordon & MacPhail ist laut Whiskypedia aus einem Lebensmittel- und Weinhandel entstanden; die Reihe Connoisseurs Choice startete nach einem Fachbericht 1968. Signatory führt unter anderem eine Un-chillfiltered Collection und eine Cask Strength Collection. Bei Douglas Laing und Hunter Laing teilten sich 2013 zwei Brüder das Erbe der Familienfirma.

Dass Abfüller selbst brennen, zeigt auch unser Katalog: Die Benromach Distillery kaufte Gordon & MacPhail 1993, die Edradour Distillery gehört seit 2002 Signatory, und Ardnahoe auf Islay betreibt Hunter Laing. Deren Kernabfüllungen sind Originalabfüllungen der Brennerei, keine Independent-Bottlings. Umgekehrt liefert die Brennerei von Ben Nevis 10 Jahre regelmäßig Fässer an Abfüller, weshalb Einzelfässer unter fremdem Label kursieren.

Warum der Brennereiname manchmal fehlt

Dafür nennen die Quellen mehrere Gründe. Abfüller dürfen Logos, Schriftzüge und Markenbilder einer Brennerei meist nicht verwenden. Manche Brennereien wünschen nicht, dass ihr Name an Whisky hängt, den sie nicht selbst herausgebracht haben, und manche Abfüller wollen bei mehreren Lieferanten einkaufen, ohne Bezugsquellen preiszugeben. Statt des Namens steht dann oft eine Regionsangabe.

Rechtlich ist das möglich. „Single Malt“ bedeutet nach den Scotch Whisky Regulations „eine Brennerei“, der Name muss aber nicht genannt werden, und ein Regionsname darf stehen, wenn dort destilliert wurde (mehr dazu in Scotch Whisky Regulations: Was auf dem Etikett stehen darf). So erklären sich Markenabfüllungen, die in unserem Katalog stehen: Der Port Askaig 8 Jahre von Elixir Distillers beruht auf einem festen Fassrezept, und Händler betonen, dass die Herkunft zwischen Abfüllungen variieren kann. Der Ileach und der Finlaggan Old Reserve stammen von der Vintage Malt Whisky Company, die laut Branchenportal keine Destillerie besitzt, und beim Smokehead kauft Ian Macleod Destillat ein. Eine Quellbrennerei bestätigt keine dieser Marken, Spekulationen im Netz sind unbelegt.

So liest man das Etikett

Zuerst zählt, wer abgefüllt hat und ob eine Brennerei, eine Region oder nur eine Marke genannt wird. Ein Destillationsjahr darf nur stehen, wenn der gesamte Inhalt aus diesem Jahr stammt, und das Alter bezieht sich auf den jüngsten Bestandteil. Angaben wie Fassnummer, Fasstyp und Flaschenzahl kennzeichnen einen Single Cask; das ist eine freiwillige Angabe und keine der fünf Kategorien. Bei der Stärke hilft der Beitrag Cask Strength und Proof erklärt: Fassstärke ist in Schottland nicht rechtlich definiert und bedeutet unverdünnt. Hinweise wie „non chill-filtered“ oder „natural colour“ sind freiwillige Herstellerangaben; Douglas Laing führt das nach einer Branchenseite für alle Malts, Cadenhead nach Whiskypedia für seine Einzelfässer. Was dahintersteckt, erklärt Kühlfiltrierung und Naturfarbe.

Chancen und Risiken

Die Chance liegt im Zugang: Man erreicht Brennereien, die kaum selbst abfüllen, sehr alte Jahrgänge und die Eigenart eines einzelnen Fasses. Die Risiken sind die Kehrseite. Ein Single Cask lässt sich nicht wiederholen, ist nach wenigen hundert Flaschen vergriffen, und kein Fass schmeckt wie das nächste, wie Whisky-Fassreifung erklärt beschreibt. Die Qualität schwankt von Abfüller zu Abfüller, deshalb zählt der Ruf des Hauses. Manche Häuser setzen den Whisky vor der Abfüllung in ein zweites Fass für ein Finish, laut Whiskypedia etwa Signatory; auf dem Etikett steht dann nicht nur die Hauptreifung. Und bei Markenabfüllungen kann sich die Herkunft von Charge zu Charge ändern, obwohl das Rezept gleich bleibt.

Was das für die Flaschenwahl bedeutet

Wer eine bestimmte Brennerei sucht, achtet auf den genannten Namen, Jahrgang, Fasstyp und Stärke. Wer einen Stil sucht, etwa jungen Islay-Rauch, kommt mit einer Markenabfüllung aus und sollte nicht mit konstanter Herkunft rechnen. Bei Einzelfässern hilft es, zuvor die Standardabfüllung derselben Brennerei zu kennen, denn das Fass weicht von ihr ab. Und weil ein Name wie Port Askaig oder Finlaggan nur eine Marke ist, lohnt der Blick auf Abfüller, Stärke und Zusätze im Kleingedruckten.