Knappogue Castle 12 Jahre – Irischer Single Malt mit Burgnamen
Der Knappogue Castle 12 Jahre ist ein irischer Single Malt aus ausschließlich gebrauchten Bourbonfässern, abgefüllt mit 40 % Vol. und mit zwölf Jahren Reife. Er ist dreifach destilliert und trägt den Namen einer Burg in der Grafschaft Clare, in der allerdings kein Tropfen gebrannt wird. Knappogue Castle ist eine Marke, keine Brennerei, und genau das macht ihre Geschichte lesenswert.
Im Glas steht ein heller, fruchtiger und glatt gemachter Malt für Einsteiger in irischen Single Malt, der mit seiner Altersangabe überzeugt und weniger mit Wucht.
Geschichte: Von der Burg zur Marke
Knappogue Castle liegt bei Quin in der Grafschaft Clare. Das Tower House wurde nach Angaben zur Burggeschichte 1467 von der Familie Mac Conmara (MacNamara) errichtet. 1966 kaufte das US-amerikanische Ehepaar Mark Edwin und Lavonne Andrews die Anlage und ließ sie in den folgenden Jahren umfassend restaurieren. Andrews füllte seinerseits seltene irische Whiskeys privat ab; einer davon, der Knappogue Castle 1951, bildete den Anfang der Marke. Sein Sohn Mark Edwin Andrews III gründete 1998 das Unternehmen Great Spirits, das diesen Whiskey erstmals öffentlich verkaufte. Später folgten Jahrgangsabfüllungen.
Great Spirits ging 2003 im US-Spirituosenhaus Castle Brands auf, das den 12-Jährigen nach Wikipedia 2010 einführte. Castle Brands wurde 2019 von Pernod Ricard übernommen, die Marke lag danach bei der Tochter Irish Distillers. Im Juli 2025 verkaufte Irish Distillers Knappogue Castle und die Schwestermarke Clontarf an das irische Unternehmen Cobblestone Brands. In Deutschland übernimmt Kammer-Kirsch den Vertrieb ab Januar 2026. Die vermutete Herkunft des Destillats steht im Porträt der Bushmills Distillery.
Der Knappogue Castle 12 im Speziellen
Der Zwölfjährige ist die Basis der heutigen Reihe, zu der je nach Markt auch Abfüllungen mit 14, 16 und 21 Jahren zählen. Laut Hersteller beziehungsweise Händlerbeschreibungen ist er dreifach destilliert, in Bourbonfässern gereift und ohne Farbstoff abgefüllt. Die Stärke beträgt 40 % Vol. Es gibt amerikanische Sonderabfüllungen mit 46 %, die aber nicht dieser Flasche entsprechen. Zur Kühlfiltrierung finden sich keine verlässlichen Angaben, weshalb wir sie offenlassen.
Die Herkunft des Destillats ist der unsicherste Punkt. Nach dem deutschen Vertrieb und mehreren Fachseiten stammt der Whiskey aus der Old Bushmills Distillery in County Antrim. Andere Quellen, darunter der Wikipedia-Eintrag zur Marke und eine Whisky-Datenbank, führen dagegen Cooley als Produzenten, und die Marke selbst nennt die Brennerei nicht. Wir schreiben deshalb: wahrscheinlich Bushmills, nicht offiziell bestätigt.
Herstellung: Gekauft, gereift, abgefüllt
Als Single Malt besteht der Whiskey ausschließlich aus Gerstenmalz einer einzigen Brennerei. Dreifache Destillation in Kupfer-Pot-Stills ist der irische Standard und sorgt für ein leichtes, reines Destillat. Die zwölf Jahre in Ex-Bourbonfässern runden es ab. Weil kein Sherry oder anderes Finish beteiligt ist, bleiben Fruchtnoten und Fassvanille im Vordergrund.
Verkostungsnotiz
- Farbe: Helles bis mittleres Gold, ohne Färbung.
- Nase: Malzig und keksig, mit Honig, Aprikose, Orangenschale und einem Hauch von Ananas. Mit etwas Zeit kommt Vanille hinzu.
- Gaumen: Mittelleicht, weich und gut ausbalanciert, mit gelben Früchten, Orange, Honig und feiner Würze aus Pfeffer und Nelke. Das Holz bleibt zurückhaltend.
- Abgang: Mittellang, sauber, mit fruchtigem Nachhall und leichter Gewürzigkeit.
Der Gesamteindruck ist der eines sauber gemachten, zugänglichen Malts ohne Ecken und Kanten. Einzelne Verkoster vermissen Intensität, andere schätzen die Fruchtigkeit. Bei 40 % Vol. zeigt er sich gefällig, aber nicht komplex. Die klare Altersangabe von zwölf Jahren bei einem irischen Single Malt ist seine eigentliche Stärke.
Genuss-Empfehlung
Pur im Tulpenglas kommen die Fruchtnoten am besten zur Geltung, Wasser braucht es bei 40 % Vol. kaum. Mit einem Eiswürfel wird er noch milder. Als Highball mit Soda und Orangenzeste bleibt der Malt erkennbar, in einem Whiskey Sour oder einem Irish Coffee geht seine Feinheit dagegen verloren. Zum Essen passen Räucherlachs, milder Ziegenkäse, Aprikosentarte und helle Schokolade.
Einordnung & Alternativen
- Bushmills 10 Jahre: wahrscheinlich dieselbe Brennerei, hier mit Sherry-Anteil, daher etwas dunkler und runder.
- Teeling Single Malt: mit Port-, White-Port- und Madeira-Fässern und 46 % Vol. deutlich prägnanter in Frucht und Fass.
- The Sexton: ebenfalls ein Single Malt ohne eigene Brennerei, hier aus Sherryfässern.
Fazit
Der Knappogue Castle 12 Jahre ist ein freundlicher, fruchtiger irischer Single Malt mit klarer Altersangabe und unaufgeregtem Profil. Er passt zu Einsteigern und zu allen, die einen leichten Malt ohne Holzdominanz suchen. Dass die Herkunft des Destillats nicht offiziell benannt wird und das Profil bei 40 % Vol. wenig Tiefe bietet, bremst die Wertung, deshalb 3,4 Punkte.
Aromenprofil
Redaktionelle Einschätzung aus der Verkostung — keine Messdaten, sondern unsere Einordnung im Vergleich zu anderen Flaschen dieser Kategorie.
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